Viele Akteure, viele Gäste, viele Infos: 32 Lagergruppen und 50 Händler machten beim 12. Dobler Spectaculum mit. Trotz der Gewitterwolken strömten die Besucher aus nah und fern.
Ritter in Rüstung, Gaukler und Feuershow, Handwerker, die nach alter Tradition vor Ort herstellen, ringende Barbaren, Fachsimpelei unter Händlern, Tavernentreffen von Lagerleuten, Bogenschießen, Tänze und Glücksraddrehen, orientalische Gewürze, Flammlachs und Kässpatzen zum Met – ein fast unerschöpfliches Füllhorn an Eindrücken und Erlebnissen gab’s für die Gäste des zwölften Dobler Spectaculums am Wasserturm.
Stolzer Marktvogt
Jubel und Handgeklapper Schon zur Markteröffnung am Freitag – standesgemäß durch „Marktvogt Markus“ Böhmer von der organisierenden Bruchsaler Ritterschaft sowie dem „Schultheißen“ Christoph Schaack für den Co-Veranstalter Dobel – erlebte man jede Menge Jubel und Handgeklapper.
32 Lagergruppen und rekordverdächtige 50 Händler – auf diese Bilanz war der Marktvogt stolz. Zumal Neuzugänge wie „Micha, der Feuerfresser“, „gleich ganz hin und weg von dem wunderschönen Markt“ waren. Die meisten, so „Marktvogt Markus“, kämen sowieso immer gerne wieder.
Trotz der Gewitterwolken strömten die Besucher aus nah und fern, wie zwei befreundete Familien aus dem Hochschwarzwald und aus Keltern, die begeistert darüber waren, was ihre Kinder, aber auch sie selbst, von den Lagerleuten alles erfuhren.
In der Tat: Wer etwa am Zelt der Deutschordensritter anhielt, konnte sich Waffen wie das Falchion, eine alte Hiebwaffe, ebenso erklären lassen wie die detaillierte Gewandung der Kämpfer in Weiß mit schwarzem Kreuz oder die einstige Verbreitung des Ordens mit Ursprung in Akkon. Nicht zu verwechseln mit jenen in Schwarz mit weißem Kreuz, den Johannitern, auch ursprünglich Hospitaliter. Wer das genau erzählen konnte, war „Gunter von der Rheinaue“, der mit den Bruchsalern lagerte.
Schauen und fragen
Viel Volk, viele Geschichten Apropos die Bruchsaler: Ihr Vorsitzender Thorsten Feth wurde offiziell zum neuen „Bruchsaler Herold“ gekürt, dem ehrenvollen Begleiter des „Bischofs Gerhard von Ehrenberg“ - von keinem Geringeren als seinem Vorgänger und heutigen „Badischen Herold“ Joseph van Vlodrop.
Weit breiteten sich die Lager aus, gaben Gelegenheit zum Schauen und Fragen. Bei den Plattenwaldbarbaren, die sich vor ihrer abendlichen Feuershow noch mit einem am Spieß gebrutzelten Spanferkel stärkten, oder den „Drankeren“ und dem „Svartskog Clan“: „Rückgrat zeigen!“, beschrieb einer ihrer Mitglieder humorvoll seinen mit Rückenmarksknochen geknebelten Bart. Und da war „Henmann von Bechburg“, mit seiner Tochter hoch zu Pferd über den Platz unterwegs. Den die Liebe zu den Pferden mit seiner Frau zusammengebracht, ein von ihr geschenktes Mittelalterseminar mit der alten Zeit – und die vielfache Jugenderinnerung an die Bechburg im Kanton Solothurn zu seinem Mittelalter-Namen geführt hatte.
Kunst des Schmiedens
Altes Handwerk Handwerk vor Ort zog die Besucher an wie die Alte Seilerei von Ute Krolik, bei der nicht nur das eigene Springseil mit gedreht werden konnte, sondern auch Interessantes zum Ausbildungsberuf zu erfahren war. „Meister Friedrich, der Lirenmacher“ drechselte vor Ort an seiner Wibbogen-Drechselbank und neben dem Feuer der Schmiede TATA von Fabian Weber erklärte Alex Franke die Kunst des Schmiedens eines Federdamastmessers.
Dobler Trio Der Dobler Lothar König ist seit Jahren vom Mittelalterfieber gepackt und längst Mitglied der Bruchsaler Ritterschaft. Im Samtwams flanierte er bereits freitags über den Lagerplatz: Bei ihm zuhause auf dem Grundstück ginge es enger zu, denn dort stünden wie jedes Jahr die Übernachtungsanhänger der Tavernenbetreiber.
Mike Großmann, Mitglied der „Jörg von Nördlingen - Durlacher Ritterschaft“, machte es sich trotz erhöhter Außentemperatur im Badezuber bequem, wo vom „Badehaus-Chef“ etwas zur alten Familien-Badeordnung zu erfahren war. Und Janett Joel erklärte stolz ihre Wichtel-Feen-Türen – „Erst anklopfen!“ -, die die Hingucker am Händlerstand mit einem Unikate-Potpourri waren.
Micha der Feuerfresser
„Felix vom Wasserturm“ Marktgericht, Feuershow, Schaukämpfe – was am Turnierplatz stattfind, erlebte stets einen Zuschauerzulauf. Micha der Feuerfresser etwa jonglierte eindrucksvoll mit seinen Fackeln, die Recken von Brachmanoth waren wie seit Jahren ein echter Magnet. Im Zweikampf um eine Frau – „Sollen wir sie als Hexe verbrennen oder lieber heiraten?“ ließen es „Der Schwarze“ und seine Waffenbrüder krachen.
Dann folgte noch ein „letztes Exerzitium“ des Ritters „mit dem nicht ganz so heiteren Gemüt“: gegen „Felix vom Wasserturm“, gerade mal halb so groß wie er, der mutig die Klinge mit dem „Schwarzen“ kreuzte. Wer da besonders stolz war? „Marktvogt Markus“, im echten Leben der Opa von Felix. Da ist die Mittelalter-Nachfolge gesichert.