Matthias Kleinert Foto: Leif Piechowski

Eigentlich sollte am Freitag im Bahnhofsturm das 20-jährige Bestehen des Verbands Region Stuttgart gefeiert werden. Doch dann bekam die Landesregierung ihr Fett weg.

Stuttgart - Wie üblich nimmt Matthias Kleinert kein Blatt vor den Mund. Der frühere Regierungssprecher von Ministerpräsident Lothar Späth und spätere Generalbevollmächtigte von Daimler berichtet vor rund 80 Gästen im neunten Stock des Hauptbahnhofs von seinem Interview in unserer Zeitung vom Vortag. Darin hatte Kleinert der Landesregierung vorgeworfen, kein Interesse am Sport zu haben. Er belegte dies damit, dass Prominenz aus aller Welt zum 60. Geburtstag von IOC-Präsident Thomas Bach nach Tauberbischofsheim kam, aber weder Ministerpräsident Kretschmann noch ein anderer Vertreter des Landes da war. Am Freitag, so berichtet Kleinert der entsetzten Runde, habe das Staatsministerium bei ihm angerufen und sinngemäß gefragt, ob das denn nötig gewesen sei. Daraufhin habe er seinerseits gefragt, warum die Einladung nicht angenommen wurde. „Da sagen die mir , dass die nicht formgerecht war, weil sie nicht an den Ministerpräsidenten gerichtet war, sondern allgemein ans Staatsministerium“, sagt Kleinert, „das muss man sich mal vorstellen.“ Auf das Interview habe er viel Zuspruch von Profis, Amateurvereinen und Bürgern bekommen, nach dem Motto: „Endlich sagt es mal einer.“

 

Auch Kleinerts CDU-Parteifreund Stefan Wolf, Präsident von Südwestmetall und Vorstandsvorsitzender der ElringKlinger AG, fühlt sich vernachlässigt. Südwestmetall sei der größte Arbeitgeberverband Deutschlands und frühere Ministerpräsidenten hätten stets an der Jahreshauptversammlung teilgenommen, so Wolf: „Der Herr Kretschmann ist aber seit drei Jahren nicht gekommen.“ Sein Namensvetter Guido Wolf, ebenfalls CDU und seines Zeichens Landtagspräsident, nennt dieses Vorgehen „die Politik der bewussten Distanz“. Er hält Grün-Rot vor, Entscheidungen „im abgeschlossenen Raum“ vorzubereiten, anstatt die Chancen des Dialogs zu suchen.

Matthias Kleinert, bekennender Fan der regionalen Idee, plädiert dafür, den Verband Region Stuttgart auch im 20. Jahr seines Bestehens zu stärken und Selbstbewusstsein zu zeigen: „Wir müssen sagen, dass wir die stärkste Region in Europa sind, und das geschieht zu wenig.“ Auch Guido Wolf hält Emotionen für wichtig, damit sich die Bürger mit der Region identifizieren. „Das bringt die Direktwahl der Regionalräte“, sagt der Landrat von Tuttlingen. Die gibt es in den anderen elf Verbänden nicht.

Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) warnt davor, sich allzu große Hoffnungen zu machen. „Es fahren täglich 380 000 Menschen mit der S-Bahn, aber die interessiert nicht, wer diese in Auftrag gegeben hat.“ Andererseits erwähnt Bopp das Packaging Excellence Center in Waiblingen, in dem mehrere Hersteller von Verpackungsmaschinen zusammenarbeiten. „Die haben die Weltmärkte erobert“, schwärmt Bopp. Matthias Kleinert hakt gleich ein: „Aber das sind doch die Themen, die Begeisterung auslösen! Weltmarktführer, darüber reden die Leute doch!“ Mit fast 76 Jahren lodert in dem gebürtigen Berliner immer noch das Feuer, wenn die Stichworte Region Stuttgart fallen.