1942 wurde Aurel Radowitz von den Nazis deportiert. Seine Ehefrau Martha blieb alleine in Enzklösterle zurück. Foto: Bechtle

Zwei Stolpersteine erinnern ab sofort im Jägerweg in Enzklösterle an Aurel und Martha Radowitz und deren trauriges Schicksal. Die beiden betrieben ein Hotel in Bad Wildbad, bis die Nazis dies unmöglich machten. 1942 wurde Aurel Radowitz deportiert. Er starb in Auschwitz.

Enzklösterle - Beinahe hätte das Einbringen der beiden Stolpersteine beim Haus Jägerweg 23 in Enzklösterle nicht stattfinden können, da man die dafür vorliegenden Vorschriften bisher nicht kannte. Während eigentlich die anwesenden Einwohner sowie Bürgermeister Sascha Dengler der Ansicht waren, dass man die Stolpersteine für Aurel und Martha Radowitz auf dem privaten Gehwegstreifen direkt vor dem Gebäude anbringen könnte, stellte der Calmbacher Stefan Diez, Initiator für diese beiden Stolpersteine, fest, dass es rechtlich vorgeschrieben sei, die Steine auf öffentlichem Gelände anzubringen, somit auf dem Gehweg gegenüber dem Haus Nummer 23, wo das Ehepaar Radowitz 1942 gewohnt hatte.

Nach Zwangsverkauf des Kurgarten-Hotels lebt das Paar in Enzklösterle

Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig (geboren 1947), das an die Vertreibung und Vernichtung von Menschen jüdischer Abstammung sowie aller weiteren Opfer des NS-Regimes und dessen furchtbarer Ideologie erinnert.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", zitiert Gunter Demnig den Talmud. "Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch."

Aurel Radowitz wurde 1875 in Bukarest geboren und war von 1902 bis 1918 in Marienbad und Karlsbad in Tschechien in der Hotellerie und Gastronomie tätig. Mit seiner Frau Martha betrieb er von 1931 bis 1941 in Wildbad das Kurgarten-Hotel, die frühere Villa Blumenthal und zeitweise Hotel Metropol, in der Kernerstraße. Wegen der seinerzeit vermuteten jüdischen Herkunft des Ehemanns Aurel – diese Frage ist bis heute nicht geklärt – musste das Hotel auf Druck der NS-Verantwortlichen im Jahr 1941 verkauft werden. Das Ehepaar zog daraufhin nach Enzklösterle in den Jägerweg, während Martha Radowitz das Hotel bis Ende 1941 weiterführte.

Aurel Radowitz wurde am 15. August 1942 von den NS-Behörden festgenommen und über die Konzentrationslager Welzheim und Mauthausen (Österreich) nach Auschwitz deportiert, wo er am 5. November 1942 verstarb. Seine Ehefrau Martha war Nichtjüdin und verblieb bis nach dem Kriegsende in Enzklösterle. Sie starb 1952 in Calw.

Trotz Regens verfolgen Bürger die Verlegung der kleinen Gedenktafeln

Durch die Verlegung der beiden messingfarbenen mit Namensgravur versehenen Stolpersteine gehört Enzklösterle zu den rund knapp 1300 Städten und Ortschaften in Deutschland, wo inzwischen etwa 30.000 Stolpersteine an die ermordeten Menschen erinnern.

Die in den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts begonnene Aktion hat sich inzwischen auf ganz Europa ausgedehnt, in 22 Ländern sind rund 70.000 Stolpersteine verlegt, jeweils vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz der Opfer.

Bei der Anbringung der beiden Steine durch Walter Werner, Leiter des Bauhofs in Enzklösterle, sowie Yvonne Huber waren trotz des regnerischen Wetters eine Reihe von Bürgern anwesend, denen Bürgermeister Sascha Dengler für ihr Interesse dankte.

Zum besseren Auffinden der Stolpersteine ist beabsichtigt, an diesem Gehweg ein entsprechendes Hinweisschild anzubringen.

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