Im Blauen Salon werden seit zwei Jahrzehnten vielschichtige, qualitativ hochwertige Konzertabende geboten– ein Rückblick auf die Entwicklung der Veranstaltungen.
Das erste von Oliver Schell organisierte „Konzert im Blauen Salon“ fand am 12. März 2006, also vor genau 20 Jahren, im Rathaussaal statt. Ausgangspunkt seiner erfolgreichen Konzertreihe war, dass Schell den 1893 im Stil der Neorenaissance erbauten Rathaussaal entdeckte, dessen brillante Akustik ihm ideal geeignet erschien für klassische Kammermusikkonzerte. Und mit seiner „Werkstatt für Tasteninstrumente“ in Haslach und als überregional renommierter Klavierstimmer verfügt er zudem über exzellente Kontakte in die klassische Musikszene, die es ihm ermöglichen, stets ein äußerst niveauvolles Programm auf die Bühne zu bringen.
Im ersten Konzert 2006 spielte Markus Uhl auf einem Clavichord, dessen geringe Lautstärke zugleich ein guter Test war für die Akustik. Zehn Jahre später kam Uhl zum Jubiläum nochmals mit seinem Instrument nach Wolfach.
Bei Premiere spielte Markus Uhl auf dem Clavichord
In den vergangenen 20 Jahren fanden insgesamt rund 90 Konzerte im Blauen Salon statt. Zu den häufigsten Gästen zählt der Geiger Lázló Fogarassy, der als Solist und mit wechselnden Ensembles von schwungvollen Strauß-Walzern bis hin zu Sonaten des 20. Jahrhunderts stets ein abwechslungsreiches Repertoire darbot. Ein Glanzstück war Beethovens fünftes Klavierkonzert, bei dem er mit seinem Quintett die großartige Pianistin Katja Poljakova begleitete. Nicht minder eindrucksvoll geriet ihm das 2. Chopin-Klavierkonzert mit Aleksandra Mikulska, bei dem er kurzfristig mit seinem Ensemble eingesprungen ist. Mikulska selbst wiederum zählt zweifellos zu den absoluten Top-Stars der Reihe, die mit ihren Chopin-Abenden mehrfach das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Sie weihte auch den im Jahre 2013 auf Initiative von Oliver Schell neu angeschafften Förster-Flügel ein, der den in die Jahre gekommenen alten „Blechstein“-Flügel ablöste.
Äußerst qualitätsvoll waren auch immer die Gastspiele der Pianistin Olga Zheltikova, die sich insbesondere durch ihre außergewöhnliche Programmauswahl auszeichnete. So führte sie beispielsweise mit Alwyn Tomas Westbrooke Arnold Schönbergs bezaubernde Fantasie für Violine und Klavier auf und begleitete mit ihrem Ensemble den Fritz-Lang-Stummfilm „Metropolis“ live mit der originalen Musik von Gottfried Huppertz.
Seit 2018 stoßen die jährlichen Stummfilmkonzerte mit Günther A. Buchwald, einer weltweit anerkannten Koryphäe auf diesem Gebiet, auf große Resonanz. Dabei reichte sein Spektrum von Fritz Langs „Der müde Tod“ bis hin zu Kurzfilmen von Buster Keaton und Charlie Chaplin, die er an Klavier und Geige begleitete. Auch die leichte Muse fand stets einen Platz im Blauen Salon. In Erinnerung blieben hier insbesondere die bissig-satirischen Georg-Kreisler-Abende von Konstantin Schmidt.
Nur ein einziges Mal gastierte der russische Bajan-Spieler Yuri Shishkin in Wolfach, doch zählt sein Konzert auf dem Knopfakkordeon 2013 zu den absoluten Höhepunkten der Reihe. Er begeisterte dabei das Publikum mit der gewaltigen Sonate Nr. 3 von Viatcheslav Semionov, die dieser für Shishkin eigens komponierte.
Unvergesslich war auch der Auftritt von Spark, der „klassischen Band“. Er ließ selbst erfahrene Musikkritiker sprachlos zurück ob der genialen Meisterschaft ihres Zusammenspiels.
19. Spielzeit
Die 19. Spielzeit der „Konzerte im Blauen Salon“ endete jetzt am 1. März. Den Schlusspunkt setzte das „Trio Zénon“.