Zum Abschied richtet Benno Kilzer ein letztes Wort des Dankes an das Publikum. Die neue Dirigentin der Jugendkapelle der Stadtharmonie Villingen, Annabelle Schölzel, hört aufmerksam zu. Foto: Rainer Bombardi

Im Franziskaner-Konzerthaus in Villingen erlebten rund 900 Gäste eine Uraufführung, einen Dirigentenwechsel, drei Orchester und mehrfache Standing Ovations. Ein Fest der Blasmusik, das in vielfältigen Dimensionen erklang, hatte sie erwartet.

Gastgeber war die Stadtharmonie Villingen, die zum Abschluss ihres Programms zum 100-jährigen Bestehen zum Jahreskonzert „Ein Hundert“ eingeladen hatte.

 

Dieses wirkte wie ein Geschenk an das Publikum und an sich selbst. Voll bepackt mit kleinen oder größeren Überraschungsmomenten, waren sich die Orchester der Aufmerksamkeit ihrer Gäste bis zum letzten Takt sicher.

Das Konzert war im zweiten Teil an seinem musikalischen Höhepunkt angelangt, als das Große Blasorchester in der „Cenntinal Harmony“ mit einem Auftragswerk begeisterte, das der Stadt- und Bürgerwehrmusiker Matthias Bucher komponiert hatte.

Die Uraufführung

Die Uraufführung brillierte durch den Wechsel der Musikstile, die sich von der Beschwingtheit eines Charleston, über die Leichtigkeit eines Dreivierteltakts bis hin zu ernsteren Melodienabfolgen spannte. Uneinheitlich in Takt und Rhythmus wirkte es wie ein Spiegelbild der Geschichte des Jubilars, der gemäß Dirigent Mario Mosbacher in den vergangenen Jahrzehnten stets auf seine Art einmalig war.

Das Jahreskonzert der Stadtharmonie Villingen genoss das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute. Foto: Rainer Bombardi

Es folgten eine orchestrale Version der Titelmelodie „How to train your dragon“ und ein in typischer Harmoniemanier erklingendes Udo Jürgens-Medley. In den lautstark geforderten Zugaben „Pomp and Circumstances“ und vor allem „My Way“ hob das Orchester noch einmal hervor, dass sein Weg auch in Zukunft außergewöhnlich bleibt.

Jugend zum Auftakt

Den Auftakt in das Konzertereignis gestaltete das Juniororchester, welches unter der Leitung von Annabelle Schölzel mit zwei Stücken das Publikum begeisterte. Spätestens als die Jugendkapelle die Bühne betrat, war allen klar, dass die Zukunftsaussichten für der Stadtharmonie bestens sind. Unter erstmaliger Leitung von Annabelle Schölzel entfachten sie mit musikalischem Esprit den olympischen Geist. Qualitativ eindrücklich weckten sie im Publikum während einem Medley von Kompositionen der weltbekannten Band Queen diverse Erinnerungen an die Charts-Hits der 1970-er Jahre.

Viel Applaus für Kilzer

Der große Moment rückte näher, als der langjährige Dirigent der Jugendkapelle, Benno Kilzer, den Taktstock ergriff. Elegant führte Kilzer ein letztes Mal, die mit All Stars der vergangenen Jahrzehnte aufgepeppte Jugendkapelle durch das Konzertwerk „The witch and the saint.“

Mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations dankte das Publikum dem scheidenden Dirigenten, der sichtlich ergriffen war. „Ich wollte gehen, wenn es am Schönsten ist“, bezeichnete er die Jugendkapelle als einen unbezahlbaren Schatz, den er voller Zuversicht seiner Nachfolgerin Annabelle Schölzel übergibt.

Wie es seit längerem Brauch ist in der Stadtharmonie, hatte Vorsitzender Henry Greif eine voll mit Emotionen, Witz und Esprit gespickte Moderation übernommen. Greif überreichte an Kilzer und seine Nachfolgerin diverse Geschenke zum Abschied und zum Einstand. Mit einer Zugabe begleitete das Jugendorchester seine Gäste in die Pause.

„Einfach beeindruckend und eines der besten Konzerte, das sich in den vergangenen Monaten gehört habe“, war Verbandspräsident Egon Bäurer, der als Gast gekommen war nach Konzertende beinahe sprachlos. So wie er sah es wohl der Großteil des Publikums, welches die Stadtharmonie gerne noch viel länger zugehört hätte.