Dieses Bild stammt aus den Anfangsjahren des TuS. In der vorderen Reihe (Mitte) ist der in Ergenzingen und Umgebung bestens bekannte "Bauführer – Willi" zu sehen. Foto: TuS

100 Jahre alt wird der Turn- und Sportverein Ergenzingen in diesem Jahr, und das pandemiebedingt ohne Glanz und Gloria. Entstanden ist Ergenzingens größter Verein 1921 aus dem Club "Vorwärts", der seine Hauptaufgabe im Theaterspielen sah. 

Rottenburg-Ergenzingen - Allerdings hegte man schon damals den Gedanken, einen Sport treibenden Verein zu gründen. Dies geschah dann auch am 22. September des gleichen Jahres. Bei einer außerordentlichen Generalversammlung des Clubs im Gasthof Ochsen wurde ein Turnverein gegründet und Robert Scherr zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Am 25. September erfolgte die Gründungsfeier mit Schauturnen und sonstigem Rasensport. Nach und nach ebbte allerdings das Interesse am Turnen ab. 1928 gab es dann die erste offizielle Fußballmannschaft des damaligen Turnvereins. Die Gemeinde stellte den Kickern in den "Heugärten" einen Platz zur Verfügung und bereits 1930 fand ein großes Pokalturnier mit 18 Mannschaften statt. 1933 löste Hugo Miller infolge des Wegzuges von Robert Scherr, selbigen in der Vereinsführung ab. 1934 feierte man dann den ersten großen Erfolg im Fußball. Die erste Mannschaft wurde Meister im Schwabenverband der Klasse "Gäu – Schwarzwald". Mit Ausbruch des Krieges 1939 kam allerdings das Vereinsleben zum Erliegen.

Ab 1945 galt das Vereinsinteresse nur noch dem Fußball. Bereits am 18. November wurden im "Eckenweiler Weg" wieder Fußballspiele ausgetragen – allerdings auf Privatplätzen – und so musste vorher beim Grundstückseigentümer nachgefragt werden, ob man Tore aufstellen durfte.

Auch das Theaterspielen fand wieder Resonanz. Bis in die 50er-Jahre hinein wurden hauptsächlich Ritterschauspiele und Volksstücke präsentiert.

Sportplatz beschlagnahmt

1946 wurde dann der Sportplatz in der "Binde" von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Grundsätzlich musste jedes Spiel beim Ortskommandanten genehmigt werden. Der Turn- und Sportverein wurde in Sportverein umbenannt und es spielten eine Zeit lang sogar zwei Franzosen mit. Als diese einmal nicht aufgestellt wurden, erschienen Besatzungssoldaten mit Gewehren und verhinderten so die Austragung des Spieles. Die Vereinsfarben wechselten ebenfalls, man trug ab dato eine weiße Hose und ein hellblaues Trikot. Die erste Mannschaft wurde ohne Punktverlust Meister. 1947 wurde Anton Grammer zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die erste Mannschaft holte sich Pokal und Meisterschaft.

Aufgrund von Vorgaben der Besatzungsmacht mussten 1949 etliche Ämter neu besetzt werden. Vinzenz Baur wurde neuer Vorsitzender. 1950 folgte die Ära von Karl Renz. Der Sportverein gab sich den Namen TuS (Turn- und Sportverein) wieder und widmete sich fortan auch der Leichtathletik. Willi Baur und Erwin Maile wurden als Obmänner gewählt.

1953 gab es mit Hermann Stopper wieder einen neuen Vorsitzenden und ein Jahr später stieg die erste Mannschaft in die A-Klasse (heute Bezirksliga) auf, der man bis 1968 ununterbrochen angehörte.

Gymnastik für Frauen

Georg Branz führte anschließend von 1955 bis 1959 den Verein. Er war es auch, der sich unermüdlich dafür einsetzte, die Jugend für den Fußball zu begeistern. Ihm folgten im Amt Karl Pfeiffer (1959) und Emil Ott (1960 bis 1962). In die Ära von Erwin Baur (1963 bis 1967) fiel auch die Gründung einer Frauengymnastikgruppe. Auf Anhieb konnten an den württembergischen Landessportbund gleich 42 Mitglieder gemeldet werden. Es gab damals zwei Gruppen: Die der Ledigen und die der Verheirateten. Geleitet wurden diese von Helga Lüdtke und Julia Mayer. Neben den sportlichen Aktivitäten kam bei den Damen auch die Geselligkeit nicht zu kurz.

1967 übernahm Zahnarzt Rolf Wagner den Turn- und Sportverein. 1969 befasste man sich intensiv mit dem Bau eines neuen Sportzentrums. Dem damaligen Boom Rechnung tragend, fand dann 1970 der erste internationale Volksmarsch statt. Walter Baur, der im Verein noch Geschichte schreiben sollte, wurde zum Jugendleiter gewählt. Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum machten die Jugendlichen sich selbst das größte Geburtstagsgeschenk: Alle Mannschaften errangen die Meisterschaft. Karl Renz krönte das Jubiläum mit der Freilichtfassung von Andreas Hofer, die er selbst inszenierte. Er und seine 60 Laienmimen durften einen dem Jubiläum würdigen Erfolg feiern.