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110 Tiere pro Stunde Erstes Geflügelschlachtmobil in Waldmössingen im Einsatz

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Daniel Harter (von links) mit Thomas Blum und Franz Männle vor dem Geflügelschlachtmobil auf dem Hof bei Adrian Schmid Foto: Ziechaus

In Waldmössingen hat kürzlich ein Geflügelschlachtmobil halt gemacht, dass sich Hofbesitzer anmieten können. Von den Abläufen in dem Mobil und worauf alles zu achten ist, erfahren Sie mehr in unserem (SB+)Artikel.

Schramberg-Waldmössingen - Das erste Geflügelschlachtmobil in Baden-Württemberg ist kürzlich in Waldmössingen im Einsatz gewesen - und hat auch auf dem Hof von Adrian Schmid seine Bewährungsprobe mit viel Lob überstanden.

Am Morgen rollt Daniel Harter mit seinen beiden festangestellten Metzgern Thomas Blum und Franz Männle mit dem Geflügelschlachtmobil aus Gengenbach-Schwaibach auf den Hof am Ortsrand von Waldmössingen. Geflügelhalter Adrian Schmid wartet bereits mit der die vorgesehenen Hühnergruppe von 200 älteren Tieren. Eine Woche vorher hatte er die Schlachtung mit Tierart und Anzahl beim zuständigen Veterinäramt in Rottweil angemeldet und registrieren lassen.

Die Schlachtstätte ist auf einem Anhänger mit Außenmaßen von sechs auf 2,45 Metern im geschlossenen Aufbau mit einer Höhe von 3,20 Metern eingerichtet und bringt ein Gesamtgewicht von 2,4 Tonnen auf eine Tandemachse. Innen gibt es in zwei getrennten Bereichen genügend Platz für die notwendigen Geräte mit Strom- und Wasseranschlüssen sowie für drei bis vier Arbeitsplätze.

Zwei getrennte Bereiche

Geschlachtet und gerupft wird im "Schwarzbereich". Durch eine Schwingtür gelangt man in den "Weißbereich", in dem die gerupften Schlachtkörper am Ausweidetisch mit bis zu drei Arbeitsplätzen gereinigt und zum Auskühlen im hofeigenen Kühlraum vorbereitet werden. Die sauberen Suppenhühner müssen dort bei Temperaturen unter vier Grad Celsius gelagert werden. In beiden Schlachtbereichen sind Handwaschbecken mit fließendem Kalt- und Warmwasser sowie Dosierern für Seife und Desinfektionsmittel ausgestattet. Die Bereiche können auch von außen über ausziehbare Treppen betreten werden.

Nach dem Lebensmittelrecht dürfen Geflügelhalter bis zu 10.000 Tiere im Jahr in einem hofeigenen Schlachtraum schlachten. Das Schlachtmobil wird zu diesem Raum, weil ein Geflügelhalter die mobile Anlage zur zeitweisen Nutzung auf dem eigenen Gelände mietet. Als "Inverkehrbringer von Lebensmitteln" muss der Hofbesitzer den ordnungsgemäßen Zustand der Räume und die Hygiene der Einrichtung mit ihren Geräten im Übergabeprotokoll bestätigen. Dann kann er Personen mit Sachkundenachweis mit dem Schlachten beauftragen.

Der Geflügelhalter ist auch verantwortlich für die saubere und tiergerechte Arbeit in der gemieteten Anlage. Er muss Starkstromanschlüsse mit 16 und 32 Ampere, einen Wasseranschluss mit ausreichendem Druck und einen Abfluss zur Verfügung stellen. Die Schlachtreste muss er sachgemäß entsorgen.

Nachdem Adrian Schmid alles überprüft und das Übergabeprotokoll unterzeichnet hat, können die Geräte im Schlachtmobil an die Versorgungsleitungen angeschlossen werden. Ein Helfer bringt die Hühner in Transportkisten zum Schwarzbereich. Dort übernimmt der Metzger die Betäubung im Elektrogerät mit Datenlogger, mit dem die Daten der elektrischen Betäubung dokumentiert werden. Im drehbaren Schlachtrondell mit acht Trichtern bluten die Tiere aus und werden dann im Brühkessel mit automatischer Wärmeregulierung bei 65 Grad gebrüht.

