Trotz Pandemie und Nachwuchssorgen blickt der Chorverband Kinzigtal optimistisch nach vorn. Sein 125-jähriges Bestehen begeht er mit Konzerten und einem Festakt.
Der Chorverband Mittleres Kinzigtal feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag – obwohl er 2026 eigentlich bereits 130 Jahre alt wird. Bei einem Pressegespräch erläuterte Verbandspräsident Thomas Schenk, wie es dazu kam – und dass es beinahe gar kein Jubiläum gegeben hätte.
Denn nachdem der langjährige Präsident Anton Unger seinen Abschied genommen hatte, gab es zunächst Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Die Auflösung des Verbands stand im Raum, bis sich der ehemalige Schenkenzeller Bürgermeister Thomas Schenk bereit erklärte, das Amt zu übernehmen. Seine Anfangszeit, in die das 125-jährige Jubiläum fiel, gestaltete sich nicht gerade einfach: 2019 verhinderte die Corona-Pandemie Zusammenkünfte, Aktivitäten mit mehreren Personen und auch das gemeinsame Singen. Nicht nur Proben und Konzerte waren nicht möglich – auch das 2021 anstehende Jubiläum musste verschoben werden. Schenk nahm es pragmatisch: „Dann feiern wir eben das 130- und das 125-jährige Bestehen gleichzeitig“, fasste er seine Überlegungen beim Pressetermin im Haslacher Stadthotel zusammen.
Die Mitgliederzahl bleibt auch während der Corona-Pandemie stabil
Der Verband hatte in mehrfacher Hinsicht Glück: Zum einen nahm die Mitgliederzahl während der Pandemie nicht signifikant ab, zum anderen konnte die zusätzliche Zeit für die Organisation der Festivitäten genutzt werden. „Wir wollten kein Riesenfest veranstalten, sondern haben uns entschieden, das Ganze auf drei Veranstaltungen zu verteilen, die das Gesangliche und das Offizielle abdecken“, erklärt Schenk.
Geplant sind drei über das Jahr verteilte Events, an denen sich fast alle Mitgliedsvereine beteiligen. Sie organisieren vor Ort selbstständig, der Verband steht unterstützend zur Seite. Die Auftaktveranstaltung mit offiziellem Festakt ist für den 20. März in der Welschensteinacher Allmendhalle geplant. Beteiligt sind der Männergesangsverein Berghaupten, Chorwerk Ohlsbach, der Chor „Sounds Good“ sowie der Gesangsverein „Unser Chor“ Steinach. Beginn ist um 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr.
Am 25. April folgt ein Jubiläumssingen in der Brumatthalle in Ohlsbach, bei dem mehrere Chöre auftreten werden. Den Abschluss bildet am 8. November ein Kirchenkonzert in Gutach. Der Veranstaltungsort ist bewusst gewählt: Der örtliche Gesangsverein wird in diesem Jahr 150 Jahre alt und ist damit älter als der übergeordnete Verband.
Dieser wurde am 23. Februar 1896 von zwölf Vereinen im Haslacher Traditionsgasthaus „Kanone“ gegründet (siehe Info). Damals nannte sich der Chorverband noch „Sängerbund Kinzigtal“. Wie viele Aktive sich zu Beginn unter seinem Dach vereinten, ist nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass es zehn Jahre später 383 Aktive waren und drei weitere Vereine hinzugekommen waren. Nach 25 Jahren hatte sich die Zahl nahezu verdoppelt: Der Sängerbund zählte 22 Vereine mit 670 Aktiven, darunter auch mehrere Kinderchöre.
Heute stellt sich die Situation anders dar, wie Schenk, sein Stellvertreter Roland Bodmer, Schriftführerin Michaela Dilger-Gstädter und Pressewart Wilfried Weis beim Pressetermin bedauerten. Nur noch drei Kinderchöre gibt es im Verband – wenn man neben den Oberwolfacher Wolftalspatzen und der Kinderformation des Gesangsvereins Oberharmersbach auch den Schulchor des Robert-Gerwig-Gymnasiums mitzählt. Die Nachwuchsarbeit gestalte sich schwierig, die Gründe für den fehlenden Nachwuchs seien vielfältig, sind sich alle vier einig. „Wenn man keine Kinder heranführt, hört es mit den Chören irgendwann auf“, fasst Bodmer zusammen.
Viele Männerchöre nehmen nun Frauen auf und stellen sich auf eine breite Basis
Nicht nur die Nachwuchssituation hat sich im Laufe der Zeit verändert. Auch die Namen der Chöre unterlagen einem Wandel. Viele Vereine verabschiedeten sich von traditionellen Bezeichnungen wie „Frohsinn“ oder „Liederkranz“ und nahmen stattdessen das Wort „Chor“ in ihre Namen auf, wie etwa Chorwerk Ohlsbach, Chorfreunde Mühlenbach oder „Chorriba“ Reichenbach zeigen.
Erfreulich sei jedoch, dass sich viele Männerchöre inzwischen zu gemischten Ensembles entwickelt haben. Dadurch würden die Vereine auf eine breitere Basis gestellt, die es ermögliche, in unterschiedlichen Konstellationen zu singen.
Neben all diesen Veränderungen zeichnet sich der Chorverband auch durch Beständigkeit aus: In 130 Jahren gab es lediglich acht Präsidenten.
Gründungsvereine
Gesangsverein 1879 Berghaupten, Gesangs- und Musikverein Harmonie Haslach, Liederkranz Hausach, Eintracht Schiltach, Eintracht Gutach, Ortenberg, Frohsinn Schramberg, Liederkranz Schramberg, Eintracht Schiltach, Frohsinn Wolfach, Liederkranz Wolfach, Eintracht Gengenbach