Die Dormettingerin Emma Bohnet wurde jüngst Erstplatzierte bei „Jugend musiziert“. Was dazugehört, um als Jugendliche die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
„Für mich ist es kein Problem, das Handy wegzulegen. Ich fokussiere mich darauf: Jetzt spiele ich Klavier“ – und dann tut sie es.
Mit gerade einmal 15 Jahren weist Emma Bohnet ein Maß an Disziplin auf, von dem sich nicht nur viele Jugendliche eine Scheibe abschneiden könnten, sondern sicherlich auch noch der ein oder andere Erwachsene.
Erstes Klavier mit zwei Jahren
Jüngst wurde ihr der erste Preis in der Altersgruppe 4 beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ verliehen. Vier weitere erste Preise konnte sie bereits abräumen, erstmals mit acht Jahren. Dabei stellte sie ihr Können nicht nur im Alleingang unter Beweis, sondern trat bereits im Duo mit der Geige sowie im Trio mit Geige und Cello auf. Auch für ein vierhändiges Spiel am Klavier ist Bohnet zu begeistern. Inzwischen ist sie Teil unterschiedlicher Musikförderungen für Begabte, wie etwa bei Renate Musats „Spitzenklänge“ oder dem Triff-Netzwerk Trossingen, das ihr jüngst eine Einzelstunde am Klavier mit einem Hochschulprofessor ermöglichte.
Der Dank gilt ihren größten Fans. Das erste Mini-Klavier gab es nämlich von Oma und Opa, das die damals Zweijährige begeistert unter dem Weihnachtsbaum entdeckte. Schon zu diesem Zeitpunkt durften sich die Anwesenden über fleißige Familienkonzerte freuen. „Dass sie mir diesen Weg freigemacht haben, dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Bohnet, die mittlerweile zwar schon die neunte Klasse des Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Rottweil besucht, jedoch nichts an ihrer Begeisterung für das Piano eingebüßt hat.
Vom Spielzeug zum Flügel
So richtig ging es für die Dormettingerin als Fünfjährige los. Das Spielzeug wurde gegen ein echtes E-Piano eingetauscht Damals noch geliehen, man weiß ja nie. Von der musikalischen Früherziehung ging es zum Einzelunterricht bei ihrer Lehrerin Angela Seiwerth von der Musikschule Zollernalb, die Bohnet trotz Pensionierung nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht. Seit einem Jahr hat außerdem Philipp Dahlem den Unterricht übernommen.
Schon bald mussten sich die Eltern der damals Achtjährigen eingestehen: Das Niveau eines E-Pianos reicht nicht mehr aus. Also musste ein Flügel her, der bis heute das Wohnzimmer der Familie ziert. Dabei würden sich Iris Bohnet und Karl Haug nicht unbedingt als sonderlich musikalisch bezeichnen. „Es ist doch toll, wenn man ein Hobby hat, das einem selbst und anderen Freude bereitet. Ich lern da auch immer was dazu. Am Anfang wusste ich noch nicht, was da alles dranhängt“, berichtet die stolze Mama.
In eine andere Welt abtauchen
Zweimal wöchentlich gibt es Klavierunterricht, gespielt wird aber täglich. Das gehört wohl auch dazu, wenn man seinen Lieblingskomponisten Mozart, Chopin und Bach gerecht werden will. „Es ist wie eine andere Welt für mich“, erklärt Bohnet. „Ich überlege mir zu jedem Stück eine Geschichte und kann es dadurch besser fühlen.“ Beim türkischen Marsch „Alla Turca“ etwa visualisiert die 15-Jährige, wie viele Leute zum Marsch laufen. „Es ist wie ein Umzug mit Darstellern auf verschiedenen Wägen. Jeder Wagen repräsentiert einen anderen Teil vom Stück.“
Auch wenn die junge Pianistin routiniert in ihrer Leidenschaft ist, gehört dennoch die Aufregung dazu. Auch die Eltern sind nervös, bevor es auf die Bühne geht. „Für jeden Wettbewerb muss man viel Zeit aufwenden. Ich möchte weiterkommen und Fortschritte machen.“ Daher kommt für Bohnet auch ein Musikstudium im Fach Klavier infrage, doch sie hält sich die Optionen offen.
„Es gibt noch so viel anderes im Leben“, weiß die Jugendliche. So steht beispielsweise schon bald der Schüleraustausch mit Frankreich an – und somit eine Woche ohne den eigenen Flügel. Dazu sagt Bohnet: „Zum Teil ist es eine Auszeit, zum Teil aber schwierig. Ich verschlechtere mich, wenn ich nicht spiele. So ganz ohne kann ich dann doch nicht leben.“