Im nächsten Schritt landen die Tierkörper zwischen den Gummifingern in der Rupfmaschine, aus der die Federn in einen Behälter quellen. Von letzten Federresten befreit, werden die Körper über die Durchreiche auf den Ausweidetisch aus Edelstahl im Weißbereich durchgeschoben. Dort können bis zu drei Mitarbeiter die Innereien entfernen und die Schlachtkörper auf Hakenreihen zum Abtropfen aufhängen.

Zum Auskühlen werden die Suppenhühner in den hofeigenen Kühlraum gebracht, um sie bei maximal vier Grad bis zum Verkauf zu kühlen.

Geflügelhalter Daniel Harter hatte fast zwei Jahre lang nach einer genehmigungsfähigen Möglichkeit für eine mobile Schlachtstätte für Geflügel gesucht. Bei seinem Besuch bei der Stallmanufaktur Rowa im niedersächsischen Melleen sah er viele seiner Vorstellungen für mobile Schlachtungen realisiert, konnte aber noch eigene Ideen und Verbesserungen in die Ausstattung für "sein Mobil" einbringen. Für das dritte bisher von Rowa gebaute Geflügelschlachtmobil wurde die Zulassung zu einem längerfristigen Unterfangen.

110 Tiere pro Stunde

Auf Nachfragen von Harter zeigten sich die zuständigen Ämter zwar offen und interessiert, dennoch vorsichtig zurückhaltend gegenüber der Neuerung. Die Vorschriften zum "Inverkehrbringen" von leicht verderblichen Lebensmitteln gelten auch für eine mobile Schlachtstätte. Nach bekannten Vorgaben zu kleineren EU-konformen Schlachtstätten und den Erfahrungen der Praktiker bei Schlachtungen stand die grundsätzlich notwendige Ausstattung von Räumen und Geräten fest. "Die Erfüllung dieser Vorgaben gelang Rowa in beeindruckender Weise", lobt der Geflügelhalter vor seinem Anhänger.

Das Veterinäramt im Ortenaukreis hat den Bau des Mobils von Beginn an begleitet und erteilte nach genauer Prüfung die endgültige Genehmigung. Fast 60.000 Euro hat der gewünschte Anhänger gekostet, und Harter braucht einen Pick-up, um sicher auf die Höfe im Schwarzwald zu rollen. Das Schlachten kostet für Hühner drei Euro, für Hähnchen 3,50 Euro pro Stück. Dazu kommen die Kosten für die Anfahrt von einem Euro pro Kilometer. Etwa 110 Hühner kann Daniel Harter mit seinem eingespielten Team aus zwei Metzgern in der Stunde schlachten und verkaufsfertig zubereiten. Jeder Geflügelhalter, ob Hühner, Enten oder Gänse, im weiten Umkreis von Gengenbach kann das Schlachtmobil mit Besatzung mieten, wenn er die erforderlichen Versorgungsleitungen zur Verfügung stellen kann und über einen nahegelegenen Kühlraum verfügt.

Lösung in Einem

Daniel Harter klärt die Nutzer auch über gesetzliche und technische Bedingungen für eine mobile Hofschlachtung bei der telefonischen Anmeldung auf. Er sieht großen Bedarf für sein Angebot, weil Geflügelhaltungen mit Mobilställen groß im Kommen seien; auch die Haltungen von Bruderhähnen zählt er zu seinem künftigen Kundenkreis, weil die meisten Höfe kein Schlachthaus betreiben.

Ein Schlachthaus im Dorf verfüge meist nicht über die notwendige Einrichtung für das sachgerechte Schlachten von Geflügel - sein Mobil eben schon, meint er. Damit werden lange Tiertransporte überflüssig, weil das Geflügel meist im eigenen Mobilstall auf den Hof gebracht wird. Harter sieht seinen mobilen Schlachtbetrieb im Aufbau - er könne sich schon über zahlreiche Anfragen auch aus der Region zwischen Freiburg und Stuttgart freuen.

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