Erwin Sannwald war auch ein Bindeglied zwischen Calw und Nagold. Foto: Bauer

Erfolgreicher Unternehmer, Nachfahre von neun der 14 Gründer der Calwer Zeughandelscompagnie, Bindeglied zwischen Calw und Nagold – all das war Erwin Sannwald. Pünktlich zu seinem 150. Geburtstag lassen wir sein Leben Revue passieren.

Calw/Nagold - Erwin Sannwald ist ein Name, der wie nur wenige andere mit Calw verknüpft ist. Nicht ohne Grund wurde einst auch eine Brücke, die über die Nagold zum Hirsauer Wiesenweg führt, nach dem bekannten, am 19. November 1872 geborenen Unternehmer benannt. Ohne ihn und seine Familie – Vor- wie Nachfahren – wäre Calw heute eine andere Stadt. Ähnliches gilt für Nagold. Zu Ehren von Sannwalds 150. Geburtstag an diesem Samstag entstand nun eine Broschüre, die dessen Leben, Wirken und Unternehmen zum Thema hat.

Die Broschüre

Auf knapp 50 Seiten beschreibt das Werk einen Bogen von der Geschichte der Calwer Textilunternehmen der vergangenen Jahrhunderte bis zur Rolle Sannwalds darin und dessen Leben. Dabei sollte ursprünglich lediglich ein Zeitungsbericht entstehen.

"Aber je tiefer wir gegangen sind, desto mehr Material kam heraus", berichtet Eckart Bauer, Sannwalds Enkel mütterlicherseits. Bauers umfangreiche Sammlung ungezählter Dokumente, Pläne, Fotos und Karteien diente dem Historiker Eckhart Kern dabei als Grundlage für die Broschüre.

Leben und Wirken

Inspiriert von einer feierlichen Rede, die Erwin Sannwalds Sohn Rolf 1972 zum 100. Geburtstag des Unternehmers hielt, werden den Zitaten darin Daten und Fakten zugeordnet. Einige seien hier aufgeführt.

Geboren in Nagold, besuchte Erwin Sannwald bis zu seinem zwölften Lebensjahr (1884) ebendort die Volks- und Lateinschule. Ein schmales Zeugnisheft des Real-Lyceums in Calw dokumentiert seinen Werdegang bis 1888 (Klasse VII), wo er als Klassenbester unter sechs Schülern abschnitt. Gerade mal ein oder zwei Prozent eines Jahrgangs konnten damals eine weiterführende Schule besuchen. Am königlichen Real-Gymnasium Stuttgart erwarb Erwin im Juli 1891 das "Zeugnis der Reife".

Von 1892 bis 1897 absolvierte Sannwald sein Studium des Maschineningenieurfachs in Stuttgart und Berlin. In dieser Zeit leistete er unter anderem auch – von Oktober 1892 bis Oktober 1893 – seine Militärdienstzeit als "Einjährig-Freiwilliger" in Ludwigsburg ab und kehrte als Unteroffizier ins Privatleben zurück, ausgebildet als Geschützführer der Feldartillerie. Durch zwei Praktika, die ebenfalls in den Zeitraum seines Studiums fallen, erhielt er zudem eine duale Ausbildung in Theorie und Praxis.

1902 heiratete Sannwald Elisabeth Dolmetsch. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. 1899 trat er in die Vereinigten Deckenfabriken Zoeppritz Wagner KG ein, wurde am 1901 Direktor der KG, ab 1905 Direktor der AG und ab 1910 alleiniger Vorstand der AG. Vier Jahrzehnte lang, bis zu seinem Tod am 19. Juni 1947, lenkte er die Geschicke der Deckenfabrik durch die schwierigen Jahre der beiden Weltkriege, die schwere Wirtschafts- und Inflationskrise der 1920er-Jahre sowie die Zeit des Nationalsozialismus, dessen bekannter Gegner er war.

Jahrelang engagierte er sich im Calwer Gemeinderat, war Bürgermeister-Stellvertreter, beteiligte sich 1926 an den Restaurierungskosten für die um 1400 erbaute Nikolaus-Kapelle. Seine Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt Nagold zeigte sich unter anderem durch seine langjährige Mitgliedschaft im dortigen Gewerbeverein, von dem er wegen "reicher Beihilfen" 1919 zum Ehrenmitglied ernannt wurde. 1921 stiftete er 500 Mark für die Anschaffung von Nagolder Kirchenglocken und erneuerte 1928 eine Stiftung des Nagolder Gewerbevereins, die sein Vater 1907 ins Leben gerufen hatte. Erwin Sannwalds Sohn Rolf wiederum erneuert diese 1958, nachdem sie durch den Währungsschnitt von 1948 in Konkurs gegangen war. Sie existiert bis heute als "Erwin-Sannwald-Stiftung".

Von 1923 bis zu ihrer Auflösung 1934 war er Präsident der Industrie und Handelskammer Calw. Zudem war er Begründer und Vorsitzender des Verbands Deutscher Wolldeckenfabriken von 1916 bis 1942.

In den Abendstunden des 19. Juni 1947 starb der Direktor der Vereinigten Deckenfabriken Calw A.G. nach kurzer, schwerer Krankheit.

Von 1650 bis heute

Die Calwer Deckenfabrik AG war gewissermaßen ein Abkömmling der 1650 gegründeten Calwer Zeughandelscompagnie, die Calw seinerzeit zu einem Mittelpunkt des württembergischen Gewerbes und Handels erhoben hatte.

Nach deren Niedergang Ende des 18. Jahrhunderts wurden mehrere Nachfolgegesellschaften ins Leben gerufen, aus denen schließlich 1895 die Vereinigten Deckenfabriken hervorgingen. Mehr als ein Jahrhundert lang, bis zum endgültigen Aus im Jahr 1997, prägte das Unternehmen viele Jahre lang die Städte Calw und Nagold, wo das Zweigwerk in Iselshausen stand.

Das Ende läutete nicht zuletzt die in den 1970er-Jahren erstarkende, preisgünstigere Produktion der Konkurrenz in Italien und Asien ein.