Auf dem Agroforstbetrieb von Barbara und Friedrich Wenz in Ottenheim helfen 16 Freiwillige dabei, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen.
Mit Motorsensen, Hacken und Rechen arbeiten sich die Helfer Reihe für Reihe durch die Agroforstflächen auf dem Hof von Barbara und Friedrich Wenz. Zwischen jungen Bäumen wird gemäht, gehackt und gemulcht. Was für die 16 Freiwilligen des Bergwaldprojekts große körperliche Arbeit bedeutet, ist ein wichtiger Beitrag für eine klimafeste Landwirtschaft.
Von Montag bis Freitag diese Woche unterstützen die Ehrenamtlichen den Demeter- und Biolandhof in Ottenheim bei Pflegearbeiten auf den Agroforstflächen des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Die Teilnehmer reisen dafür aus ganz Deutschland an – von Hamburg über Berlin und Köln bis an den Bodensee. Die Altersspanne reicht von 18 bis 72 Jahren. Was sie verbindet ist der Wunsch, sich praktisch für Natur, Klima und Landwirtschaft zu engagieren.
Die Aktionswoche ist Teil einer Kooperation zwischen dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und dem Bergwaldprojekt, die bereits im zweiten Jahr in Folge stattfindet. Neben Mahd-, Hack- und Mulcharbeiten werden auch neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen angelegt.
Die Teilnehmer sind zwischen 18 und 72 Jahre alt
Im Mittelpunkt steht dabei das Thema Agroforst. Darunter versteht man die Kombination von Landwirtschaft und Gehölzstrukturen auf derselben Fläche. Baumreihen oder Hecken werden gezielt in Acker- und Grünlandflächen integriert, erläutert Wenz.
Die Gehölze bieten Lebensräume für zahlreiche Tierarten, schützen den Boden vor Erosion und können helfen, die Auswirkungen von Dürre, Starkregen und Wind abzumildern, sagte er weiter.
„Agroforstsysteme sind ein wichtiger Baustein, um unsere Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Damit die neu gepflanzten Bäume gut anwachsen, müssen sie gerade in den ersten Jahren intensiv gepflegt werden. Genau hier ist die Unterstützung der Freiwilligen des Bergwaldprojekts ein großer Gewinn für die Betriebe“, berichtet Niklas Kullik, Agroforst-Projektmanager des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, im Gespräch mit unserer Redaktion.
Wissen soll weitergegeben werden
Der Naturpark setzt mit seiner Agroforst-Modellregion bewusst auf die Rückkehr von Gehölzstrukturen in die Landschaft. Über Jahrhunderte prägten Streuobstwiesen, Hecken und Baumreihen die Kulturlandschaft des Schwarzwalds.
Viele dieser Strukturen sind jedoch in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. Um eine Modellregion aufzubauen, unterstützt der Naturpark derzeit zehn landwirtschaftliche Pilotbetriebe bei der Anlage naturschutzfachlich hochwertiger Agroforstsysteme.
Für Wenz ist das Projekt mehr als eine landwirtschaftliche Maßnahme. „Wir denken nicht nur an uns, sondern vor allem an die nächste Generation. Wir wollen unser Wissen weitergeben und auf dem Feld konkret erlebbar machen. Und wir wollen das Ökosystem erhalten“, sagt der Landwirt.
Auch die Freiwilligen nehmen viel von der Woche mit. Die 56-jährige Kunsttherapeutin Katrin Kamuf hat wie alle für den Einsatz Urlaub genommen. „Meine Schwester hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Ich finde es eine tolle Sache, nicht nur zu reden, sondern selbst mit anzupacken“, erzählt sie.
Sie sei gerne in der Natur und wolle dazu beitragen, diese zu erhalten. Besonders schätzt sie die Gemeinschaft in der Gruppe. „Es macht Spaß, gemeinsam etwas Sinnvolles zu schaffen. Dafür gebe ich gerne meine Urlaubstage.“
Die Freiwilligen spenden ihre Zeit und Arbeitskraft
Für Lucas Gscheidle, Biologe und Projektbetreuer beim Bergwaldprojekt, liegt genau darin der besondere Wert solcher Einsätze. „Unsere Freiwilligen erleben hautnah, wie Landwirtschaft und Naturschutz zusammenwirken und wie konkrete Maßnahmen dabei helfen, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen“, sagt er.
Wer selbst auf einem Agroforstbetrieb mitgearbeitet habe, entwickle oft einen neuen Blick auf Natur und Landwirtschaft.
Während die Helfer am Ende des Arbeitstages ihre Werkzeuge zusammenräumen, bleiben die jungen Bäume auf dem Feld zurück. Noch sind sie klein.
Doch sie stehen für eine Landwirtschaft, die Ertrag, Klimaschutz und Artenvielfalt miteinander verbinden will – und für das Engagement vieler Menschen, die bereit sind, dafür selbst mit anzupacken, freuen sich Barbara und Friedrich Wenz.
Biobetrieb Wenz
Der Betrieb von Friedrich Wenz in Ottenheim ist einer der ältesten Biobetriebe Deutschlands und dient als praktische Forschungs- und Versuchsstation, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Sein Hof sei besonders, weil er als Pionierzentrum für die regenerative Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum gelte. Der Hof ist auch Ausbildungsstätte. Weitere Infos unter www.humusfarming.de