Tanja Höschele will es wieder wissen: Ein Rekordversuch im Februar hat nicht geklappt hat, seit Montag geht’s um einen Einzelweltrekord. Foto: Archiv/Parage

Tanja Höschele zieht es zurück aufs Laufband. Diesmal will sie einen Einzelweltrekord aufstellen. Damit das gelingt, muss die Schwannerin innerhalb von 30 Tagen 1872 Kilometer auf dem Fitnessgerät zurücklegen. Der Startschuss ist am Montag gefallen.

Straubenhardt-Schwann/Neuenbürg - Mit Extremen kennt sich Tanja Höschele aus: 200 Kilometer am Stück laufen, 24 Stunden treppauf, treppab oder zwei Tage lang eine Mammutstrecke bewältigen. All das hat die Schwannerin bereits hinter sich. Nun packt sie einen Rekordversuch an, den es im Damenbereich noch nie gegeben hat. Dafür möchte sie innerhalb von 30 Tagen auf einem Laufband im Neuenbürger Fitness-Forum knapp 1900 Kilometer zurücklegen.

 

Seit Montag läuft sie sich Kilometer für Kilometer an dieses Ziel heran. Bis zum 27. September hat die Sportlerin Zeit, um Tag für Tag die für den Rekord nötigen Distanzen zurückzulegen. Das klingt auf den ersten Blick nach nicht viel. Doch Tanja Höschele wäre nicht Tanja Höschele, wenn es nicht ein extremes Unterfangen wäre.

Täglich 7,5 Stunden laufen 

Wer ein bisschen rechnet, merkt schnell: Die 50-Jährige muss täglich im Durchschnitt 7,5 Stunden lang laufen und dabei knapp 63 Kilometer bezwingen, um den Rekord zu knacken. In den ersten beiden Wochen kann sie sich auf ihr Vorhaben konzentrieren. Ab dem 12. September arbeitet die Schwannerin dann wieder vormittags – und steht erst ab 13 Uhr wieder auf dem Laufband. Wie viel Erholung sich die 50-Jährige dort gönnt, das entscheidet sie selbst. "Geplant sind immer Einheiten von 90 Minuten und dann wieder ein paar Minuten Pause."

Die Extremsportlerin mag das Laufband. "Ich mag diese Monotonie." Auch darum war sie gleich begeistert, als sie vor einigen Monaten vom Rekord des Österreichers Rainer Predl gehört hatte: Der schaffte als Erster eine solche Leistung und legte in 30 Tagen 2340 Kilometer zurück. Eine Frau hat dies bisher noch nicht probiert. Tanja Höschele ist die erste und muss deshalb 80 Prozent des Herrenrekords erreichen, um erfolgreich zu sein. Was 1872 Kilometern entspricht.

100 Runden

Nicht nur deshalb, sondern auch zur Vorbereitung, ist seit seit einigen Monaten und vor allem in den vergangenen vier Wochen sehr oft auf dem Sportgerät anzutreffen – je nachdem, wie viel Zeit neben Arbeit, Haushalt und Familie noch bleibt.

Darüber hinaus hatte sie im Mai erneut am "Sächsischen Mount Everest Treppenmarathon" in Radebeul teilgenommen. Dort gilt es, in bis zu 24 Stunden und 100 Runden auf einer großen Treppe 8848 Meter zurückzulegen, was der Höhe des höchsten Bergs der Welt entspricht – oder mehr. Bei den Frauen schaffte sie es auf Platz eins: Sie legte die 100 Runden am schnellsten zurück, in nur 18:51:13 Stunden. Und weil die zweifache Mutter immer noch ein bisschen weitermacht als andere, legte sie noch zwei Runden drauf. Das bedeutete den zweiten Platz bei den Damen in der Kategorie "die meisten Runden".

