Reinhold Würth 2020 beim „Über Kunst“-Gespräch der „Stuttgarter Nachrichten“ Foto: Steffen Schmid

Am 18. Mai 2001 eröffnet, ist die Kunsthalle Würth bis heute immer wieder ein Erlebnis. Für das „Herzensprojekt“ des Unternehmers, Mäzens und Sammlers Reinhold Würth ist eine Erweiterung geplant.

Schwäbisch Hall - Am 18. Mai 2001 wird im sonnendurchfluteten Schwäbisch Hall ein bis dahin in Baden-Württemberg einzigartiges Projekt eröffnet: die Kunsthalle Würth. Höchster Gast: der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Fast ungestüm wirkt der Stifter, Mentor und Motor Reinhold Würth an jenem Tag. Mit jeder Bewegung wird das Tempo spürbar, das Reinhold Würth als Lenker der in Künzelsau ansässigen Adolf Würth GmbH & Co. KG lebt.

 

Ein Höhepunkt auch für Reinhold Würth

Lebensintensität vermittelt auch das von Rainer Fetting gemalte Porträt von Reinhold Würth – überlebensgroß begrüßt der damalige Vorsitzende des Beirats der Würth-Gruppe im Mai 2001 die Besucher im Eingangsbereich der Kunsthalle. 66 Jahre ist Reinhold Würth damals – und spricht von „einem der ganz großen Höhepunkte in meinem beruflichen Leben“.

2022 beginnt die Erweiterung

Und wie sieht Würth, inzwischen 86 und Vorsitzender des Stiftungsausschusses der Würth-Gruppe, das Projekt Kunsthalle Würth heute? „Wir werden erweitern“, antwortet er beim „Über Kunst“-Gespräch unserer Zeitung im Carmen-Würth-Forum im September 2020. „Der Bauantrag ist fertig.“ Bleibt Würth so kurz angebunden, darf man von Ungeduld ausgehen. Doch auch von Vorfreude – auf weitere 600 Quadratmeter Fläche. Geplanter Baubeginn ist 2022.

Vom Unort zum Vorzeigeprojekt

Der bisherige Weg passt in vier Wörter: vom Unort zum Vorzeigeprojekt – mit 4,45 Millionen Besucherinnen und Besuchern in bisher 45 Ausstellungen und aktuell einem Blick auf das Werk des Wiener Barockbildhauers Leonard Kern.

Ein Stadtquartier neu erschlossen

Zum symbolischen Preis von damals einer D-Mark hatte die Stadt Schwäbisch Hall das Grundstück für die geplante Kunsthalle zur Verfügung gestellt – man hoffte, Würths Investition gebe einem Sanierungsgebiet neue Impulse. So ist die Kunsthalle weit mehr als ein Ort für 500 Werke aus der seinerzeit rund 6000 Stücke umfassenden Sammlung Würth – heute sind 18 300 Werke im Unternehmenswert verankert –, sie ist auch eine Investition in die Neuordnung eines Stadtviertels.

Freier Eintritt als Programm

„Man spricht immer vom Unterschied zwischen Arm und Reich“, sagt Reinhold Würth. „In der Kunst hat man die Möglichkeit, diese Disharmonie aufzuheben.“ Bei freiem Eintritt sind im Museum alle Menschen gleich. „Mir war es ein Anliegen, Oasen zu schaffen, an denen dies möglich ist.“ Jedoch: „So selbstlos“, wehrt Würth als „Über Kunst“-Gast Beifall ab, „ist das gar nicht.“ Denn: „Ich wollte nicht, dass wir in der Öffentlichkeit den Eindruck hinterlassen, eine Organisation zu sein, die nur auf Profit aus ist.“ „Ich wollte, dass wir eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlen, eine Weitläufigkeit.“

Meisterwerk von Henning Larsen

Der dänische Architekt Henning Larsen, nach einem hochkarätigen Einladungswettbewerb 1997 mit der Planung der Kunsthalle beauftragt, hat Würth offenbar verstanden. Auf einem vormals in den Grund getriebenen Parkhaus aufsetzend, entwickelt sich die dreistöckige Kunsthalle mit ihren 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche (2004 kamen 650 Quadratmeter dazu) zur Altstadt hin in horizontaler Schichtung. Treppen erschließen hinter Glasfronten die eigentlichen Ausstellungsräume.

Immer wieder ein Erlebnis

Inmitten der engen Gassen unterhalb des Bahnhofs findet man sich plötzlich auf einem großzügigen Platz wieder. Larsen hat eine Architekturskulptur geschaffen. Wer auf dem Platz steht, steht der Kunst auf dem Kopf, Glassteine verraten die Idee, den Werken in den Ausstellungsräumen natürliches Oberlicht zu gönnen. Mehr noch: Von dem Kunsthallenvorplatz aus hat man freie Sicht auf das historische Schwäbisch Hall – gerahmt von Eingangsbereich und Vortragssaal ergibt sich der Eindruck eines buchstäblichen Stadtbildes. Und das ist wie die Kunst einfach immer wieder ein Erlebnis. Auf die Erweiterungsplanung durch das von Werner Frosch geführte Münchner Büro des 2013 gestorbenen Henning Larsen kann man sich schon jetzt freuen.