Zwei, Freunde, die ein Stück TuS-Geschichte schrieben: Jürgen Klopp und Walter Baur.Archiv- Foto: TuS

Serie: Der Turn- und Sportverein Ergenzingen hat eine bewegte 100-jährige Geschichte / Teil 3

Das letzte Viertel-Jahrhundert in der 100-jährigen Geschichte des Turn- und Sportvereins (TuS) Ergenzingen stand zunächst einmal unter keinem guten Stern. Heute erinnert man sich gerne an das Treffen mit Pele in Brasilien und an Jürgen Klopp in der A-Jugend.

Rottenburg-Ergenzingen. Vorsitzender Walter Baur kandidierte 1999 nicht mehr. Gesundheitliche Probleme, aber auch Steuernachzahlungen, die in seine Amtszeit fielen, die er aber nicht zu verantworten hatte, hatten ihn mürbe gemacht. Sein Nachfolger wurde Günther Goll, der sich um die Sanierung des finanziell angeschlagenen Vereins kümmerte. Sparen war angesagt. Zwei weitere Wermutstropfen waren die Abstiege der ersten Mannschaft aus der Verbandsliga 1997 und aus der Landesliga 2000. Zwar stieg man 2004 noch einmal in die Landesliga auf, aber eben auch postwendend wieder ab. Karl Schäfer, einstiger Torjäger in glorreichen Amateur- und Landesligazeiten, löste 2004 Günther Goll im Vereinsvorsitz ab. 2007 wurde das neue Kunstrasen – Spielfeld in Betrieb genommen.

Im Laufe der Jahre widmete man sich in der Gymnastik immer mehr dem gesundheitlichen Aspekt, die Gruppen vergrößerten sich und vor allem Schülerinnen und Schüler auch in der Kooperation Schule/Verein tummelten sich bei den Leichtathleten. Dazu gesellte sich neu der "AOK-Radtreff" und die Abteilung Kinderturnen. Vorsitzender Karl Schäfer durfte im Jahre 2013 noch einmal den Aufstieg der ersten Mannschaft in die Landesliga erleben, aber schon ab 2014 herrschte dann wieder Bezirksliga-Alltag.

Lange Jahre hatte der Verein mit seiner hervorragenden Jugendarbeit das Fundament für die aktiven Mannschaften gebaut. Mit der zunehmenden Kommerziali­sierung des Fußballs konnte und wollte man beim TuS letztlich aber nicht mithalten. Man versuchte, den Spielbetrieb mehr über die örtliche Jugend aufrecht zu erhalten. So wurde – das traditionelle Pfingstturnier einmal ausgenommen – der Aufstieg der B-Junioren im Jahre 2009 in die Bundesliga Süd, zum letzten großen Highlight. 2017 hörte Karl Schäfer dann als einer der Letzten der "alten Garde" auf und wurde zum Ehrenvorstand ernannt.

Neue Strukturen innerhalb des Vorstandes sorgten fortan für eine konstruktivere Arbeit in den Gremien. Fortan war Rainer Sabitzer für den Gesamtverein zuständig, Markus Urban für die Finanzen, Ralf Möllenbeck für den Sport und Rainer Brändle für Infrastruktur und Veranstaltungen. Mittlerweile sind Möllenbeck und Brändle allerdings nicht mehr dabei. Vorstand Sport ist seit einem Jahr Gerald Dettling und für den Bereich Infrastruktur und Veranstaltungen hofft man, bei der Jahreshauptversammlung jemanden zu finden.

Einer, der den 100. Geburtstag des Vereins wohl gerne mitgefeiert hätte, sei nicht vergessen: Walter Baur, der 2012 im Alter von 62 Jahren verstarb. Baur war einer, der den Fußball sprichwörtlich lebte. In seinem Stammverein TuS Ergenzingen diente er sich hoch, angefangen vom Jugendfußballer, über die Aktiven, Jugendleiter und Trainer bis hin zum Vereinsvorsitzenden. Er war eine Institution schlichtweg mit geballtem Fußballsachverstand, akribisch analysierend und arbeitend. Den Werteverfall bei den Jugendlichen betitelte er oft mit den Worten "böse Fußballwelt". Seine A-Jugendlichen wurden zum Jungbrunnen für die damalige Landesligamannschaft und retteten nicht nur einmal den Klassenerhalt. Baur selbst sprang auch zweimal als Trainer der "Ersten" ein, als es brenzlich wurde. Besonders angetan hatten es Walter Baur die Brasilianer und deren Spielweise. Bei Reisen der A-Jugend nach Brasilien kam es auch zu einem Treffen mit Fußballidol Pele, den Baur als den größten Fußballer aller Zeiten betitelte. Der berühmteste Schützling von Baur war allerdings Jürgen Klopp. Der heutige Trainer des FC Liverpool hatte unter Baur in der A-Jugend und in der Landesliga gespielt, bevor es ihn über Pforzheim, Mainz und Dortmund auf die britische Insel zog.nach Großbritannien zog.