Marion Isele ist nach 100 Tagen im Amt positiv gestimmt, auch wenn der Terminkalender voll und die Herausforderungen groß sind. Foto: Verena Wehrle

Erst 100 Tage im Amt und es geht ums große Ganze: Welche Projekte sind mit schwierigem Haushalt finanzierbar und was fällt hinten runter?

Der Terminkalender ist eng getaktet, kaum ein Zeitfenster bleibt für das Pressegespräch. Oftmals sitzt Marion Isele noch bis spät abends in ihrem neu eingerichteten Büro im Rathaus. Und so seien auch die ersten 100 Tage im Amt tatsächlich sehr schnell vergangen, sagt die neue Bürgermeisterin von Zell. Sie habe sich in kurzer Zeit einen umfassenden Überblick über die vielen unterschiedlichen Themen, Projekte und Abläufe innerhalb der Verwaltung verschaffen müssen, erzählt sie. Doch: „Die Themenvielfalt macht Spaß.“

 

Nicht jedes Projekt kann umgesetzt werden

Schon von Beginn an brachte Isele viele neue Ideen mit, zudem stehen große Projekte an. Aber – und das sei nun die größte Herausforderung für die neue Bürgermeisterin: „Wir haben das Problem, dass viele Ideen nicht umsetzbar sind, weil einfach das Geld fehlt.“ Geplante Projekte müssten nun alle auf den Prüfstand gestellt werden.

Dafür sei es ihr wichtig, den Gemeinderat einzubinden. Und deshalb gründete Isele auch gleich Arbeitsgruppen aus dem Gemeinderat, die sich zum einen mit den Grundschulstandorten beschäftigten, um ein Schulkonzept zu erarbeiten und um auch dort Einsparpotenziale zu erarbeiten. Allein den Sanierungsstau in der Atzenbacher Grundschule schätzt Isele auf fünf etwa fünf Millionen Euro. Und auch zur Zukunft des Wildgeheges gibt es nun eine Arbeitsgruppe, die erarbeitet, ob sich die Stadt dieses weiterhin leisten könne.

„Ich werde auf jeden Fall jemanden enttäuschen“

Isele macht mit Blick auf die Haushaltlage, die sich im Jahr 2027 noch erheblich verschärfen werde, deutlich: „Wir können so nicht weiter machen, irgendwas wird hinten runterfallen.“ Da die Kommunalaufsicht der Stadt das Sparen ans Herz gelegt habe, müsse man sich nun frühzeitig Gedanken machen. Am Ende entscheide aber der Gemeinderat als demokratisches Instrument, wo eingespart werde und wo nicht.

Das Zeller Freibad soll als Ort für alle Generationen bestehen bleiben, dieses werde beim Sparen nicht angerührt, versichert Bürgermeisterin Marion Isele. Foto: Verena Wehrle

„Es ist die größte Herausforderung, die Interessen der Bürger, die mir wichtig sind, in Einklang zu bringen mit der Haushaltslage“, sagt Isele. Und sie weiß: „Ich werde auf jeden Fall jemanden enttäuschen und mich unbeliebt machen, wenn eines der Projekte kippt.“ Sie macht dabei aber klar: „Das Schwimmbad werden wir nicht anfassen.“

Dass die Entscheidungen mit Arbeitsgruppen vorbereitet werden, mache ihr Hoffnung, dass das Verständnis dadurch dann größer sei.

Ende November gab Marion Isele ihren Amtseid ab. Mittlerweile ist sie 100 Tage im Amt. Foto: Verena Wehrle

Weitere Projekte seien das Stadtentwicklungskonzept, das erarbeitet werde und, wobei es auch um eine Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt gehe. Und die Leerstände? „Das Ladensterben werde ich nicht verhindern können“, sagt Isele. Dabei habe sich die Lage aber nicht verschlechtert. Sie habe die Hoffnung, dass sich in Zell wieder Selbstständige ansiedeln, die mit ihrer Nische den Bedarf der Bürger decken können.

Positive erste Bilanz

Grundsätzlich falle ihre erste Bilanz nach 100 Tagen positiv aus. Besonders wichtig sei ihr der Austausch mit den Mitarbeitern der Verwaltung, mit Bürgern und dem Gemeinderat gewesen. Die Zusammenarbeit mit Letzterem bewertet Isele als gut und vertrauensvoll. „Ich spiele keine Spielchen. Eine offene Kommunikation, transparente Entscheidungen und vor allem Informationsweitergabe sind mir wichtig“, sagt Isele.

Auf die in den vergangenen Jahren hohe Fluktuation im Personal des Rathauses angesprochen, sagt Isele: „Ich gehe davon aus, dass das jetzige Rathausteam im Kern hier verbleibt. Das würde ich mir auf jeden Fall wünschen.“

Und was wünscht sich die Bürgermeisterin für die Zukunft?

Zu ihren Wünschen zähle die Digitalisierung der Verwaltung. Somit wolle sie Arbeitsabläufe verschlanken und beschleunigen. Und: An einigen Stellen bedürfe es auch noch einer konkreteren Aufgabenzuweisung, einer klaren Struktur, wer verantwortlich ist. Und wenn dies klar sei, müssten Entscheidungen dann auch in der jeweiligen Abteilung in gewissem Maß getroffen werden können. Denn: „Es muss nicht zwingend alles über meinen Tisch laufen“, sagt Isele.