Baiersbronn. Wilhelm Hauff waren diese Musikinstrumente allenfalls dem Namen nach bekannt. Im Baiersbronner Museum wurden sie aber nun live geboten: Der Norweger Künstler Thor-Harald Johnsen stellte die historischen Kostbarkeiten vor.
Eingeladen hatten das Gitarrenensemble Baiersbronn und der Heimat- und Kulturverein. Johnsens hochstehendes künstlerisches Spiel, die einfühlsame und sensible Ausdruckskraft entlockte den Gitarreninstrumenten Klänge, die oft an Andalusien, Kastagnetten und Olé-Rufe denken ließen. Aber das reichhaltige Spektrum seines Könnens entfaltete er mit pastellhafter Zeichnung durchsichtiger Melodieverläufe und äußerst differenzierter und stupender Anschlagstechnik. Wobei die Vielstimmigkeit der frühen spanischen Renaissancemusik ebenso klar und deutlich modelliert wurde wie die inhaltsschwere und dramatische Expressivität der barocken Werke.
Und für das jeweilige Zeitalter hatte der Künstler das passende Instrument: Da klangen die feinen, zart silbrigen Töne der Vihuela und Barockgitarre sowie die schweren, dumpfen, aber gewichtigen Melodien des Chitarrone. Dieses Lauteninstrument mit verwirrend vielen Saiten setzte wegen seiner Vielfältigkeit einen besonderen Akzent. Johnsen verstand es, mit scheinbar mühelos perlenden Läufen und virtuosen Akkordbrechungen der Musik ganz Meister zu sein.
An der Hochblüte und höchsten Vollendung der barocken Gitarrenmusik des damaligen italienischen Weltstars Francesco Corbetta durften die Zuhörer genauso wie schon Ludwig der XIV., der Sonnenkönig in Versailles, teilhaben: Die Legende erzählt, dass Corbetta dem König beim Spazierengehen mit der Gitarre spielenderweise hinterher zu gehen und ihn mit Musik zu erfreuen hatte. Johnsen setzte schmunzelnd hinzu, dass die Zuhörer jetzt auch wüssten, wie der »Walkman« entstand.
Barocke »Weltmusik« des gebürtigen Spaniers Santiago de Murzia krönte den Abschluss: Er kam bis nach Übersee, wo er in Mexico verstarb und aus seinem Todesjahr wunderschöne, ethnisch inspirierte Musik hinterließ, die im voll besetzten Saal des Märchenmuseums ihren passenden Vortragsort fand.
Mit zwei Zugaben bedankte sich Thor-Harald Johnsen für den lebhaften Beifall der begeisterten Zuhörer.
Von Josef Wagner
17.11.2009 - aktualisiert am 17.11.2009 19:39