Meßstetten. Die Vision von »Made in Germany« verwirklicht sie auf der Schwäbischen Alb – die Meßstetter Modedesignerin Sabine Becher. Hier arbeitet sie im Team mit mehreren namhaften deutschen Firmen. Die Becher GmbH beliefert nicht nur den deutschen Markt, sondern exportiert auch nach Asien und Neuseeland.
»Made in Germany« – zählt das noch etwas?
Nein, beim Endverbraucher leider nicht. Mode ist ein schnell kopierbares Produkt. Die Entwicklungen aus Europa werden in rasanter Geschwindigkeit von Fernost kopiert. Durch Import aus Fernost findet eine modische Verarmung auf dem gesamten europäischen Markt statt. Die Straßenzüge und Einkaufszentren sehen in jeder Stadt gleich aus. Die Individualität des Einzelnen geht verloren. Die Auswahl erscheint größer, dabei sind die Wiederholungen der Artikel immens. Im Umlauf sind Kopien der Kopie der Kopie. Für den Kunden ist es nicht mehr klar ersichtlich, wo der Ursprung des Produktes liegt. Ob die neue Kennzeichnungspflicht mit Angabe des Produktionslandes daran etwas ändert, erscheint mir fraglich. Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen haben den Endverbraucher nicht abgeschreckt. Im Ausland legen Kunden immer noch Wert auf »Made in Germany«. Um uns in Zukunft nicht völlig dem Modeverständnis und der Qualität aus Fernost auszuliefern, müssen sich die Firmen aus Deutschland und Europa positionieren. Dies liegt sicher in der Hand des Endverbrauchers.
Wie begegnen Sie der Konkurrenz aus den Billiglohnländern?
Die Entscheidung, den Standort Zollernalbkreis überhaupt für unseren Zweck noch zu nutzen, ist abhängig von der Leistungsbereitschaft und dem Können der Näherinnen von Zimmern bei Hechingen bis nach Tailfingen, der Zuschneiderei in Tailfingen und Winterlingen, der Stickereien in Albstadt, der Stofflieferanten in Balingen, der Ausrüsterei in Bisingen und der Druckerei in Unterdigisheim. Alle diese Unternehmen und ihre Mitarbeiter ermöglichen es, meine Kreativität in noch kalkulierbare und hochwertige Produkte schnell umzusetzen. Modisches Design, hochwertige Qualität, Flexibilität der Unternehmen und effektives Zusammenarbeiten sind die Grundlagen, um hohe Stückzahlen zu erzielen.
Ihr Unternehmen, die Firma Becher, wirkt in einem Werbefilm von Heine auf der Internetseite des Versandhandels mit. Was versprechen Sie sich davon?
Es stimmt: Im Mai dieses Jahres besuchte ein Filmteam im Auftrag des Heine-Versandes – ein Unternehmen der Otto- Group – die Firma Becher GmbH in Meßstetten. Wir möchten dem Heine-Kunden zeigen, dass es möglich ist, trotz aller Globalisierung, modische Damenoberbekleidungs-Artikel vom Design bis zum Endprodukt in Verbindung mit hochqualitativen, modischen Stoffen aus Frankreich und Italien noch in Deutschland zu produzieren.
Von der Idee bis zum fertigen Schnitt – wie sehen diese Stationen aus?
Wichtig ist, Strömungen, sogenannte Trends, vorauszusehen und zum richtigen Zeitpunkt für die Kunden umzusetzen. Zeitschriften, internationale Magazine, Informa- tionsreisen in Trendmetropolen, internationale Stoffmessen sind die Arbeitsbasis, sowie eine klare Zuordnung in das geforderte Preissegment. Schnitte müssen erstellt, Produktionsabläufe festgelegt werden. Dies alles muss mit minimalem Verwaltungsaufwand bewerkstelligt werden.
Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft der Textilindustrie?
1. Dass in den Billiglohnländern das Verhindern der Umweltverschmutzung – in unserem Fall durch textile Produktion – mit den gleichen Maßstäben wie in Deutschland betrieben wird. Ökologische Zerstörung aufgrund von sinnloser und überschüssiger textiler Massenproduktion muss verhindert werden. 2. Dass Ausbeutung von Menschen und Kinderarbeit effektiver und ohne Vorankündigung kontrolliert wird. 3. Kreativität ist bei uns in Deutschland ein unbedingt zu fördernder Faktor für unsere Zukunft in allen Bereichen.
uDie Fragen stellte Christoph Holbein
24.11.2009 - aktualisiert am 24.11.2009 18:23