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Hechingen - Hochwasser spült Urlaub davon
Hechingen-Weilheim - Eigentlich wären Dietmar und Helga Waldmann mit ihren
Kindern jetzt im Urlaub. Am Montag sollte es an den Bodensee gehen.
Stattdessen steht das Ehepaar in Weilheim in der Garage und packen ihr Hab und
Gut, das vom Hochwasser verschont blieb, in Kisten.
Der Starkregen vom Samstag hat den Urlaub in weite Ferne gespült. Helga
Waldmann war in der Wohnung, als der Regen einsetzte. Das Wasser sei wie ein
Sturzbach auf die unter Gartenniveau liegende Terrasse geströmt und von dort
in die Wohnung, sagt sie. Etwa 30 Zentimeter hoch stand dort das Wasser.
»Das mach ich nicht nochmal mit«
»Wir brauchen eine neue Bleibe«, sagt Helga Waldmann. Freunde und Verwandte
haben gleich am Sonntag geholfen, durchweichte Böden und Tapeten in der
Wohnung rauszureißen. Einziehen wird sie dort nicht mehr: »Das mach ich nicht
nochmal mit«. Ihr Blick fällt auf Möbel, Bügelbrett, Videokasetten, Bücher,
die wild durcheinander in der Garage gestapelt sind. Dietmar Waldmann erinnert
sich an die schlimmen Unwetter vom Juni des vergangenen Jahres. »Das war auch
extrem, aber da hatten wir nur leichte Feuchtschäden in der Wohnung«, sagt der
Familienvater.
Schotterplatz schuld?
Warum das Wasser beim Unwetter am Samstag nicht durch Kanäle abgelaufen oder
im Boden versickert ist? Die Anlieger können nur spekulieren. Im vergangenen
Herbst wurde eine Fläche im oberhalb der Straße »Auf der Bins« liegenden
Gewerbegebiet mit einer Schotterdecke befestigt. »Ob die Versiegelung Schuld
ist, oder ob es einfach Schicksal war«, so Dietmar Waldmann, solle nun ein von
der Hechinger Stadtverwaltung beauftragter Gutachter klären. »
Bürgermeister Weber gibt dem Schotterplatz nicht die Schuld, wir Anlieger aber
schon«, sagt Marianne Gerasch. Ihr und ihrem Mann Günter hat das Hochwasser
die Arbeit aus gut vier Monaten zerstört: Günter Gerasch hatte seinen ganzen
Jahresurlaub geopfert, um das elterliche Wohnhaus seiner Frau in der Straße
»Bins« umzubauen. »Die neu eingezogenen Wände in Holzbauweise im Untergeschoss
können wir jetzt grad wieder rausreißen«, sagt Marianne Gerasch. Dort
gelagertes Baumaterial – Holz, Betonsäcke, Dämmwolle – ist auch nicht mehr zu
verwenden. »Der Container steht schon da. Wahrscheinlich bleiben wir auch noch
auf den Entsorgungskosten sitzen.«
Knapp 40 Zentimeter hoch stand das Wasser im Keller des Hauses. »Das ist
einmalig«, sagt die Weilheimerin, »seit 53 Jahren steht das Haus und am
Samstag kam der erste Tropfen Wasser in diesen Keller.« Womöglich habe das
Wasser durch den Kanal ins Haus gedrückt. Der sei überlastet, seit das
Gewerbegebiet in der Nähe entsteht.
Marianne Gerasch ärgert sich, dass es so weit kommen musste. Denn sie hat
zusammen mit 16 anderen Anliegern im Juni einen Brief an die Stadt geschickt
mit Anregungen zum Gewerbegebiet, in dem auch auf die unzureichende
Kanalisierung aufmerksam gemacht wurde (siehe Infokasten). Bislang kam von der
Stadt keine Reaktion. Ein Gefühl lässt die Waldmanns in diesen Tagen nicht los
wenn sie aus ihrer vollgestellten Garage auf das Gewerbegebiet blicken: »Wir
sind einfach die Unglücksraben in der Sache.«
Info
17 Weilheimer, meist Anwohner des betroffenen Gebiets, schrieben am 30. Juni
2009 in einem Brief an die Stadt: »Bereits der jetzige Abwasserkanal im
Bereich der Straßen ›Auf der Bins‹ und ›Bins‹ ist völlig unzureichend. Bei
starken Regenfällen ist schon jetzt ein normales Abfließen des
Oberflächenwassers nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund müsste das gesamte
Kanalsystem in diesem Bereich bei der Vergrößerung der erschlossenen Flächen
erneuert werden.«
Von Lena Müssigmann
13.08.2009 - aktualisiert am 13.08.2009 07:31
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