Zollernalbkreis/Rottweil Die Zukunft gehört der "Onleihe"
Martin Kistner, 09.05.2012 03:00 Uhr
Acht Städte aus drei Landkreisen hoben gestern den digitalen Medienverbund "SchwAlbe" aus der Taufe. Auf dem Bild unterzeichnet Albstadt Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow den Kooperationsvertrag. Die Kollegen aus den anderen Gemeinden, darunter die Hechinger Bürgermeisterin Dorothea Bachmann und Schrambergs OB Thomas Herzog, schauen zu. Foto: Kistner
Albstadt - Die Stadtbüchereien von Albstadt, Balingen, Hechingen, Rottweil, Schramberg, Oberndorf/Neckar, Trossingen und Sigmaringen haben einen Verbund für digitale Medienausleihe ins Leben gerufen. Der Vertrag wurde am Dienstag in Albstadt unterzeichnet; am 3. Juli geht es los.
"Schwarzwald-Alb-Donau-e-Ausleihe-Verbund" – diesem Wortmonster war nur mit sprachlicher Kreativität beizukommen: "SchwAlbe" haben die acht kommunalen Büchereien ihr Kooperationsprojekt getauft, und da an seiner Entstehung vor allem Damen, nämlich Büchereileiterinnen beteiligt waren, kann man ausschließen, dass die Fußball-EM als Inspiration eine Rolle gespielt hat. Albstadts Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow konnte sich den Hinweis auf gewisse (un)sportliche Praktiken in seiner Begrüßungsansprache allerdings nicht verkneifen – der König Fußball regiert halt die Welt.
Medien sind mit digitalem "Zeitstempel" versehen
Wie funktioniert die "Onleihe"? Außer einem PC, Tablet Computer, Smartphone, E-Reader oder MP3-Player bedarf es eines gültigen Bibliotheksausweises von einer acht genannten Bibliotheken. Hat man den, dann kann man verschiedenste digitale Medien – Bücher im PDF- oder EPUB-Format, Hörbücher, E-Paper, E-Magazine – aus dem Internet herunterladen und für die Dauer von zwei Wochen konsumieren. Länger nicht – jedes Medium ist mit einem "Zeitstempel" versehen und kann, sobald die 14 Tage um sind, nicht mehr geöffnet werden. Theoretisch zumindest – ob die Stempel dem beschlagenen User übergroße Schwierigkeiten bereiten, mag dahingestellt bleiben. Aber das Problem ist ja, wie Hechingens Bürgermeisterin Dorothea Bachmann feststellte, nicht wirklich neu: Herkömmliche Bücher werden seit eh und je raubkopiert.
Es gibt gute Gründe für die Kooperation der Kommunen: Die Digitalisierung der Welt schreitet unaufhaltsam voran; von den zwei Dutzend liebsten Tätigkeiten der Jugend ist die Hälfte medialer Natur – die "SchwAlbe"-Aktivistinnen hoffen, die Jungen per "Onleihe" wenigstens ein Stück weit an die Literatur heranführen zu können. Wie ist es um den Jugendschutz bestellt? Bestens: Vor dem Download wird an der Schnittstelle das im Leihausweis vermerkte Alter des Bestellers geprüft – ist er zu jung, bekommt er einen digitalen Korb.
Der größte Vorteil des Zusammenschlusses ist der Umfang des Angebots: 2500 Medien stehen den acht Büchereien zur Verfügung, bei Lizenzkosten von 15 Euro pro Medium betragen die Kosten zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Hinzu kommen Implementierung und Internetbetrieb. Übrigens ist der Kreis der Kommunen kein geschlossener Zirkel; wer mitmachen möchte, ist willkommen – Villingen-Schwenningen hat dem Vernehmen nach auch schon Interesse bekundet.
Ohnehin ist die "SchWalbe" nicht der einzige Piepmatz im digitalen Äther: Im Kreis Ludwigsburg wird die "Onleihe" ebenfalls praktiziert, und Tübingen und Reutlingen haben sich auch schon zum Verbund zusammengeschlossen. Wäre das nicht auch eine Option für Hechingen, Albstadt oder Balingen gewesen? Jürgen Gneveckow verneint die Frage: Die Partnerfirma hat eine Obergrenze festgelegt: Mehr als 500.000 Einwohner sollte eine Verbundregion nicht haben.


