Die schwer bewaffnete SEK-Beamten kurz vor dem Zugriff – die Spezialkräfte konnten den 20-Jährigen unverletzt überwältigen. Foto: Marc Eich

Er stand mit nacktem Oberkörper auf dem Balkon, während das SEK längst bereitstand – neue Details zeigen, wie die Spezialkräfte den Zugriff in Mönchweiler vorbereiteten und durchzogen.

Alles soll mit einer Nachricht in den sozialen Medien begonnen haben – am Ende mussten Beamte des Spezialeinsatzkommandos einen 20-Jährigen in Mönchweiler festnehmen: Die Gemeinde im Schwarzwald-Baar-Kreis erlebte einen fast sechsstündigen Nervenkrieg, der letztlich unblutig beendet werden konnte.

 

Er wollte sich umbringen, und wenn die Beamten vor der Tür stehen, dann werde er auf diese schießen – eine Drohung dieser Art hatte der junge Mann, der in einem Mehrfamilienhaus in der Friedhofstraße wohnt, abgesetzt und damit die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich gezogen. Warum – das bleibt auch Stunden später ein Rätsel.

Gegen 10.30 Uhr, so erinnert sich ein Anwohner, ist die Polizei erstmals vor Ort. „Die sind ganz langsam an meinem Haus vorbeigefahren, ich habe mich noch gewundert“, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Zahlreiche Streifenbeamte werden zusammengezogen. Im Bereich eines Firmengeländes in der Fichtenstraße positionieren sich die Polizisten und statten sich mit besonderer Schutzausrüstung aus: schusssichere Westen, Helm, Maschinenpistole.

Sie gehen dabei besonders bedacht vor und wollen vermeiden, dass der 20-Jährige von dem Aufgebot, das sich dort formierte, erfährt. Die Straße wird deshalb zunächst nicht gesperrt, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Auch umliegende Anwohner werden gebeten, im Haus zu bleiben – sie werden jedoch nicht daran gehindert, ihre eigenen vier Wände zu verlassen oder zu betreten. Denn eine Gefahr für die Bevölkerung oder für Dritte sieht die Polizei nicht. Trotzdem steht schon zu einem frühen Zeitpunkt der Einsatz von Spezialkräften im Raum.

Verhandlungen über den Balkon

Dieses Vorgehen wird zwischenzeitlich jedoch zurückgestellt. Die Einsatzleitung entscheidet sich stattdessen, Verhandlungen mit dem Mann aufzunehmen, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. Nachbarn berichten, dass sich der 20-Jährige hierfür auf den Balkon des Wohnhauses begeben habe. Bilder, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen den jungen Mann locker an der Brüstung gelehnt, wie er sich mit Beamten der Verhandlungsgruppe und der Kriminalpolizei unterhält.

Die SEK-Beamte tragen auch ein Kettenhemd, um sich vor Stichverletzungen zu schützen. Foto: Marc Eich

Währenddessen hat die Polizei das Haus von allen Seiten im Blick – Beamte sichern das Gebiet, ein Hundeführer ist vor Ort. Über ihnen schweben Einsatzdrohnen der Polizei. Aus der Luft beobachten die Beamten die Lage.

SEK-Beamte kommen mit dem Hubschrauber

Über Stunden gehen die Verhandlungen, sie haben aber offenbar nicht den gewünschten Effekt. Gegen 14 Uhr wird deshalb das Spezialeinsatzkommando aus Göppingen nach Mönchweiler gerufen. Erste Beamte werden mit dem Polizeihubschrauber nach Villingen-Schwenningen geflogen und dann mit Streifenwagen an die Einsatzstelle gebracht. Die ersten erreichen die Fichtenstraße gegen 14.45 Uhr.

Nach und nach treffen am Bereitstellungsort mehrere Fahrzeuge der Spezialkräfte und zusätzliche Kriminalbeamte ein. Auch das DRK mit Notarzt, Rettungswagen und Organisatorischem Leiter des Rettungsdienstes ist mittlerweile vor Ort, um im Ernstfall schnelle Hilfe leisten zu können.

Am Ende steht der Mann mit nacktem Oberkörper da

Fast zwei Stunden bereitet sich das SEK akribisch auf den Zugriff vor, während die Beamten vor Ort den 20-Jährigen weiter in ein Gespräch verwickeln. „Am Ende lief er mit den Händen auf dem Rücken hin und her, als wenn er auf etwas wartet“, erzählt der Nachbar. Zu diesem Zeitpunkt waren die schwer bewaffneten Spezialeinsatzkräfte – teils mit Kettenhemd ausgestattet – bereits in einen Transporter gestiegen.

Über Stunden bewacht die Polizei auch mit einem Hundeführer das Wohnhaus des 20-Jährigen. Foto: Marc Eich

Sie postieren sich am Haus und verschaffen sich unauffällig Zutritt. Währenddessen zieht sich der junge Mann laut Nachbarn seinen Pullover aus und steht schließlich mit nacktem Oberkörper auf dem Balkon. Möglicherweise hatte die Polizei ihn dazu aufgefordert, um zu erkennen, ob er Waffen am Körper trägt.

Hintergründe der Ankündigung noch unklar

Dann geht alles blitzschnell: Offenbar von mehreren Seiten erfolgt gegen 17 Uhr der Zugriff. Der Mann lässt sich laut Polizeisprecher Fabian Herkommer ohne Widerstand überwältigen. Er wird mindestens vorläufig festgenommen – verletzt wird niemand. Warum er diesen stundenlangen Nervenkrieg anzettelte, ist nun Gegenstand der Ermittlungen.