Die Stadt Zell würdigt ihren Ehrenbürger Gerhard Jung anlässlich seines 100. Geburtstags.
„Mi liebis Zell, nüt wyt un breit halt i wie di so hooch“ – nichts könnte die Verbundenheit von Mundartdichter Gerhard Jung zu Zell mehr unterstreichen, als dieses Zitat aus dem Gedicht „My Zell“, das er zum 150-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 1960 seiner Heimatstadt widmete. Die Stadt Zell hat nun ihren Heimatdichter und Ehrenbürger mit einem Empfang gewürdigt, denn Gerhard Jung könnte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern.
Bürgermeisterin Marion Isele betonte in ihrer Ansprache, dass die Stadt Zell und die Zeller stolz darauf sind, Heimatort von Gerhard Jung zu sein, denn er habe mit seinen Werken und Wirken das Leben im Wiesental eingefangen und der Region eine Stimme gegeben. Dies, so Isele, in der heimischen Sprache Alemannisch, die zusätzlich dazu beigetragen habe, die kulturelle Identität zu bewahren.
Christoph Greiner von der Zeller Trachtengruppe begrüßte die Gäste mit einem humorvollen Begrüßungsgedicht aus Jungs Feder, dass bei vielen Anlässen der Trachtengruppe zusammen mit Gerhard Jung von ihm selbst zum Auftakt vorgetragen wurde. Danach zeigte die Kindertrachtengruppe unter der Leitung von Andrea Hornburg und Stefanie Trautner einige Tänze.
Rührend war der Gedichtvortrag der beiden Trachtenkinder Fiona Srock und Malik Sidibe „I trag mi Tracht, i trag sie stolz.“ Ein Gedicht, das Gerhard Jungs Einstellung zur Tracht und zur Heimat manifestiert. Die Trachtengruppe Zell wurde nach dem Krieg von Gerhard Jung wiedergegründet. Die Kindertrachtengruppe entstand vor 50 Jahren anlässlich der Silberhochzeit von Gerhard Jung und seiner Frau Klärli.
Mit Markus Manfred Jung, Karl-Heinz Jung und Sabine Ging waren drei Kinder von Gerhard Jung am Empfang anwesend. Nur Alfred Jung musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Markus Manfred Jung oblag es „Gschichte vom Vadder“ zu erzählen. Launig sprach er über den Lebensweg seines Vaters, von frühester Kindheit und Jugend in Freiatzenbach oder von seiner Rückkehr als Kriegsversehrter aus der Gefangenschaft. Seine Kriegserlebnisse haben Gerhard Jung sehr geprägt. Als 16-Jähriger zum Kriegsdienst eingezogen, sah er mit Entsetzen die Grausamkeiten des Krieges. Nach dem Notabitur blieb ihm ein Studium verwehrt, so dass er bei der Post eine Beamtenlaufbahn einschlug und dort zum Ausbilder wurde. Hunderte spätere Postbeamte gingen durch Gerhard Jungs Schule. Darunter die späteren Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, der Skispringer und Nordisch Kombinierer Georg Toma aus Hinterzarten und der Ringer Adolf Seger aus Freiburg.
Dichter-Gen geerbt
Natürlich ging Markus Manfred Jung auch auf das Werk seines Vaters als Mundartdichter, Schriftsteller und Verfasser von vielen Bühnenstücken, vom Sketch bis hin zu Freilichtspielen mit mehr als hundert Darstellern, ein. Obwohl Gerhard und Klärli Jung die längste Zeit ihres Lebens in Lörrach wohnten, fühlte sich Gerhard Jung zeitlebens immer als Zeller. Die Liebe zu Zell war so groß, so die Anekdote, dass Klärli Jung zur Entbindung ihrer Kinder jeweils mit dem Zug von Lörrach nach Zell fuhr, damit sie dort das Licht der Welt erblicken konnten. Einmal hat dies allerdings nicht geklappt: Tochter Sabine kam früher als erwartet zur Welt und „musste“ diese in Lörrach erblicken. Inzwischen wohnt sie allerdings in Zell-Adelsberg. Das Jungs „Dichter-Gen“ nicht von Ungefähr kam, zeigte Karl-Heinz Jung auf: Bereits der Vater von Gerhard Jung, Karl Jung, war ein begnadeter Schreiber, der viele Gedichte und Geschichten verfasste. Er hat ein mehrere Bände umfassendes Tagebuch hinterlassen, aus dem Karl-Heinz Jung rezitierte.
Mit dem 1974 verfassten Gedicht „2022“ wagte Gerhard Jung einen Blick in die Zukunft und das Jahr 2022. Drei Schüler der Montfort-Realschule, Carlo Baldassarre, Lynn Schöne und Hannah Hanke, beschäftigten sich mit Referendar Marius Lais ausführlich mit dem Inhalt des Gedichts. Strophe für Strophe wurde vorgetragen und analysiert. Sie stellten fest, dass Jung mit seiner Vision nicht immer richtig lag, aber doch schon einiges vorher sehen konnte.
Der Empfang der Stadt Zell zur Würdigung von Gerhard Jung gab einen schönen und interessanten Einblick in das Leben und Wirken des Zeller Künstlers.
Weitere Veranstaltungen
Im Zeller „Gerhard-Jung-Jahr“ sind weitere Veranstaltungen geplant: Am 19. Juli findet ein Gerhard-Jung-Obe vom Bürgerverein in der evangelischen Kirche statt. Am 3. Oktober wird beim Erntedank-Gottesdienst die „Buure Mess“ von Gerhard Jung aufgeführt und am ersten Adventsonntag lädt die Trachtengruppe zum „Liechtgang“ ein.