FREUDENSTADT
Freudenstadt - Nachtwanderer begleiten Jugendliche
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Oberbürgermeister Julian Osswald (im Hintergrund) hat die Schirmherrschaft für die Nachtwanderer übernommen. Foto: Kuhnert
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Freudenstadt - Es scheint fast so, als könnten sich die Nachtwanderer
Freudenstadts im Frühjahr 2010 auf den Weg machen. Die Initiatoren waren am
Ende eines Infoabends zuversichtlich, genügend Erwachsene zu finden, die
helfen, dass Jugendliche gut durch die Nacht kommen.
Denn das ist das Anliegen der Nachtwanderer. Sie wollen an Wochenenden und
besonderen Tagen nachts zwischen 22 und 1 Uhr an Brennpunkten wie
Haltestellen, öffentlichen Plätzen oder vor Gaststätten in Freudenstadt
Ansprechpartner für junge Leute sein.
»Es sind Erwachsene, die Präsenz auf der Straße auch in schwierigen Zeiten
zeigen. Ohne erhobenen Zeigefinger«, formulierte es Hans-Martin Haist von der
Kinderwerkstatt Eigen-Sinn. Diese, sowie die Diakonie und die Erlacher Höhe
haben in Verbund mit der Stadt das Streetworker-Projekt übernommen und sehen
die Nachtwanderer als einen Baustein der mobilen Jugendarbeit. Jetzt müsse es
gelingen, genügend Freiwillige zu finden, die sich den Nachtwanderern
anschließen wollen.
Für dieses sind Ein-Tages-Lehrgänge in Deeskalation, Gesprächsführung und
Erste Hilfe angedacht. Ansonsten müsse sich die Gemeinschaft selbst
entwickeln, ihre eigenen Ziele setzen und Strukturen ausbilden. Haist machte
noch einmal klar: Nachtwanderer sind weder Bürgerwehr noch Sozialarbeiter. Und
schließlich soll die Aktion den Beteiligten auch Spaß machen.
Renate Braun-Schmid von der Diakonischen Bezirksstelle und Wolfgang Günther
von der Erlacher Höhe machten die rund 30 Interessierten mit den Erfahrungen
und Erfolgen von Nachtwanderern in anderen Städten vertraut, wo zum Teil
Nachtwanderer mit Jugendlichen ein regelrechtes Vertrauensverhältnis aufgebaut
haben. Dabei erstaunte immer wieder die Tatsache, dass allein die Präsenz der
Wanderer auf der Straße Erstaunliches bewirkt. Martin Franz berichtete von
seinen Erfahrungen als Nachtwanderer bei zwei Probedurchgängen in Freudenstadt
(wir berichteten).
Werner Schweizer aus Waldachtal signalisierte namens der Verkehrsgemeinschaft
Freudenstadt und des Südwestbusses, dass sie die Sache nachdrücklich begrüßen
und Nachtwanderer kostenlos in Omnibussen mitnehmen werden. Auch mit der Bahn
wurde Kontakt aufgenommen, denn es soll auch möglich sein, dass Nachtwanderer
Jugendliche in Bus und Bahn auf dem Heimweg begleiten. Dazu regte Dekan Harald
Stumpf an, Nachtwanderer auch aus benachbarten Gemeinden im Landkreis zu
suchen, da auch von dort Jugendliche nachts in Freudenstadt unterwegs seien.
Ergänzung der mobilen Jugendarbeit
Oberbürgermeister Julian Osswald hat die Schirmherrschaft übernommen, »weil
die Aktion wichtig ist«, wie er sagte. Er verwies vor allem darauf, dass
professionelle und ehrenamtliche Jugendarbeit noch stärker vernetzt werden
müsse, beispielsweise mit der Schulsozialarbeit oder dem Kinder- und
Jugendzentrum. Osswald: »Dann haben wir eine Chance.« Die Nachtwanderer seien
eine hervorragende Ergänzung der mobilen Jugendarbeit und würden vielleicht
dazu beitragen, dass sich Bürger auch an Wochenenden auf Freudenstadts Straßen
sicherer fühlen.
Im Anschluss wurden zahlreiche Fragen beantwortet, Missverständnisse
ausgeräumt und die erstaunliche Erkenntnis gewonnen, dass es auf dem Kniebis
schon eine Art mobile Jugendarbeit mit christlichem Hintergrund gibt.
Von Hannes Kuhnert
19.11.2009 - aktualisiert am 24.11.2009 17:07
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