Hamburg (dpa) - Ray Davies, ehemaliger Frontmann der Kinks, schleppt rund vier Jahrzehnte Rockgeschichte mit sich herum, und so überrascht es nicht, dass auch sein neues Projekt von der melancholisch-nostalgischen Stimmung dieser urenglischen Band geprägt ist.
Nun, CDs mit Kinks-Klassikern aus den 60er und 70er Jahren gibt es bereits genug, und so entschloss sich der Ausnahme-Musiker, seine alten Lieder mit Hilfe des 65-köpfigen Crouch End Festival Chors aus Nordlondon zu beleben. Das Ergebnis heißt «The Kinks Choral Collection», eine verblüffende Oldie-Sammlung der Extra-Klasse, die sehr leicht hätte schiefgehen können. Stattdessen kommen die aufgefrischten Lieder erhebend und auch charmant daher.
Nicht jedes Lied ist gelungen, aber keines davon wird einfach abgenudelt. Meilensteine wie «Waterloo Sunset» und «Celluloid Heroes» sowie ein Medley aus dem 68er Album «Village Green Preservation Society» haben eine epische Qualität bekommen, die sie manchmal wie Hymnen klingen lassen. Dazu ist Davies' feine Stimme eindringlicher denn je.
Die Neueinspielung illustrer Stücke aus der Pop-Vergangenheit birgt eine gewisse Gefahr in sich, zumal die meisten potenziellen Käufer dieses Werkes bereits alle Platten der Kinks auswendig kennen und besitzen dürften. Das Echo in der Fangemeinde wird wohl geteilt sein. Jedenfalls konnten die beiden für die Arrangements verantwortlichen David Temple und Steve Marwick verhindern, dass es sich «um einen bloßen Hintergrundgesang handelt, der mich begleitet», sagt Davies, der einst als der «gebildetste, geistreichste und einfühlsamste Songschreiber des Rock» gefeiert wurde. Die Kinks, die insgesamt 22 Hits in den Charts hatten, wurden 1990 in die Rock and Rock Hall of Fame aufgenommen.
Der Chor wird meistens recht geschmeidig in die klassische Bandbesetzung von Bass, Schlagzeug, zwei Keyboards und zwei Gitarren - von denen Davies eine spielt - integriert. Verglichen mit den Originalen wirken die Chorfassungen von rockigen Liedern wie «You Really Got Me» and «All Day And All Of The Night» etwas fade und uninspiriert. Dafür gibt es Highlights wie eine bewegende A-capella-Gospel-Version von «See My Friends» und das altmodisch anmutende «Working Man's Cafe» von Davies' gleichnamigen Solo-Album (2007). «Mir persönlich war es nur dann möglich, die Songs mit dem Chor neu aufzunehmen, wenn ich damit auch etwas Neues zum Ausdruck bringen könnte - und ich denke, dass wir genau das geschafft haben», erklärte Davies.
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29.09.2009 - aktualisiert am 29.09.2009 15:02