Es wird ernst: Die Pläne für den in Lahr geplanten Surfpark werden am kommenden Mittwoch im Technischen Ausschuss erstmals öffentlich vorgestellt. Der Investor erwartet rund 200 000 Besucher pro Jahr.
In der Sitzungsvorlage ist von einem „sporttouristischen Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlkraft“ die Rede – in Form eines 2,5 bis drei Hektar großen Surfparks.
Im Lahrer Rathaus wird das Ansinnen des Investors – ein Unternehmen aus Unterschleißheim – deshalb gern gesehen. Den vorgesehenen Wellenpark namens „Surfield“ erachtet die Verwaltung als „wichtigen und attraktiven Angebotsbaustein im Rahmen des Freizeit- und Tourismusangebots in Lahr“ – das Ganze könne zum Imagewinn für die Stadt werden, so die freudige Erwartung.
Auch die für die Ferienregion zuständige Schwarzwald Tourismus GmbH befürworte diese touristische Infrastrukturmaßnahme und unterstütze „die Verwirklichung eines innovativen, nachhaltigen und einzigartigen Projekts“, wie in der Ausschussvorlage betont wird. Zumal erwartet wird, dass der Surfpark als starker Frequenzbringer weitere Übernachtungs- und Tagesausflugsgäste anlocken wird.
Riesiges Surfbecken soll 100 Meter breit und 150 Meter lang werden
Geplant ist ein Surfpool von etwa 100 Meter Breite Mal 150 Meter Länge, in dem künstlich perfekte Wellen energieeffizient und CO²-neutral erzeugt werden. „Das Herzstück ist ein revolutionärer Surfsee mit enormer Nutzerkapazität, in dem bis zu 1000 perfekte Wellen in unzähligen Größen und Formen pro Stunde generiert werden können. Für alle Surflevel, Surfstyles und Altersstufen“, heißt es auf der „Surfield“-Homepage.
Dafür ist der Bau einer Agri-Photovoltaik-Anlage vorgesehen, die laut der Ausschussvorlage den Energiebedarf des Surfparks um ein Vielfaches übersteigen soll. Agri-Photovoltaik ist die gleichzeitige Flächennutzung für die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Energie.
Der geplante Surfpark sei auf einen ganzjährigen Betrieb ausgelegt, heißt es. In der kälteren Jahreszeit sollen Wellnessangebote und künstliches Höhentraining angeboten werden. Insgesamt werden rund 200 000 Gäste pro Jahr erwartet. Zielgruppen sind, abgesehen von der Surferszene, gesundheitsbewusste Menschen, Sportbegeisterte und Familien. Neben der Nähe zu Frankreich und der Schweiz biete Lahr eine optimale Verkehrsanbindung durch den Autobahnanschluss, hebt die Stadt hervor. In dem Surfpark sollen rund 130 Arbeitsplätze entstehen.
Das Parkgelände soll ohne Eintritt besucht werden können. Wer nicht surfen will, kann dann dort etwas essen und den Surfern zugucken. Das kostenpflichtige Surfangebot soll durch Gastro-Angebote und Hotelbetten ergänzt werden. Denn es wird erwartet, dass Surfbegeisterte auch weite Anreisen in Kauf nehmen. Heißt: Die geplante Freizeiteinrichtung würde längere Aufenthalte mit Übernachtungen generieren. Die Gäste sollen dabei laut Vorlage in energieeffizienten und multifunktionale Gebäuden mit Dach- und Fassadenbegrünung unterkommen. „Das Surfen soll auch in Kombination mit therapeutischen und erlebnispädagogischen Methoden genutzt werden, um die Gesundheit sowie die Selbstwirksamkeit insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu fördern“, ist der Ausschussvorlage zu entnehmen. Gesundheit und gesunde Ernährung seien nämlich wesentliche Bestandteile des Konzepts. Auf dem Areal sollen auch weitere In- und Outdoor-Sport- sowie Freizeitangebote wie Yoga, Beachvolleyball oder Skaten entstehen.
Das Konzept sieht vor, Regenwasser für heiße Zeiten zu speichern
Surfparks werden von Umweltschützern durchaus kritisch gesehen. Laut Stadt sind dem Investor allerdings Ökologie und Nachhaltigkeit wichtig. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt habe der Vorhabenträger ein detailliertes Konzept zu ökologischen Maßnahmen, zur regenerativen Energieerzeugung und zum Wassermanagement vorgelegt. Geplant sei, dass Oberflächenwasser von Gebäuden abgefangen und gespeichert wird. Besonders für heiße Phasen, in denen die Wasserressourcen knapp sind, solle Regenwasser gespeichert und effizient genutzt werden, um den Verbrauch von Grundwasser und Frischwasser gering zu halten. Außerdem sollen Parkflächen durch ökologische Maßnahmen aufgewertet werden.
Die Frage, wo der Surfpark konkret gebaut werden soll, ist freilich noch offen. Deshalb ist es nun an den Mitgliedern des Technischen Ausschusses, in der Sitzung am Mittwoch ab 17.30 Uhr die Verwaltung mit der Standortsuche zu beauftragen. Es wäre keine Überraschung, wenn sie auf dem Flugplatz fündig wird, wo noch freie Flächen zur Verfügung stehen.
Zudem solle ein Kriterienkatalog für den Surfpark erarbeitet werden, der bereits bei der Standortsuche zum Tragen kommt. Dabei sollen Themen wie Energieverbrauch und -effizienz, Wassernutzung, Flächenverbrauch, raumordnerische Belange, Verkehr, ÖPNV-Anbindung, Bau- und Gestaltungsaspekte, Nachhaltigkeit und Rückbau berücksichtigt werden.
Die Bewertung der Stadt klingt jedenfalls vielversprechend: „Nach Einschätzung der Stadtverwaltung kann es gelingen, ein Beispiel für ressourcenschonendes Wirtschaften in Lahr mit großer Strahlkraft anzusiedeln“. Deshalb begrüße und unterstütze man das Vorhaben.
Das ist der Investor
Der Initiator des Projekts heißt Mario Gerlach. Er ist Gründer der Surfield GmbH mit Sitz in Unterschleißheim im Landkreis München. Das „Surfield“-Team ist laut Angaben auf der Homepage breit aufgestellt. Es gibt Verantwortliche für Planung, Finanzen, Landschaftsbau, Gastronomie und Hotellerie sowie für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.