Von Thomas HauschelErstmals gastiert die TSG Balingen am morgigen Samstag im Hohentwiel-Stadion beim Aufsteiger FC Singen 04. Für einen Spieler auf Seiten der Gastgeber, die mit sechs Zähler am Ende der Oberligatabelle stehen, hat die Partie eine ganz besondere Bedeutung: Wolfgang Narr. Der gebürtige Tieringer, der mehrere Jahre für den SC Pfullendorf im Nachwuchs und im Regionalligateam spielte, wechselte vor der 2011/12 aus dem Linzgau an den Fuß des Hohentwiels und schaffte mit Singen die Meisterschaft in der Verbandsliga Südbaden und den Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg.

"Natürlich ist das kein normales Spiel für mich, da ich ja viele der Balinger Spieler kenne und auch mit einigen befreundet bin. Aber am Samstag werden die Freundschaften für 90 Minuten ruhen, denn wir müssen unbedingt gewinnen", weiß der 24-Jährige, der sich wie auch seine Teamkollegen im Kampf um den Klassenerhalt noch längst nicht aufgegeben hat. "Wir wollen auf alle Fälle in der Oberliga bleiben und alles dafür tun. Schließlich sind noch viele Spiele zu absolvieren und wenn wir unsere Leistung abrufen, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance."

Narr und seine Teamkollegen erlebten bisher eine Saison mit nur wenigen Höhen und vielen Tiefen. Der Neuling startete mit fünf Niederlagen unde nur einem Unentschieden in die Saison; die Verantwortlichen zogen darauf hin die Reißleine und entließen den langjährigen Trainer Slobodan Maglov, für ihn hat nun Daniel Wieser das Sagen. Doch es folgten weitere Niederlagen, ehe den 04-er mit einem 1:1 gegen Mitaufsteiger TSV Grunbach und dem ersten Saisonsieg beim TSV Spielberg (3:2) ein kleines Zwischenhoch gelang. Aber danach setzte es zum Teil wieder bittere Pleiten wie das 0:5 gegen den SSV Reutlingen. "Da haben wir früh eine Rote Karte kassiert, und nach dem 0:1 sind dann bei allen Spielern die Köpfe runter", erinnert sich der Student, der weiß, "dass wir viele Spiele liegen lassen haben, da es uns an Erfahrung und Cleverness gefehlt hat."

Doch so nach und nach scheinen sich die Singener an die raue Oberliga-Luft gewöhnt zu haben. Am vergangenen Wochenende holte der FC ein 1:1-Unentschieden bei der Reserve des Drittligisten Karlsruher SC. "Da wäre sogar noch mehr drin gewesen. Wir sind 1:0 in Führung gegangen und hatten danach gute Chancen Tore nachzulegen. Zehn Minuten vor Ende ist Karlsruhe noch der Ausgleich geglückt", sagt der Abwehrspieler.

Nun soll eben mit dem zweiten Saisonsieg gegen die seit sechs Spielen sieglose TSG Balingen das Startsignal zur Aufholjagd in Sachen Klassenerhalt gegeben werden. "Wir sind gegen Balingen zwar nicht der Favorit, aber ich bin mir sicher, dass wir angesichts des Heimvorteil und der Tatsache, dass wir auf Kunstrasen spielen unsere Chancen bekommen werden. Spielerisch ist es zuletzt aufwärts gegangen, und wenn es uns gelingt hinten sicher zu stehen und einen frühen Gegentreffer zu vermeiden, bin ich zuversichtlich, dass wir mit spielerischen Mitteln gegen die TSG etwas holen können. Dafür müssen wir aber unsere Leistungsgrenze gehen", sagt Narr, der diese Woche noch nicht trainieren konnte, nach dem er in Karlsruhe einen Schlag auf den Fuß erhalten und sich ein Zeh entzündet hatte. "Aber egal ob mit Schmerztabletten oder Spritze, gegen Balingen will ich auf alle Fällen auflaufen und möglichst gewinnen." Und nach dem Schlusspfiff kann der Tieringer dann auch wieder seine Freundschaften zu den Balinger Spielern pflegen.....