
Den Konzern drücken noch Schulden von fast zwölf Milliarden Euro, elf Milliarden davon sind Kredite, wovon fünf Milliarden auf die Holding und damit auf Maria Elisabeth und Georg Schaeffler sowie sechs Milliarden auf die Schaeffler GmbH entfallen, in der das operative Geschäft und die Conti-Beteiligung enthalten sind. Zur Holding dürfe er wegen der Absprache mit den Banken so gut wie nichts sagen, erläuterte Finanzgeschäftsführer Klaus Rosenfeld. Er deutete jedoch an, dass die Zinsen für die Holdingkredite nicht bezahlt würden, sondern sich sammeln, was letztlich zur Erhöhung der Schulden führt. Darüber hinaus plagen auch Continental nach dem Kauf der Siemens-Autoelektroniksparte VDO 2007 noch Nettoschulden von etwa acht Milliarden Euro.
In der Schaeffler GmbH habe der Schuldenabbau Priorität, sagte Rosenfeld. Trotzdem sei erforderlich, eine gute Balance zwischen Investitionsbedarf und Schuldenreduzierung zu finden, schließlich wolle der Konzern weiter wachsen. Im erstmals veröffentlichten detaillierten Zwischenbericht weist der Konzern zum Halbjahr einen Schuldenstand von 5,93 Milliarden Euro aus. Dies bedeutet eine Reduzierung von 201 Millionen Euro. Er räumte ein, dass der Verschuldungsgrad von 3,5 nicht zufriedenstellend sei, ein Wert unter drei sei "eine vernünftige Quote". Rosenfeld betonte, der Konzern sei gut finanziert. Die Kredite hätten eine Laufzeit von vier Jahren. Trotzdem werde versucht, über das operative Geschäft die Verschuldung sukzessive zu reduzieren.
Beim Umsatz hat der Zulieferer fast wieder das Niveau von 2008 erreicht
Der Aufschwung kommt dabei dem Unternehmen wie gerufen. Der Umsatz wuchs im ersten Halbjahr nahezu zu einem Drittel auf 4,56 Milliarden Euro und erreichte schon fast wieder das Niveau von 2008. Die Gewinnentwicklung verlief noch besser. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um 631 auf 739 Millionen Euro und liegt damit deutlich über dem 2008er-Wert. Mit der Umsatzrendite von 16 Prozent übertrifft Schaeffler langjährige Bestwerte. "Die Krise ist überwunden. Schaeffler hat zu alter operativer Stärke zurückgefunden", fasste Rosenfeld zusammen.
Besonders stark entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 45 Prozent das Automotivgeschäft. Trotz des starken Wachstums sei hier der Höhepunkt noch nicht erreicht. China werde - etwas langsamer - weiter wachsen, für Europa gebe es Nachholbedarf. Im Industriegeschäft (Windkraft, Luftverkehr) erzielte der Konzern ein Umsatzplus von fünf Prozent. Geißinger zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Sparte gut entwickeln werde. "Die Auftragseingänge sind enorm hoch", erläuterte er. Unter anderem wegen der hohen Zinsbelastungen verbucht der Konzern jedoch einen Nettoverlust von 260 (2009: 625) Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr kündigte Geißinger einen Umsatz von "deutlich über acht Milliarden Euro" und eine Ebit-Marge von über zehn Prozent an. "Wir wollen bei der Prognose konservativ bleiben, sind aber sicher, dass wir die Werte erreichen." Die Jahresentwicklung lege nahe, sogar zu sagen, die Rekordwerte aus dem Jahr 2007 würden erreicht, "doch dazu sind wir zu vorsichtig".
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