Okt 31
Eine kleine nette Nebengeschichte hab ich noch aus Malle. Schon am Start fiel mir ein braungebrannter Typ auf, der nichts weiter anhatte, als eine Slip-Boxer, sein Startnümmerchen um die Hüfte geschnürt und Bikerboots. “Hoppla”, dachte ich mir, “was ist das denn für ein Vogel?” Doch in dem Getümmel und den Wirren der Startaufstellung war er dann auch schon wieder weg.
Doch irgendwo auf der Strecke hatte ich ihn dann plötzlich wieder vor mir. Eisern lief er seinen Weg in diesen mehr als unbequemen Stiefeln. Er wurde langsamer und schließlich legte er einen etwas gemütlicheren Schritt ein, so dass ich relativ schnell zu ihm aufschließen konnte. Ich trat also neben ihn und hab mein Tempo dem seinen angepasst: “Solidarität”, war meine Begrüßung und Manfred freute sich mit mir ein paar Worte zu wechseln. (Ich wusste, dass er Manfred heißt, denn die Vornamen waren mit auf die Startnummer gedruckt, so dass jeder Läufer sofort persönlich angesprochen werden konnte und nicht nur eine Nummer war.) So fragte ich ihn, was für ein Ding er denn hier durchzieht und meine Vermutung bestätigte sich: es ging um eine Wette.
“Hast du eine Wette verloren, oder gewinnst du gerade eine?” fragte ich.
Manfred: “Wenn ich es schaffe in dieser Montur innerhalb von 6 Stunden den Marathon zu laufen, hab ich die Wette gewonnen.”
“Der Gewinn?”
“Ein großes Fest und 60 Liter Bier. Also das Fest wird so oder so gemacht, das ist schon organisiert.”
“Und wie sieht es aus? Was sagen deine Füße?” fragte ich ihn. (Wohlgemerkt, wir waren ungefähr bei km 15.)
“Eine Blase hab ich schon, rechts hinten.”
“Na dann mal noch alles Gute.”
Und just in diesem Moment kamen wir an meinen Mitreisenden vorbei, die mit der Kamera da standen und uns ein paar nette Erinnerungsfotos gemacht haben.
Ich weiß nun nicht genau, ob Manfred seinen Marathon erfolgreich beendet hat. In der Finisher-Liste ist er leider ohne Zielzeit aufgeführt. Kann also sein, dass er dann doch irgendwann aufgegeben hat oder aufgeben musste. Schade, aber dennoch, Hut ab vor der Leistung und irgendwie witzig, dass es immer wieder Leute gibt, die sich auf so verrückte Sachen einlassen. Ich hatte Manfred noch nach seiner Email-Adresse gefragt und werde mal versuchen Kontakt zu ihm aufzunehmen. Vielleicht verrät er mir ja, wie die Sache tatsächlich ausging.

Okt 31
Sonntag, 19.10.2008. Um 9:00 Uhr morgens fiel der Startschuss für den 5. TUI Marathon in Palma de Mallorca. Da stand ich mit ca. 6.500 weitern Laufgierigen bei 22 Grad und freute mich darauf meinen Körper mal wieder so richtig zu quälen. Allerdings habe ich mich nur für den Halbmarathon angemeldet. 21 Kilometer sind ja auch eine ganz ordentliche Distanz. Schon letztes Jahr bin ich in Palma gelaufen. Da aber mit einer wesentlich besseren und intesiveren Vorbereitung als in diesem Jahr. Aber was soll´s, dachte ich mir, wird schon irgendwie gehen.

Die Streke ist toll. Der Start direkt unterhalb der großen Kathdrale la Seu und dann die ersten 11 Kilometer topfeben an der Uferpromenade und dem Yachthafen entlang. Vorbei an schicken Hotels wo einem die Touris von den Balkonen und Terassen zujubeln. Nach ca. 4 Kilometern kommt der U-Turn und es geht auf der anderen Seite der 3-spurigen Straße zurück zum Ausgangspunkt. Bis hierher ging es eigentlich echt ganz gut, aber in der Zwischenzeit stieg die Temperatur auf etwa 25 Grad und von jetzt auf gleich hatte ich das Gefühl ich hab Blei in den Schuhen. Für einen Moment habe ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt aufzuhören. Einfach zu sagen, nee, das tu ich mir nicht an. Doch diese bittere Niederlage wollte ich dann doch nicht einstecken, also habe ich weiter gemacht, aber ich hab einen Gang runtergeschaltet, bin zwischendurch mal nur “spazieren” gelaufen und hab mich dann so von Versorgungsstation zu Versorgungsstation durchgehangelt. In der zweiten Hälfte des Laufs wird man dann durch die engen Strassen und Gassen der Altstadt von Plama geschleust. Das hat Vor- und Nachteile: zum einen hat man durch die Häuserschluchten immer ein bisschen Schatten, es ist also nicht mehr ganz so heiß wie auf der Promenade wo man von Anfang an gegrillt wird, es ist aber auch wesentlich enger. Wenn da also das Hauptfeld durchrennt, kann es schon mal zu einem kleinen Stau kommen. Aber da war ich ja nicht davon betroffen. Ausserdem ist die Altstadt etwas hügeliger, soll heißen, dass es ständig rauf und runter geht. Sind zwar keine Supersteigungen, aber wenn man mal 15 Kilometer hinter sich hat, ist jede noch so geringe Steigung anstrengend.

Wie auch immer, ich habe die 21 Kilometer absolviert. War keine Glanzleistung, aber ich hab´s geschafft. 2:39:21 Stunden habe ich gebraucht (Vergleich 2008: 2:04:03). Wie eingangs erwähnt war mein diesjähriges Training aber so gut wie nicht vorhanden und dieser Lauf hat mir deutlich gezeigt, dass es ohne Vorbereitung einfach nicht geht. Also hab ich mir fest vorgenommen wieder disziplinierter zu sein, regelmäßiger die Schuhe zu schnüren, meine Kondition wieder auf Vordermann zu bringen und hier wieder meine Runden durch den schönen Schwarzwald zu drehen. Schließlich rückt auch der 2. Oberndorfer Lauftag näher und da möchte ich 2009 wirklich fit sein.
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