Der Oberliga-Aufsteiger Türk. SV Singen im Porträt. Warum Ali Günes auf den Trainerstuhl zurückkehrte. Seine Gedanken zur aktuellen Situation am Hohentwiel.
Eigentlich wollte Ali Günes nach vielen stressigen Jahren im Profifußball und auch als Trainer im Sommer für eine gewisse Zeit einmal ausspannen. In zwei Jahren hatte der 46-Jährige den Türk. SV Singen von der Landesliga in die Oberliga geführt. Mission also mehr als erfüllt. Denkste!
Der dritte Trainer
Als im vergangenen Sommer zunächst der Ex-08-Torhüter Christian Mendes gehen musste und dann auch dessen Nachfolger Engin Özdemir ein Profi-Angebot in der Türkei wahrnahm, erhielt Ali Günes im wohlverdienten Urlaub in der Türkei Ende September einen Anruf der Singener Verantwortlichen. Die Mannschaft stand im Tabellenkeller, die Ausgangslage für die nächsten Wochen war alles andere als prickelnd.
Ali Günes musste nicht lange überlegen. Bei so einer Bitte konnte er nicht Nein sagen. „Der Club ist für mich eine große Herzenssache.“
Wo Ali Günes beim Team ansetzte
Der Ex-Profi machte zunächst von seinem alten/neuen Team eine Bestandsaufnahme, dann legte er mit der Arbeit los: Günes brachte seine Jungs nicht nur konditionell auf Vordermann, sondern erklärte ihnen auch mehrfach, auf was es in einer Oberliga wirklich ankommt.“ Das Ergebnis ist beeindruckend: In den vergangenen acht Spielen unter der Regie des Bräunlingers gewannen die Singener sechs Mal, kletterten auf Rang neun hoch und zählen mit vier Siegen in Folge nun aktuell sogar zu den „Mannschaften der Stunde“ in der Oberliga.
Ali Günes macht es momentan richtig Spaß mit dem Team: „Aber wir müssen bei unseren internen Strukturen noch einiges aufholen, denn der Durchmarsch – damals von der Bezirksliga in die Oberliga – ging zu schnell für unseren Verein.“
Was Ali Günes außerdem bedauert: „Im Moment gibt es hier in der Region auf dieser Leistungsebene nur den FC 08 und uns. Sprich, es ist nicht einfach, Spieler und Talente zu finden, die Oberliga spielen können.“
Was er sich mit seinem Club wünscht? „Dass wir auch mittelfristig uns in der Oberliga etablieren können. Ich denke, es ist die richtige Liga für uns.“
Die früheren Nullachter
Mit Abdou Mboob, Torhüter Fabio Krißler, Oleskandr Balazh, Daniel Niedermann, Gianluca Serpa, Mokhtar Boulachab, Batuhan Bak, Volkan Bak, Dominik Emminger und Jonas Zimmermann zählen zehn ehmalige Nullachter zum Kader des Türk SV Singen – plus natürlich Ali Günes.
Den Begriff „08-Filiale“ findet man in Singen übrigens nicht schön. Es würde vor allem auch die Spieler abwerten, die das Trikot des Aufsteigers tragen und keine 08-Vergangenheit haben, so der Tenor im Team.
Bester Torschütze ist aktuell bei Singen Abdou Mboob mit sechs Treffern.
Die Personalien
Zugänge: Abdou Mbob (im Sommer vereinslos, wollte in die Türkei, kehrte im September wieder zurück), Albert Malaj (Südstern Singen), Oumar Coulibaly (Südstern Singen), Tevfik Altindag (Türkspor Neckarsulm), Josip Barjasic (Südstern Singen), Boris Kamdem Kammo (zuletzt in Portugal), Gabio Krißler (FC 08 U21), Mokhtar Boulaschab (FC 08 Villingen), Bathuan Bak (FC Pfaffenweiler), Ege und Tugay Öztürk (beide DJK Donaueschingen), Luis Rafael (JFV Singen), Gianluca Serpa, Dominik Almeida (beide 1. FC Rielasingen-Arlen).
Abgänge: Andrei Burdun (SC 04 Tuttlingen), Alieu Sarr (FC Königsfeld), Christian Mendes, Atakan Koyuncoglu, Muhammed Demir, Veysel Kayantas, Redon Ismajli (alle Südstern Singen), Drion Panxhaj (BSV 07 Schwenningen), Luca Cantarella (FC Singen 04), Vincnzo Gerardi (Türk SV Pfullendorf), Emir Erdemlig, Andrei Cioara, Mike Kipka, Ramiro de Lillo (Ziele unbekannt).