Die Landfrauen basteln mit Freude (von links): Franziska Dannecker, Angelika Hessemann, Annemarie Hodapp, Elvira Huber, Petra Mattes, Ursula Werner, Manuela Balan-Kopp, Gertraud Jägle, Stefanie Kaltenbrunner und Beate Wicher. Foto: Anita Reichart

Glassteine gewähren Einlass zum Wolterdinger Freilichttheater. Die Vorbereitungen fürs Jubiläum 2025 laufen. Für die Eintrittskarten kommt den Landfrauen und ihren Sektkorkendrähten eine besondere Rolle zu.

Die Wolterdinger, Bewohner des größten Donaueschinger Stadtteils, feiern im kommenden Jahr ihr 1250-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten möchte der eigens gegründete Dorfgemeinschaft-Verein dafür nutzen, die Dorfgemeinschaft zu fördern und nachhaltig zusammenzuführen – dabei spielt es keine Rolle ob Jung oder Alt, eingesessen oder hinzugezogen. Zudem sollen Wolterdinger Besonderheiten wie die wechselvolle Geschichte, die geologische und geografische Lage sowie die Wirtschaftskraft aufgezeigt werden. Der Stadtteil möchte einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Historisches Stück

Einen Einblick in die wechselvolle Geschichte werden Interessierte beim historischen Freilichttheater bekommen, nach der Parole „Wolterdinger Stolz: 1250 Jahre Stein, Wasser, Glas, Holz“. Dieses soll in der Dammarena beim Hochwasserrückhaltebecken, am Ortsausgang von Wolterdingen in Richtung Bregtal, stattfinden.

An bunte Bänder, ähnlich wie im Bild, jedoch mit richtigem Aufdruck, werden die Glassteine angebunden. Foto: Anita Reichart

Hubert Mauz als Macher

Der Macher Hubert Mauz hat kurze Bildvorträge und gespielte Szenen, die musikalisch und gesanglich umrahmt werden, einem Drehbuch ähnelnd zusammengetragen. So wird es etwa einen kleinen Bildvortrag über die Bronzezeit vor mehr als 3000 Jahren geben, mit dem erst 2023 neu entdeckten Lappenbeil von Wolterdingen. Des Weiteren werden die Keltenzeit im Unteren Bregtal und die Römerzeit angeschnitten.

Themen sind auch die Alemannen und die Zähringer genauso wie die Beurkundung der Wolterdinger Hufe (Eigentums- und Nutzungsrecht an einer wirtschaftlichen Fläche), Reichenau 775 n. Chr. sowie die Köhlerei am Hallenberg, die Harzer, das Steinwesen, der Waldbau Oberholz und der Hallenberg.

Eine Szene widmet sich Burg Zindelstein

Auch die Zerstörung der Burg Zindelstein vor 500 Jahren ist Hubert Mauz eine Szene wert. In anderen Szenen wird auf das Dorfleben im 19. Jahrhundert eingegangen – mit dem Spatzenwinkel, der Badmühle, dem Bombenangriff auf Wolterdingen am 14. Februar 1945, dem Wiederaufbau danach sowie dem Bregtäler und der ehemaligen Glasfabrik.

Viele detailgetreue Requisiten hat Macher Mauz mühsam zusammengetragen und manchmal händeringend Protagonisten gesucht, was ihn schon manchmal „an den Rand der Verzweiflung“ gebracht habe, wie er gesteht. Aber er nehme diese Strapazen gerne auf sich, denn: „Wolterdingen ist dies wert.“

3000 originale Glasstücke

Für diese besondere Leuchtturmveranstaltung braucht es auch besondere Eintrittskarten, dachte sich Mauz. Seine Idee: Glassteine als Eintrittskarten auszugeben. Und dank seiner Beziehung zu Werner Stark von der gleichnamigen Baustofffirma stand dem Vorhaben nichts im Wege, denn dieser stiftete etwa 3000 originale Glasstücke aus der ehemaligen Glaserei. Viele müssen noch aufbereitet werden. Das heißt, dass scharfe Kanten durch Rumpeln gebrochen werden, oder durch Tempern, dabei werden die Steine in einem Gefäß auf hohe Temperaturen gebracht und dann abgeschreckt.

Landfrauen drehen die Sektkorkendrähte

Den Rest der Arbeit übernehmen zur großen Freude von Mauz die Landfrauen. Sie haben sich inzwischen schon zwei Mal getroffen, um die schon seit bestimmt zwei Jahren gesammelten Sektkorkendrähte mit Hilfe einer Spitzzange um die Glassteine zu wickeln.

Später sollen diese noch an bunten Bändeln befestigt werden. Mit ihrer Fingerfertigkeit haben sie schon rund die Hälfte geschafft.

Zum Freilichttheater

Ein Vorgeschmack
Im Jahr 775 wurde Wolterdingen das erste Mal urkundlich erwähnt, die Geschichte begann aber schon viel früher. Ein Probelauf für das Historische Freilichttheater, das einen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Stadtteils bietet, findet am Samstag, 31. August, 20 Uhr, in der Dammarena beim Hochwasserrückhaltebecken statt. Alle Szenen werden kurz angespielt. Das Endprodukt ist dann am Wochenende vom 29. bis 31. August 2025 zu sehen.