Noch nie hat der evangelische Kirchenchor Meßstetten ein rundes Jubiläum gefeiert – zum 125-jährigen Bestehen war es höchste Zeit. Das Konzert war ein echtes Geschenk.
Einen Glücksgriff hat der evangelische Kirchenchor Meßstetten mit Chorleiterin Ulrike Klie gemacht, die beim 125-Jahr-Jubiläum Sonderapplaus – und einen großen Geschenkkorb – bekam: zum 46. Geburtstag.
Bezirkskantor Wolfgang Ehni war nicht als einziger außer sich vor Begeisterung über das Konzert „Ich will dem Herrn singen ein Leben lang“ und den Mut der 21 Sängerinnen und sechs Sänger, sich zum modernen „Vater unser“ von Bertold Engel in den Gängen zu verteilen, so dass das ganze Kirchenschiff klang. Wie gut die Aktiven mit ihren schönen, kräftigen Stimmen artikulieren, wurde bei Stücken wie „Du bist da“, „Schau auf die Welt“, „Ich lobe meinen Gott“ und „Komm, Herr, segne uns“ deutlich. Selbst das englische „You Raise Me Up“ sang der Chor wunderschön und authentisch, wenngleich manche der Aktiven nicht zur Generation gehören, die gutes Englisch gelernt hat.
„Chorarbeit macht teamfähig, man hört aufeinander“
Gleichwohl: „Unser Chor ist nicht völlig überaltert, das stimmt mich hoffnungsvoll“, betonte Vorsitzender Bruno Lachmann beim Empfang im Gemeindehaus augenzwinkernd mit Blick auf die gesunde Altersmischung. Dennoch rief Michael Schneider, der evangelische Dekan aus Balingen, junge Leute dazu auf, einzutreten: „Chorarbeit macht teamfähig, man hört aufeinander“, betonte er. „Gemeinsames Singen schafft Solidarität – ein Kirchenchor ist lebendiges Zeugnis dafür, dass Musik eine Sprache Gottes ist, die verbindet.“
Den evangelischen Kirchenchor verbindet nicht nur die Zeit, da er Dirigent war, mit Bernd Braun: Er bereicherte das Jubiläumskonzert an der Orgel, ebenso wie der Posaunenchor unter der Leitung von Thomas Kiesinger. Diese „musikalische Dreieinigkeit“ freute Reinhold Schuttkowski, der aus dem Ruhestand in seine frühere Kirche zurückkehrt war, und Bürgermeister Frank Schroft: „Ihr Chor hat unsere Stadt mitgeprägt, Menschen begleitet in guten und schweren Zeiten“, habe den „Glauben in Töne gefasst“ und sei ein Gegenentwurf in einer Zeit, in der alles immer lauter und schneller werde. Als Geschenk brachte Schroft 1250 Euro mit – zehn Euro für jedes Jahr.
Auch die Gemeinde kann singen
„Kirchenmusik unterstützt die Verkündigung und drückt nicht nur Freude aus, sondern vermag sie auch hervorzurufen“, sagte Wolfgang Ehni, der Urkunden der evangelischen Landeskirche Württemberg und Deutschland dabei hatte – und dem Chor zum „großen Glück“ gratulierte, „immer hervorragende Chorleiter“ gehabt zu haben. Und „eine Gemeinde, die singen kann“ – das freute Ulrike Klie, die vor der Ausstellung zur Chorgeschichte von der Aufbruchstimmung im Jahr 1900 bei der Gründung sprach.
Ein Überraschungsgast bringt Anekdoten mit
Überraschungsgast war Adolf Klek, der als Schulleiter in Hossingen von 1959 bis 1966 den Chor geleitet hatte und Grüße von seinem Nachfolger Wilfried Groh überbrachte. Der 94-jährige erzählte davon, wie er nach der Chorprobe beim Künstler gestanden sei, der ein Relief in der Lamprechtskirche gestaltet habe. „Der Engel hat ein Gesicht wie Konrad Adenauer“, habe ein Techniker damals moniert – und der Künstler das Konterfei des himmlischen Boten daraufhin verändert.
Er selbst gehe „nach der Chorprobe immer gestärkt und beseelt nach Hause“, betonte Bruno Lachmann, ehe er mit den Festgästen anstieß und alle – Wolfgang Ehni stellte spontan seine Dirigenten-Qualitäten unter Beweis – einen Kanon für Ulrike Klie sangen, der auch Wunsch aller Redner für den Chor war: „Viel Glück und viel Segen“.