Einiges zu bejubeln hatte HBW-Trainer Jens Bürkle in der ersten Saisonhälfte. Foto: Eibner

Handball-Zweitligist HBW Balingen-Weilstetten spielt bisher eine fast makellose Saison. Trainer Jens Bürkle sieht aber viele Stolpersteine für die Restsaison.

Nach dem Abstieg aus der ersten Liga hat sich der HBW Balingen-Weilstetten mit 31:5 Punkten souverän an die Spitze der Zweitligatabelle gesetzt. Einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde und während der sechswöchigen WM-Pause zieht Trainer Jens Bürkle im Interview eine Zwischenbilanz.

 

Vor Saisonbeginn war Ihr Ziel: »Oben mitspielen!« Wird es angesichts der fünf, sechs Punkte Vorsprung auf die Verfolger jetzt nicht Zeit, die Devise »sofortiger Wiederaufstieg« auszugeben?

Bürkle: Ein ganz klares Nein. Wir sehen doch, wie schnell sich die Sache ändern kann. Die Liga ist sehr stark und gut für Überraschungen. Unser Ziel war es, zur Spitzengruppe zu gehören. Da sind wir. Wir wollen so weitermachen wie bisher. Wenn man sauber arbeitet, kommen auch die Ergebnisse. Damit sind wir bislang gut gefahren.

Oftmals hing der Erfolg am seidenen Faden. Was macht das mit einer Mannschaft?

Bürkle: Wir hatten wirklich extrem viele harte Spiele. Es war sehr spannend. Wir haben Spiele gedreht, in denen wir hinten lagen und haben in der Crunchtime die Ruhe behalten. Insgesamt haben wir das gut gemacht. So haben wir im Laufe der Saison Selbstvertrauen bekommen und waren selbst an schlechten Tagen nicht chancenlos.

In der ersten Liga hat genau das nicht funktioniert. Gibt es eine Erklärung für den Wandel?

Bürkle: Wir sind gereifter in diesem Jahr. Die Spieler haben von den drei Jahren erste Liga profitiert und an Ruhe und Routine gewonnen, so dass sie billige Fehler reduzieren. Im Handball geht es um viele Details. Wenn diese nicht stimmen, wird das in der ersten Liga bestraft. Unsere Konkurrenten sind genauso gut wie wir. Aber manchmal fehlt ihnen die Routine bei diesen Details. Außerdem haben wir Spieler verpflichtet, die uns auch in diesen Situationen viel geben.

Krankheiten und Verletzungen haben Ihrer Truppe trotzdem stark zugesetzt. Wie sind Sie damit umgegangen?

Bürkle: Der Ausfall von Uros Todorovic tut natürlich weh, und auch Lukas Saueressig hat ja lange gefehlt. Immer wieder mussten wir verletzte oder erkrankte Spieler ersetzen. Die Spieler auf der Platte haben das als Chance begriffen und die Ausfälle mit ihrer Leistung kaschiert. Vor allem die Jungs aus dem Nachwuchsbereich haben einen großen Schritt gemacht. Oftmals war das Training schwierig, weil viele Spieler gefehlt haben, und deshalb ist uns im Dezember etwas die Energie ausgegangen. Aber grundsätzlich hat die Mannschaft das nicht als Problem betrachtet, sondern nach Lösungen gesucht.

Infolge der Todorovic-Verletzung haben Sie nur einen Linkshänder im rechten Rückraum. Werden Sie in der jetzigen Pause auf dieser Position personell nachlegen?

Bürkle: Wir beobachten permanent den Markt. Personalthemen sind ganzjährige Aufgaben.

Wie nutzen Sie die WM-Pause bis zum nächsten Spiel am 4. Februar?

Bürkle: Zunächst zur Erholung, um den Speicher aufzuladen und Blessuren zu kurieren. Am 10. Januar geht das Training weiter. Wir haben also vier Wochen Vorbereitung auf die Rückrunde, welche mit zwei Heimspielen losgeht.

Als Tabellenführer fällt Ihnen automatisch die Favoritenrolle zu. Ist das eine Belastung?

Bürkle: Ich glaube nicht, dass wir immer der Favorit sind. Viele Spiele waren extrem knapp. Vielleicht waren wir bisher etwas konstanter als die Konkurrenz, nicht besser. Das hat die Punkte gebracht. Wir haben über weite Strecken den Rückzug in den Griff gekriegt, hatten gute Torhüter und treffsichere Außen. Diese Qualität brauchen wir weiterhin und sollten deshalb den Blick auf uns richten.

Sie haben Ihren Vertrag vorzeitig bis 2025 verlängert, und Daniel Ingason hat nachgezogen. Ein Signal an die Spieler, deren Verträge auslaufen?

Bürkle: Derzeit macht es allen großen Spaß, und der Erfolg ist da. Das sind gute Optionen für Vertragsgespräche. Ich bin guter Dinge, dass wir gute Entscheidungen treffen und diese auch umsetzen können.