Mit afrikanischen Spezialitäten locken die fröhlichen Frauen und Mädchen an den Stand des Kamerunischen Vereins auf dem Marktplatz. Foto: Mareike Kratt

Die Riesen-Schlangen vor den Ständen der kulturellen Vereine blieben am Samstagabend aus. Dennoch hatten die Beteiligten alle Hände voll zu tun, um Kultur, Land und Tradition zu präsentieren und für alle Kulturnachts-Gäste erlebbar zu machen.

Es ist bereits nach 1 Uhr nachts, als auf dem Marktplatz rund um die großen Stände der rum-orthodoxen sowie serbisch-orthodoxen Gemeinde mehr los ist als denn je an diesem feuchten, aber dennoch gelungenen Kulturnachts-Abend.

 

„So soll Kulturnacht sein!“

Die beiden Männer der serbisch-orthodoxen Gemeinde Skud Arhangel VS, die bis vor ein paar Minuten noch hinter dem Grill gestanden und Cevapcici gegrillt haben, liegen sich in den Armen: „Geschafft“, sagen sie, wenngleich sie sehen, dass immer noch reges Menschentreiben herrscht. „So soll Kulturnacht sein!“, sagt der eine Mann und lacht.

Nebenan bei der Kirchengemeinde St. Georgios gibt’s noch immer eine feine Auswahl an orientalischen Spezialitäten, allen voran Dürüm, ein in der Pfanne gebratenes Fladenbrot mit einer Füllung aus Fleisch, Kohl, Tomaten und Salat – sowie einer extra scharfen Soße. „So wie bei uns in Antiochia“, erklärt Nikola Yapicioglu, für den die Teilnahme an der Kulturnacht zu einem festen Bestandteil geworden ist. Sich zeigen und die Besucher ein Stückweit an der Kultur teilhaben lassen, „so etwas geht an solch einem Abend am besten.“

Foto: Mareike Kratt

Auch wenn die Menschenschlangen im gesamten Verlauf des Abends nie richtig lang wurden, zeigen sich die internationalen Gemeinden und Vereine zufrieden. Die Worte „friedlich“, „gemeinsam“, oder „stimmungsvoll“ hört man an den Ständen immer wieder.

Mit viel Neugier dabei

Gleich am Anfang des Marktplatzes geht es beim Kamerunischen Verein Schwarzwald und Umgebung richtig bunt zu. Die Frauen, Männer und Kinder, die eben noch auf der Open-Air-Bühne traditionelle Tänze aufgeführt haben, präsentieren am Stand in ihren bunten Kleidern landestypische Spezialitäten. Von gegrilltem Fisch über Bohneneintopf bis hin zu Puff Puff Bananas, ein frittierter Hefeteig aus Bananen und Mais, gibt es hier viel zu probieren. „Es ist toll, dass die Menschen mit so viel Neugier an unseren Stand kommen“, findet die afrikanische Frau.

Nicht nur am Marktplatz ist internationales Flair geboten: In der Bürkstraße trifft man zum wiederholten Mal auf die Tamilische Bildungsvereinigung. Kothu Rotti heißt die Spezialität aus Sri Lanka, eine Mischung aus Lammfleisch, Kohl, Lauch, Zwiebeln und Gewürzen.

Hand in Hand, Arm in Arm

Schwenningerisch geht’s weiter oben vor der Heimatstube des Heimatvereins zu. Nicht nur deftige Speisen sind hier im Angebot, auch bäuerliche Brauchtum Schwenningens gibt es hier hautnah zu erleben. Der Trachtenverein führt immer wieder Tänze auf und fordert die Besucher kurzerhand zum Mitmachen auf: Hand in Hand, Arm in Arm. „Die Teilnahme an der Kulturnacht ist für uns Pflicht, aber es macht immer großen Spaß“, sagt Tanzleiter Ralf Schade.

Foto: Mareike Kratt

Zur einer Institution der Kulturnacht ist inzwischen die Alevitische Gemeinde geworden, die am Hockenplatz in einem großen Zelt türkische Spezialitäten backt, brät und verkauft. Rund 40 Gemeindemitglieder sind an der Organisation und Zubereitung beteiligt, verrät Elif Cangür, „und das schon seit vielen Tagen.“ „Schade, dass es diesmal weniger Besucher sind, das merken wir am Hockenplatz besonders“, meint sie.

Die Ukrainer im Schwarzwald sind bei der Kulturnacht dabei. Foto: Mareike Kratt

Zum dritten Mal mit dabei sind die Ukrainer im Schwarzwald. „Vor zwei Jahren, als der Krieg begonnen hat, haben wir uns noch kurz vor Anmeldeschluss dazu entschlossen, an der Kulturnacht teilzunehmen“, erinnert sich Liliya Smirnova. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. „Unser Angebot wird jedes Jahr mehr“, freut sie sich.

Viele Emotionen

Traditionelle Handarbeit, unter anderem in Form von Haarbändern, aber auch kulinarische Leckerbissen in Form von Hefegebäck, sollen die Ukraine repräsentieren. Mit dem Erlös wolle man diesmal einen – gebrauchten – Krankenwagen für das Kriegsland finanzieren. „Bei der Kulturnacht wird’s für uns immer besonders emotional – aber auch besonders schön.“