Wassermeister Stefan Nofer beim Wasserspender im Bad Herrenalber Kurpark. Foto: Sabine Zoller

20 Brunnen laden in Bad Herrenalb zu Rast und Erholung ein. Doch nicht bei allen sprudelt geprüftes Trinkwasser heraus. Warum, erklärt Wassermeister Stefan Nofer.

Seit jeher sind Brunnen Orte der Begegnung und des Lebens. Sie spenden nicht nur das wertvolle Nass, sondern schenken auch Erfrischung, Ruhe und Momente der Besinnung. Ob kunstvoll gestaltet im Stadtzentrum, plätschernd im Kurpark oder als Quelle in den Wäldern. Brunnen erzählen Geschichten von Kultur, Tradition und Gemeinschaft. Sie sind Symbole für Beständigkeit, aber auch für Lebendigkeit, die uns täglich mit dem Element Wasser verbindet.

 

Einst waren Brunnen die Herzstücke jeder Siedlung. Sie lieferten das kostbare Nass für Dorfgemeinschaften, Viehhaltung und Landwirtschaft und waren zugleich Orte des Austauschs, an denen das soziale Leben sprudelte. Heute fließt Wasser aus der Leitung, und Brunnen haben ihre ursprüngliche Funktion weitgehend verloren. Geblieben sind sie jedoch als Schmuckstücke des Ortsbildes und als Erinnerungen an eine Zeit, in der ihr Plätschern überlebenswichtig war. In einer Welt steigender Temperaturen rücken sie wieder stärker in den Fokus, denn Wasser ist eine der kostbarsten Ressourcen unserer Zeit. Brunnen sind damit nicht nur ästhetische Blickfänger, sondern könnten künftig erneut an Bedeutung gewinnen, und das nicht nur als kühle Inseln mitten im Alltag.

Erfrischende Stärkung

Besonders praktisch: Bad Herrenalb und seine Höhenorte zählen 20 Brunnen, die zu Rast und Erholung einladen. An vielen sprudelt zudem als erfrischende Stärkung frisches Trinkwasser, das Wanderern, Ausflüglern und Einheimischen gleichermaßen zugutekommt und kostenfrei zur Verfügung steht. In der App „Trinkwasser unterwegs“ und in der App „Watrify-Trinkwasser“ sind sämtliche Standorte der sechs Trinkbrunnen in Bad Herrenalb registriert, die als öffentliche Trinkwasserstationen von April bis Oktober in Betrieb sind. So erfrischt der Brunnen in Bernbach an der Bernsteinstraße die Wanderer am Einstieg zum Bernsteinfelsen, und in Rotensol lädt der Schweizerbrunnen in unmittelbarer Nähe des Höhenrundwegs zu einer Rast ein.

Barrierefreier Trinkbrunnen

Im Zentrum Bad Herrenalbs sprudelt im Kurpark seit der Gartenschau ein barrierefreier Trinkbrunnen mit zwei Höhenstufen, der es auch Rollstuhlfahrern ermöglicht, direkt zu trinken oder Flaschen aufzufüllen.

Ein nahezu identisches Modell findet sich auf dem Rathausplatz, das rund um die Uhr Trinkwasser kostenfrei anbietet. „Sobald die örtliche Straßenbeleuchtung eingeschaltet ist, werden die Außenbrunnen in Bernbach, Rotensol und der an den Stadtwerken aus Ressourcengründen außer Betrieb genommen“, so Wassermeister Stefan Nofer, der auf den Trinkpavillon am Kurhaus verweist. Denn dort steht ganzjährig während der Öffnungszeiten des Pavillons Wasser für Gäste zur Verfügung.

Strenge Qualitätskontrollen

Damit jederzeit einwandfreies Wasser zur Verfügung steht, unterliegen die Trinkbrunnen regelmäßigen Prüfungen. Geprüft werden die klassischen Parameter für Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum: E. coli, coliforme Bakterien, die Koloniezahl bei 20 Grad Celsius und 36 Grad sowie Pseudomonas aeruginosa.

Für jede Probenahme wird beim beauftragten Labor Agrolab Wasseranalytik GmbH ein spezielles Probenahmeprotokoll angefordert. Vor Ort entnimmt ein zertifizierter Probenehmer mit geeigneten Flaschen die Wasserprobe. Wichtige Informationen wie Datum, Uhrzeit, Temperatur, Geruch oder eine mögliche optische Trübung werden sofort im Protokoll festgehalten. Anschließend wird die Probe in einer speziellen Transportkiste verpackt und gekühlt ins Labor geschickt.

„Der Probenehmer muss einen gültigen Probenahmeschein vorweisen und beim Labor als externer Probenehmer akkreditiert sein“, erklärt Nofer. „Das heißt, er ist in das Qualitätsmanagementsystem des Labors eingebunden. Nur so ist eine lückenlose und zuverlässige Analyse möglich.“

Nicht überall Trinkwasser?

Doch warum sind nicht alle 20 Brunnen in Bad Herrenalb als Trinkbrunnen ausgewiesen?

Stefan Nofer liefert die Antwort: „Alle als Trinkbrunnen bezeichneten Anlagen werden mit Wasser aus klar definierten Quellen gespeist und regelmäßig beprobt. Das Wasser der Brunnen in der Kernstadt stammt von der Dobeltalquelle und wird über das Wasserwerk Dobeltal sowie den Hochbehälter Mayenberg ins Ortsnetz eingespeist. Der Trinkbrunnen in Rotensol erhält Quellwasser aus dem Eyachtal, während der Brunnen in Bernbach von der Quelle ‚Wiesenwässerle‘ versorgt wird.“

Missverständnisse entstehen häufig, wenn an einem Brunnen wie am Kriegerdenkmal neben der Klosterkirche das Schild „Kein Trinkwasser“ angebracht ist. „Das bedeutet nicht zwingend, dass dort kein Trinkwasser fließt“, betont Nofer. „In solchen Fällen wird lediglich aus Kostengründen keine verpflichtende monatliche Beprobung vorgenommen.“

Die Zuständigkeit ist klar geregelt: „Die Trinkbrunnen am Rathausplatz, im Kurpark und bei den Stadtwerken sind Eigentum der Stadtwerke Bad Herrenalb und werden von diesen betrieben. Die Brunnen im Trinkpavillon, an der Bernsteinstraße, in Bernbach und in Rotensol gehören der Stadtverwaltung, werden jedoch ebenfalls von den Stadtwerken saisonal beprobt und überwacht“, erklärt Bürgermeister Klaus Hoffmann. Als Stadtoberhaupt bietet er den Bürgern die Möglichkeit, eine Patenschaft für einen Trinkbrunnen zu übernehmen. Damit kann jeder einen Beitrag leisten, damit diese wertvollen Wasserstationen auch künftig zuverlässig gepflegt und erhalten werden. Bei Interesse genügt eine Kontaktaufnahme mit den Stadtwerken Bad Herrenalb.

Mit diesem Angebot setzt Bad Herrenalb ein klares Zeichen für Nachhaltigkeit, Gesundheit und Gastfreundschaft. Denn wer durch die Täler und Wälder wandert oder die Innenstadt erkundet, weiß die Erfrischung aus der Quelle besonders zu schätzen.