Eine kleine nette Nebengeschichte hab ich noch aus Malle. Schon am Start fiel mir ein braungebrannter Typ auf, der nichts weiter anhatte, als eine Slip-Boxer, sein Startnümmerchen um die Hüfte geschnürt und Bikerboots. “Hoppla”, dachte ich mir, “was ist das denn für ein Vogel?” Doch in dem Getümmel und den Wirren der Startaufstellung war er dann auch schon wieder weg.
Doch irgendwo auf der Strecke hatte ich ihn dann plötzlich wieder vor mir. Eisern lief er seinen Weg in diesen mehr als unbequemen Stiefeln. Er wurde langsamer und schließlich legte er einen etwas gemütlicheren Schritt ein, so dass ich relativ schnell zu ihm aufschließen konnte. Ich trat also neben ihn und hab mein Tempo dem seinen angepasst: “Solidarität”, war meine Begrüßung und Manfred freute sich mit mir ein paar Worte zu wechseln. (Ich wusste, dass er Manfred heißt, denn die Vornamen waren mit auf die Startnummer gedruckt, so dass jeder Läufer sofort persönlich angesprochen werden konnte und nicht nur eine Nummer war.) So fragte ich ihn, was für ein Ding er denn hier durchzieht und meine Vermutung bestätigte sich: es ging um eine Wette.
“Hast du eine Wette verloren, oder gewinnst du gerade eine?” fragte ich.
Manfred: “Wenn ich es schaffe in dieser Montur innerhalb von 6 Stunden den Marathon zu laufen, hab ich die Wette gewonnen.”
“Der Gewinn?”
“Ein großes Fest und 60 Liter Bier. Also das Fest wird so oder so gemacht, das ist schon organisiert.”
“Und wie sieht es aus? Was sagen deine Füße?” fragte ich ihn. (Wohlgemerkt, wir waren ungefähr bei km 15.)
“Eine Blase hab ich schon, rechts hinten.”
“Na dann mal noch alles Gute.”
Und just in diesem Moment kamen wir an meinen Mitreisenden vorbei, die mit der Kamera da standen und uns ein paar nette Erinnerungsfotos gemacht haben.
Ich weiß nun nicht genau, ob Manfred seinen Marathon erfolgreich beendet hat. In der Finisher-Liste ist er leider ohne Zielzeit aufgeführt. Kann also sein, dass er dann doch irgendwann aufgegeben hat oder aufgeben musste. Schade, aber dennoch, Hut ab vor der Leistung und irgendwie witzig, dass es immer wieder Leute gibt, die sich auf so verrückte Sachen einlassen. Ich hatte Manfred noch nach seiner Email-Adresse gefragt und werde mal versuchen Kontakt zu ihm aufzunehmen. Vielleicht verrät er mir ja, wie die Sache tatsächlich ausging.


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