Michael De Chiara arbeitet an der Chronik für das 100-jährige Bestehen des Schützenvereins. Foto: Steinmetz

Ehemalige Front-Soldaten gründeten vor 100 Jahren den Sulzer Schützenverein. Wer den Schützenverein kurzfristig auflöste und wieso dabei Unterlagen verloren gegangen sein könnten, erzählt Michael de Chiara.

Der Schützenverein Sulz feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums finden mehrere Veranstaltungen statt. Der Festakt ist am 14. Oktober.

 

Michael De Chiara ist gerade dabei, die Chronik zu vervollständigen. „25 Jahre muss ich noch aufarbeiten“, sagt er. Ein Festschrift ist nicht geplant, stattdessen wird die Geschichte des Schützenvereins auf die Homepage gestellt.

Auf die erste Ehrenscheibe wurde 1923 geschossen. Ehemalige Frontsoldaten hatten den Schützenverein in jenem Jahr gegründet und den ersten Schießstand auf der Bitze, „auf Stehles Waldwiese“, aufgebaut. Dieser Platz, ein Freistand mit drei Bahnen, befand sich oberhalb der heutigen Kläranlage.

„Parabellum Weiß“ als bester Schütze

Zur Eröffnung veranstalteten die Mitglieder ein Fest mit den Nachbarvereinen, und aus diesem Anlass wurde auch auf eine Fest- oder Ehrenscheibe geschossen. Sieger wurde die Mannschaft aus Oberndorf. Bester Schütze war der Oberndorfer „Parabellum Weiß“, wie er von den Mauserleuten genannt wurde. Dieser hat die Ehrenscheibe in den 1960er-Jahren an Heinrich Schaumann weiter gegeben – mit dem Auftrag, dass sie „hoch in Ehren gehalten wird“.

Aus der Anfangszeit gibt es wenig Schriftliches. „Das Einzige, was wir haben, sind Zeitungsannoncen“, erzählt De Chiara. So wird am 25. Februar 1933 zu einem Kappenabend ins „Waldhorn“ eingeladen. Kostüme seien erwünscht, Masken dagegen nicht, hieß es. Es hat aber nicht der Schützenverein, sondern der Kriegs- und Veteranenverein die Annonce aufgegeben. Die Schützen waren damals als Abteilung angegliedert. Die Hauptversammlungen wurden im Kurhaus Albeck am Pfisterwald abgehalten.

Besatzungsmacht greift ein

Der Schießstand war in den 1930er-Jahren auch nicht mehr auf der Bitze, sondern auf der Legenhalde. Die französische Besatzungsmacht löste dann den Verein auf. Michael De Chiara vermutet, dass dabei auch die Unterlagen verschwanden.

Die Wiedergründung mit 33 Interessierten war am 13. November 1954 im Gasthaus Zur Kanne in der Vorstadt neben dem früheren „Adler“. Ein Thema war auch, dass das Schützenhaus im Weilergraben gebaut werden soll. Baubeginn war ein Jahr später.

1956 konnte das Schützenhaus mit vier KK-Bahnen über 50 Meter und weiteren vier Luftgewehrbahnen im Freien eingeweiht werden. Bei der Erweiterung 1966 wurde fürs KK-Schießen ein 100-Meter-Stand gebaut.

Die Sulzer Schützen, fotografiert von Felicitas Elbertzhaben, anlässlich des 40-jährigen Vereinsbestehens im Jahr 1963 Foto: Repro

1978 war wieder eine größere Baumaßnahme. Weitere Schießstände wurden eingerichtet. Zudem ist, auch aufgrund der Vorgaben, laufend modernisiert werden. Schallschutz und Absauganlagen mussten installiert werden. „Danach haben wir das Thema heizen gehabt. Wir bauten eine Wärmepumpe ein. Damit waren wir der Zeit weit voraus“, erzählt der Chronist.

Umwelttechnisch auf einem guten Stand

1998 feierten die Sulzer Schützen das 75-jährige Bestehen mit einem Kreisschützenumzug etwas größer. Sie kooperierten dabei mit dem Musikverein: Nachmittags habe man das Neckarfest der Musiker besucht. „Das hat gut funktioniert“, erinnert sich De Chiara.

Das Schützenhaus ist immer wieder erweitert und modernisiert worden. Foto: Steinmetz

Auch in den vergangenen 25 Jahren ging die Arbeit nicht aus. Unter anderem wurde der 25-Meter-Schießstand komplett erneuert, der Kugelschutz und Fluchtwege wurden verbessert. Die Behörde habe zudem ein Schallgutachten verlangt. „Umwelttechnisch sind wir auf einem guten Stand. Da haben wir viel investiert“, stellt De Chiara fest.

Verein ist überaltert

Die Corona-Zeit schränkte nicht nur den Schießbetrieb ein. Da gab es auch beim Seniorenstammtisch, der bis dahin gut besucht war, einen Einbruch. Ein anderes Problem: Der Schützenverein ist mit seinen rund 100 Mitgliedern, von denen 20 aktiv am Schießsport teilnehmen, überaltert. Nachwuchs sei nur schwer zu gewinnen.

Sportlich besonders erfolgreich ist die Schwarzpulvermannschaft mit der Vorderladerpistole, die 2012 in die Landesliga aufstieg. Einzelne Mitglieder qualifizierten sich zudem immer wieder für die württembergische oder sogar deutsche Meisterschaft. Aktuell könnten wieder fünf Schützen an der Landesmeisterschaft teilnehmen.

Jedermann-Schießen von 6. bis 16. Juni

Die öffentliche Jubiläumsfeier mit Ansprachen wird am 14. Oktober im Foyer der Sulzer Stadthalle sein. Bereits vom 6. bis 16. Juni wird das Jedermann-Schießen ausgetragen. Am 9./10. September gibt es ein Ordonanz und ein Fallklappenschießen. Die Aktiven des Schützenkreises Neckar-Zollern tragen vom 19. bis 29. September zudem in vier Disziplinen das Jubiläumsschießen des Schützenvereins Sulz aus.

Das Jedermann-Schießen für Vereine, Betriebe, Stammtische aus Sulz und Umgebung vom 6. bis 16. Juni wird mit dem Kleinkalibergewehr (KK), das der Verein zur Verfügung stellt, sitzend aufgelegt ausgerichtet. Eine Mannschaft besteht aus drei bis vier Teilnehmern.

Anmeldungen sind bis 5. Juni im Schützenhaus oder bei Edgard Delassus, Telefon 07454/92364, E-Mail e.delassus@online.de, möglich. Die Siegerehrung ist am Freitag, 16. Juni, um 22 Uhr im Schützenhaus. Das Startgeld beträgt 15 Euro pro Mannschaft. Trainingsmöglichkeiten gibt es auf den Schießbahnen des Schützenhauses.