NACHRICHTENTICKER BALINGEN
Balingen - Viele fallen auf DG-Fonds rein
Balingen - Dass Eberhard Kipp als einer der Geschädigten der früheren DG-Bank
an die Öffentlichkeit gegangen ist, zieht weite Kreise. Stellungnahmen im
Internet und auf dem Postweg zeigen: Vielen ist es so gegangen wie ihm – sogar
seinem ehemaligen Finanzberater.
Ihm kann aus heutiger Sicht auf keinen Fall unterstellt werden, dass er die
faulen Papiere wissentlich als »todsichere Anlage« angepriesen hatte. Alfred
Gambach hat selbst eine größere Summe in faule Anlagepapiere investiert: »Ich
war selber mit dabei. Und es war nicht alles falsch und schlecht«, sagte der
ehemalige Vorstandsvorsitzende der Volksbank Rosenfeld gestern im Gespräch mit
unserer Zeitung. »Wir haben die Fonds angeboten wie alle anderen auch. Sie
waren in jeder Hinsicht interessant: Man konnte sich an gewerblichen
Immobilien beteiligen und hatte 50 Prozent Steuerersparnis.«
Auf mehrere Objekte gestreut
Gewiss sei eine solche Investition mit einem gewissen Risiko verbunden. Aber
die Fonds seien auf mehrere Objekte gestreut gewesen, um das Risiko zu
minimieren. Insgesamt 50 Fonds habe die ehemalige DG-Bank damals auf den Markt
gebracht. »Es waren viele gute dabei, aber eben auch schlechte«.
Er selbst habe sie seinen Kunden mit gutem Gewissen empfohlen: »Ich habe mich
voll auf den Verbund verlassen.« Die Zentrale habe die Produkte angeboten, die
Formulare dazu geliefert und sei auch für die Prüfung zuständig: »Die kleine
Bank vor Ort hatte gar keine Möglichkeit, das Angebot genau zu prüfen. Wir
mussten uns in jeder Hinsicht auf die DG-Bank verlassen.«
Nach Alfred Gambach liegt das Hauptproblem darin, dass die kleinen Banken vor
Ort dafür verantwortlich gemacht würden, dass viele Anleger Geld in den Sand
gesetzt haben. »Die DG-Bank hat die Papiere ausgegeben und hat sie in
Vorträgen angepriesen. Es tut mir leid, dass wir in Rosenfeld viele Fonds
verkauft haben, aber ich bin mir keiner Schuld bewusst.« Wenn das Gericht
tatsächlich zugunsten der Geschädigten urteilen sollte, dann müsse die DZ-Bank
für den Schaden geradestehen, »nicht die kleine Bank vor Ort«.
Verfahren bis zum Bundesgerichtshof tragen
Aber die Frankfurter Zentrale der Genossenschaftsbanken wehrt sich: »Der
DZ-Bank ist bekannt, dass die Ansprüche der Anleger begründet sind«, schreibt
der Schweinfurter Rechtsanwalt Michael Schulze, der Eberhard Kipp und mehrere
andere Geschädigte vertritt. »Gleichwohl beabsichtigt diese, die Verfahren bis
zum Bundesgerichtshof zu tragen, wohl auch in der Hoffnung, dass einerseits
geschädigte Anleger so von einer Geltendmachung ihrer Ansprüche abgehalten
werden, oder dass sich andererseits das diesbezügliche Problem aufgrund des
meist hohen Alters der Anspruchsteller ›biologisch‹ lösen lässt.« Er sei aber
optimistisch, dass auch das Landgericht Hechingen wie bereits das Landgericht
Koblenz und das Oberlandesgericht Stuttgart im Sinne der geschädigten Anleger
entscheiden werde, teilt Schulze weiter mit.
»Zusammen mit ihren Mitgliedern wurde auch die Volksbank über den Tisch
gezogen«, schlussfolgert Eberhard Kipp. Bedauerlich findet er es, dass sich
die Bank jetzt auf die Seite des Stärkeren und gegen den Schwachen stelle:
»Die Genossenschaft tut jetzt genau das, wogegen sie in Zeiten des Herrn
Raiffeisen gegründet wurde.«
Von Gert Ungureanu
13.10.2009 - aktualisiert am 15.10.2009 10:08
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