Zollernalbkreis Hoffmeister-Kraut wird einiges zugetraut

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In Gesprächen mit hiesigen CDU-Mitgliedern wird deutlich, dass viele der frisch in den Landtag gewählten Hoffmeister-Kraut einiges zutrauen. Foto: Maier

Zollernalbkreis - Eine Gemeinderatssitzung ist üblicherweise nichts, was man als Stadtrat ohne guten Grund sausen lässt. Nicole Hoffmeister-Kraut, die für die CDU dem Balinger Gremium angehört, hatte am Dienstag tatsächlich Wichtigeres zu tun. Die 43-Jährige brütete in Stuttgart bis zum späten Nachmittag zusammen mit den Kollegen der CDU-Landtagsfraktion über der Frage, ob die Partei auf Landesebene ein Koalition mit den Grünen eingehen soll. Ergebnis: ja. Kommt mit diesem Bündnis möglicherweise auch auf die Abgeordnete des Wahlkreises Balingen, der große Teile des Zollernalbkreises umfasst, eine höhere Aufgabe zu?

In Gesprächen mit hiesigen CDU-Mitgliedern wird deutlich, dass viele der frisch in den Landtag gewählten Hoffmeister-Kraut einiges zutrauen. Oft wird gesagt, einer ihrer Vorzüge sei gerade, dass sie neu dabei sei und noch keinen "Stallgeruch" verströme. Zudem wird oft ihre "starke Persönlichkeit" hervorgehoben. Und, ganz klar: Sie ist eine Frau. Der neuen, 42-köpfigen CDU-Fraktion gehören nur sieben weibliche Abgeordnete an.

"Es geht jetzt um Sachthemen und Inhalte – nicht um Personen"

Nicole Hoffmeister-Kraut will solche Spekulationen nicht kommentieren. Sie wolle als Neuling in Stuttgart Erfahrungen sammeln, sagte sie am Mittwoch unserer Zeitung. Keinesfalls wolle sie etwas überstürzen: "Wenn ich etwas mache, dann will ich das gut und richtig tun."

Überhaupt gehe es in den Sondierungsgesprächen zwischen der CDU und den Grünen zunächst um Sachthemen und Inhalte. Über Personalfragen werde erst zum Schluss geredet.

Bei seinem Wahlkampfauftritt in Frommern hatte der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl, der gemeinsam mit dem unterlegenen Spitzenkandidaten Guido Wolf und den "Bezirksfürsten" die Sondierungsgespräche führt, Nicole Hoffmeister-Kraut als "Rakete auf dem Startplatz" bezeichnet. Voraussetzung dafür, dass sie in Stuttgart richtig abhebe, sei, so Strobl, dass sie das beste Ergebnis aller Kandidatinnen in Baden-Württemberg erreiche. Genau das hat die Balingerin geschafft – auch wenn sie das Direktmandat im Wahlkreis Balingen nur hauchdünn mit etwas mehr als 300 Stimmen Vorsprung vor dem Grünen Erwin Feucht verteidigt hat.

Nicole Hoffmeister-Kraut ist eine von nur drei CDU-Frauen, die in Baden-Württemberg ein Direktmandat geholt haben – mit 29,4 Prozent der Wählerstimmen. Ebenfalls direkt in den Landtag gewählt sind Nicole Razavi (28,2 Prozent, Wahlkreis Geislingen/Steige) und Friedlinde Gurr-Hirsch (26,6 Prozent, Eppingen). Zweitmandate für die CDU schafften Christine Neumann (28,8 Prozent, Ettlingen), Marion Gentges (28 Prozent, Lahr), Sabine Kurtz (27,5 Prozent) und Sylvia Felder (25,6 Prozent, Rastatt).

Nur drei dieser Frauen haben Landtagserfahrung: Gurr-Hirsch gehört dem Parlament in Stuttgart seit 2001 an, Razavi und Kurtz jeweils seit 2006. Ein führender CDU-Mann im Kreis bezeichnet den Großteil dieser Abgeordneten als "zweitklassig".

Die Chancen, dass mehr als eine dieser Frauen höhere Aufgaben im Parlament, vielleicht sogar innerhalb der künftigen, wohl grün-schwarzen Landesregierung übernimmt, stehen gut. Dass mehr Frauen verantwortliche Positionen übernehmen sollen, hatten Spitzenkandidat Wolf und Landeschef Strobl im Wahlkampf regelmäßig betont. Strobl hatte die Aktion "Frauen im Fokus" ins Leben gerufen, Wolf wiederum vor der Wahl gesagt, dass im Fall einer künftigen Regierungsbeteiligung der CDU etwa die Hälfte der Kabinettsposten mit Frauen besetzt werden solle. Dass Frauen bei der Besetzung der Führungspositionen in der Landesverwaltung noch immer unterrepräsentiert seien, bezeichnete Wolf als "Missstand", den er "kontinuierlich abstellen" wolle.

Zugute kommen könnte Nicole Hoffmeister-Kraut auch der Regionalproporz, der bei der Verteilung von Posten eine nicht unterschätzende Rolle spielt. Die Chef der vier Bezirksverbände sitzen bei den Sondierungsprächen mit am Tisch, darunter Thomas Bareiß, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Zollernalb-Sigmaringen und Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Württemberg-Hohenzollern. Sieben Mandate hat die CDU in diesem Bezirk, der elf Wahlkreise umfasst, bei den Landtagswahlen errungen. Fünf Abgeordnete wurden direkt gewählt, darunter auch Karl-Wilhelm Röhm aus dem Nachbarwahlkreis Hechingen-Münsingen. Die einzige weibliche Kandidatin, die es im Bezirk in den Landtag geschafft hat, ist Nicole Hoffmeister-Kraut.

Mehr als "nur Frau": Parteifreunde heben Kompetenzen hervor

Für ihre Chancen auf eine verantwortungsvolle Position spricht indes nicht nur der Umstand, dass sie eine Frau ist. Viele CDU-Leute im Zollernalbkreis heben ihre Kompetenzen hervor: Nicole Hoffmeister-Kraut ist als Tochter der Balinger Unternehmerfamilie Kraut (Bizerba) von Haus aus und zudem als Kauffrau wirtschaftsaffin. Mehrere Jahre hat sie, bevor sie in die Heimat zurückkehrte, in London als Analystin für ein international tätiges Beratungsunternehmen gearbeitet. Sie ist Gesellschafterin von Bizerba und Mitglied des Aufsichtsrats des Unternehmens. Als Mutter von drei Töchtern ist Nicole Hoffmeister-Kraut zudem mittendrin in bildungspolitischen Themen; sie erlebe, sagte sie einmal, Bildungspolitik "jeden Tag beim Mittagessen".

Mitglied der CDU ist die 43-Jährige noch nicht lange, seit 2009. In dieser Zeit hat sie auf kommunaler Ebene aber schon eindrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Bei den Kommunalwahlen in Balingen 2014 war sie Stimmenkönigin. Ob diese vergleichsweise kurze politische Erfahrung für mehr reicht? Ein CDU-Mann sagte dieser Tage, Nicole Hoffmeister-Kraut sei in Stuttgart neu dabei, sie solle sich im Landtag nun erst einmal "in aller Ruhe einfinden" und nichts überstürzen. Derselbe hatte im vergangenen Jahr gesagt, dass die Kandidatur für die Landtagswahl möglicherweise zu früh komme.

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