Mitte Juni stand dann der Bienwald Backyard Ultra in Kandel auf dem Programm. Dort wird gelaufen, bis nur noch ein Teilnehmer übrig ist. Bei den Frauen war das nach 26 Runden, ebenso vielen Stunden und 714 Kilometern die Schwannerin. Sie beißt sich einfach durch.

Zuhause regnerieren

So will sie das auch in Neuenbürg wieder machen. Einen großen Unterschied gibt es jedoch im Vergleich zu ihren bisherigen Weltrekorden, die sie beispielsweise im Treppenlaufen auf der Ellmendinger "Himmelsleiter" bereits aufgestellt hat. Dieses Mal geht sie abends nach Hause, sieht ihre Familie und hat Zeit, nachts zu schlafen, bevor es weitergeht. "Das gibt mir die Möglichkeit zu regenerieren, und für jeden neuen Tag vielleicht auch wieder etwas zu optimieren", erklärt sie. Und anders als bei Rekorden im Freien, zieht das Wetter an ihre vorbei im Fitness-Studio. Das passt, denn Regen und Kälte, die sind nicht ihr Ding. Ein weiterer Vorteil des Laufbands: Höschele kann sich gut ablenken. Sie kann Musik hören, Serien und Filme schauen, sich mit Besuchern und Mitarbeitern des Fitness-Forums unterhalten. Darüber hinaus helfen ihr die Aussicht auf den Rekord, "der gute Zuspruch von Familie, Freunden und Läufer-Kollegen/Kolleginnen" enorm, durchzuhalten.

Oft Kleinigkeiten

Und wenn es mal doch anstrengend wird? "Da mach ich dann auch mal eine Runde langsamer, gehe ein paar Schritte, hol mir mein Lieblingslied auf die Ohren oder telefoniere mit ’ner Freundin." Es seien oft Kleinigkeiten, die sie wieder zurückbrächten.

Auf ihren Körper kann sich Tanja Höschele eigentlich immer verlassen, beziehungsweise sie hat ein gutes Gespür dafür, wann es genug ist. Wichtig ist es außerdem, genug zu essen und zu trinken. "Immer Kleinigkeiten, nie mit vollem Magen, aber Hunger darf erst gar nicht aufkommen." Da gibt es dann auch mal Gummibären zur Belohnung. Und es zeigt sich noch ein Vorteil vom Rekordversuch im Studio: Es sei immer jemand in der Nähe, der Essenswünsche erfüllen könne. Wie immer kann sich Höschele auf ihr Team – ihre Familie und Freunde – verlassen. Sie in der Nähe zu haben, das tut gut.

Dieses Mal will auch die Extremsportlerin Gutes tun: Sie läuft für einen guten Zweck. Ab September wird sie die Sterneninsel, den ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche in Pforzheim und dem Enzkreis, ehrenamtlich unterstützen. Auf dem Laufband tut sie es bereits. Sie hat dafür die einzelnen Tage des Rekordversuchs "verkauft" an Sponsoren. Die Unterstützer bezahlen pro gelaufenem Kilometer an ihrem Tag einen Euro. Wer noch einsteigen möchte, kann sich bei Höschele (siehe Info) oder im Fitness-Forum Neuenbürg melden.

Sie selbst hat den Einstieg erfolgreich gemeistert und gleich am ersten Tag 70,3 Kilometer zurückgelegt. Es läuft halt einfach bei Tanja Höschele.

Info: Besuch

Wer den Rekordversuch aus der Ferne mitverfolgen will, kann sich bei Facebook unter "Tanja Höschele" auf dem Laufenden halten. Außerdem freut sich die Sportlerin über Besucher. In den ersten beiden Wochen ist sie täglich von 8 bis circa 18 Uhr im Fitness-Forum, Daimlerstraße 2 in Neuenbürg, anzutreffen. Ab 12. September dann von 13 bis 22 Uhr. Spendenaktion: Kontakt via Facebook oder www.forum-neuenbuerg.de.