Am 19. Februar jährt sich der Geburtstag des amerikanischen Autors Ross Thomas zum 100. Mal. Und die Lektüre lohnt sich unbedingt!
Was würde wohl Ross Thomas dazu sagen? Zu Trump, zu MAGA, zu ICE, zu einem Amerika, das gerade alle Eckpfeiler der Demokratie und der Anstandes rasiert und platt macht? Würde er, der am 19. Februar vor 100 Jahren Geborene, sich verzweifelt abwenden – oder würde er die Washingtoner Steilvorlagen nutzen zu einem weiteren Politthriller über die Abgründe menschlichen Treibens?
Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen, ist dass Thomas sich Zeit Schriftstellerlebens mit Schurken, Lügnern, Intriganten, Gewalttätern, Politkriminellen aller Schattierungen auseinandergesetzt hat – und zwar auf eine überaus elegante Art.
Der Verleger macht keine halben Sachen
Dem Berliner Kleinverleger Alexander Wewerka ist es zu verdanken, dass die Leser im deutschsprachigen Raum eintauchen können in eine Welt, die bei aller Niedertracht stets mit viel Stil gezeichnet wird. Über Jörg Fauser – ebenfalls eine Ikone der Szene – war Wewerka einst auf Ross Thomas gekommen. Und da er keine halben Sachen machen wollte, beschloss er gegen den Rat aller Besserwissenden eine deutsche Gesamtausgabe auf dem Markt zu bringen.
Zwar waren hierzulande schon vorher ein paar Thriller des aus Oklahoma stammenden Autors erschienen, allerdings nur in verstümmelter Form: aus drucktechnischen und ökonomischen Gründen durften sie nur 128 Seiten umfassen. Zum Vergleich: „Die Narren sind auf unserer Seite“, Thomas’ Opus Magnum, zählt bei Alexander 584 Seiten.
Manchmal witzig, manchmal brutal
In diesem Band versammelt sich nachgerade prototypisch alles was Ross Thomas aus- und seine Fans so sehr anmacht: Eine toughe, gleichwohl vermeintlich leicht daherkommende Geschichte über einen ehemaligen Agenten, der es mit ein paar Verbündeten gegen einen ganzen Haufen übler Typen aufnimmt. Ein ganz sparsam, aber dafür umso wirkungsvoller aufblitzender Witz. Und auch, zumindest an einer Stelle, ein unvermittelter Ausbruch großer Brutalität.
Diese Mischung macht den ganz eigenen Ross-Thomas-Sound aus. Ein Sound, der ihn in seiner trockenen Diktion meilenweit über gockeleitle Kollegen wie etwa Don Winslow oder T.C. Boyle stellt. Nein, Thomas spielt vielmehr ganz oben mit in einer Liga mit Charles Willeford, Rick de Marinis und Elmore Leonard.
Und noch etwas hebt Thomas von den meisten seiner Kollegen heraus: die gleichbleibend hohe Güte seiner Werke. Er hat, man kann es nicht oft genug sagen, zwei, drei ziemlich gute Bücher geschrieben. Und der Rest ist einfach sensationell.
Bleibt die Frage für alle Interessierten: Mit welchem Band anfangen? Mit dem „Achten Zwerg“, der im Deutschland der Nachkriegszeit spielt? Mit dem Gewerkschafts-Unsittenbild „Porkchoppers“? Oder mit der großartigen Tetralogie um Mac McCorkle und seinen Freund Michael Padillo? Ach, eigentlich ist es egal, womit man sich den ersten Schuss setzt und zum Junkie wird. Denn wie heißt es doch so schön? Leute, lest Ross Thomas!
Zur Person
Leben
Ross Thomas kam am 19. Februar 1926 in Oklahoma City zur Welt. Erst mit 40 begann er zu schreiben, vorher war PR-Berater – unter anderem für Lyndon B. Johnson – und Gewerkschaftssprecher. Er starb am 18. Dezember 1995 in Santa Monica.
Ausland
Im Zweiten Weltkrieg war Thomas auf den Philippinen stationiert. Später baute er in Bonn das American-Forces-Network-Büro auf. Sowohl den Fernen Osten als auch Deutschland hat er als Handlungsort für Bücher gewählt.
Funfact
Die 25 Bände der Ross-Thomas-Edition kosten zusammen 452 Euro („Die Narren . . .“ sind zwei Euro teurer als die anderen Romane). Die Gesamtausgabe ist um ein Weniges zu dick für ein 60er-Billy-Regal. Um des inneren Monks willen, empfiehlt es sich also, ständig eines der Bücher zu lesen.