Bei Bauarbeiten in Pforzheim ist eine Weltkriegsbombe gefunden worden. Am Sonntag, 17. Mai, soll sie entschärft werden. Die Evakuierung von 27.000 Menschen steht bevor.
„Uns wird die Arbeit in den nächsten Jahrzehnten nicht ausgehen.“ Das sagte Ralf Vendel erst vor Kurzem dem SWR. Vendel ist Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) Baden-Württemberg. Und er sprach von der Beseitigung von nicht detonierten Weltkriegsbomben, die bundesweit noch immer zuhauf im Boden und in Gewässern lauern.
Eine davon wurde nun bei Bauarbeiten am Quartierspark in der Oststadt im Bereich der Ecke Dammstraße/Stückelhäldenstraße in Pforzheim entdeckt.
Für die Bevölkerung bestehe keine akute Gefahr
Nach Angaben der Stadt Pforzheim handelt es sich um ein etwa 1,8 Tonnen schweres Exemplar mit rund 1350 Kilogramm Sprengstoff. Für die Bevölkerung bestehe keine akute Gefahr.
Doch wenn die Weltkriegsbombe entschärft wird – dies ist am Sonntag, 17. Mai, geplant –, geht damit auch eine Evakuierung in einem Radius von rund 1,5 Kilometern einher.
Das betroffene Gebiet muss am Sonntag bis 8 Uhr verlassen werden. Betroffen ist ein großer Teil der Innenstadt und damit rund 27.000 Bürger.
Auch der Bahnverkehr Richtung Karlsruhe und Stuttgart sowie der gesamte ÖPNV werden während der Maßnahmen stark eingeschränkt sein oder zeitweise komplett ausfallen. Ausgenommen von der Evakuierung ist indes das Helios-Krankenhaus.
„Unsere Stadt steht vor einer außergewöhnlichen Herausforderung – und sie ist gut darauf vorbereitet“, erklärt Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch in einem Statement.
„Nehmen Sie die Maßnahmen ernst, verlassen Sie das Gebiet bis 8 Uhr“
Feuerwehr, Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst arbeiteten mit höchster Professionalität und einem klaren Plan. Die Koordination laufe reibungslos – „das verdient ausdrücklichen Dank und meinen tiefen Respekt“.
Die Evakuierung sei zwingend notwendig – und werde gelingen. „Ich bitte alle Betroffenen: Nehmen Sie die Maßnahmen ernst, verlassen Sie das Gebiet bis 8 Uhr, und vertrauen Sie auf die Menschen, die für Ihre Sicherheit im Einsatz sind. Pforzheim meistert auch diesen Sonntag – gemeinsam“, so Boch.
Der Bombenfund in Pforzheim ist deutschlandweit nur einer von vielen. Möglicherweise war es auch nicht der letzte in der Stadt. Rund 1,35 Millionen Tonnen Munition wurden während des Zweiten Weltkriegs auf das Gebiet des damaligen Deutschen Reiches abgeworfen, berichtete der SWR, davon etwa 100.000 Tonnen auf Baden-Württemberg.
Zehn bis 15 Prozent seien nach Angaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg nicht detoniert.
Seit 1987 wurden insgesamt 833 Sprengbomben-Blindgänger in Baden-Württemberg gefunden, erklärte das Landesinnenministerium im Jahr 2024.
Laut SWR liegen bundesweit Schätzungen zufolge noch 100.000 bis 300.000 Tonnen an Blindgängern in Boden und Gewässern verborgen. Genaue Zahlen für Baden-Württemberg könne zumindest der Leiter des KMBD Baden-Württemberg keine nennen. Es sei jedoch zu erwarten, dass es noch „sehr, sehr viele“ Blindgänger gebe.
Hier können Bürger sich melden
Für Fragen aus der Bevölkerung ist ab Freitag, 15. Mai, ein Bürgertelefon der Stadt Pforzheim unter der Telefonnummer 07231/39-1000 geschaltet. Die Zeiten des Bürgertelefons sind: Freitag 12 bis 22 Uhr, Samstag 8 bis 22 Uhr und Sonntag 8 bis 22 Uhr.
Einrichtungen wie Pflegeeinrichtungen werden demnach direkt von der Feuerwehr über eine mögliche Betroffenheit informiert.
Über weitere Maßnahmen informiere die Stadt aktuell und fortlaufend über die Social-Media-Kanäle sowie die Homepage der Stadt Pforzheim.