Im Land schließen 18 Notfallpraxen. Die Versorgungslage spitzt sich auf Kosten der Patienten zu, schreibt unsere Autorin Bettina Hartmann.
Bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall ist die Sache klar: ein Notfall, der Rettungsdienst muss kommen. Doch wohin wendet man sich abends, nachts und am Wochenende mit einem fiebrigen Infekt oder mit einer Schnittwunde? Außerhalb der Sprechzeiten von Arztpraxen ist man damit bisher in den Notfallpraxen gut aufgehoben. Hausärzte, teils auch Fachärzte, übernehmen dabei in ihrem Landkreis Bereitschaftsdienste.
Deutliche Einschnitte in der Versorgung
Doch hier wird es künftig deutliche Einschnitte geben. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), die für die Organisation der Dienste zuständig ist, schließt ab April kommenden Jahres 18 Notfallpraxen im Land. Der Grund: Man habe nicht mehr die nötigen personellen Ressourcen, so die KVBW. In der Tat gibt es bereits jetzt einen eklatanten Hausarzt-Mangel; im Land sind fast 1000 Stellen nicht besetzt.
In den kommenden Jahren wird sich die Lage verschärfen – weil viele niedergelassene Ärzte in Rente gehen und potenzielle Nachfolger lieber angestellt und in Teilzeit arbeiten. Die Entscheidung, Dienste einzuschränken, ist somit nachvollziehbar. Der Kahlschlag geht dennoch auf Kosten der Patienten. Auch wenn die KVBW etwa Telemedizin als Ersatz anbietet: Vor allem Ältere und der ländliche Raum werden leiden.
Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Langfristig jedoch müssen Konzepte her, die den Beruf Hausarzt endlich wieder attraktiver machen.