
Zimmern u. d. B. - Auf großes Interesse ist gestern Abend die Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Zimmern gestoßen. Rund 120 Bürger kamen in die Festhalle, wo sich die beiden Kandidaten Elmar Koch und Manfred Riedlinger präsentierten.Der stellvertretende Bürgermeister Heinz Scheible moderierte die Veranstaltung, zu der auch Bürgermeister aus einigen Schlichemtal-Gemeinden gekommen waren – unter ihnen Monique Adrian aus Dotternhausen, die sich in diesem Jahr ebenfalls noch den Wählern stellen muss.
Amtsinhaber Elmar Koch, 54, trat als Erster ans Mikrofon. Er erinnerte an viele Projekte, die während seiner 16-jährigen Amtszeit verwirklicht wurden. Hochwasserschutz und die schwierige Ausweisung von neuem Bauland waren zwei der Stichworte. Das größte Projekt sei die Sanierung und Erweiterung der Festhalle für 995 000 Euro gewesen. Aber auch die Erweiterung des Kindergartens und der Umzug der Feuerwehr ins neue Gerätehaus sprach er an. Koch präsentierte sich als Bürgermeister, der sich mit der Gemeinde identifiziere und über die nötige Fachkompetenz verfüge, Zimmern unter der Burg weiter zu entwickeln, wozu weitere Hochwasserschutzmaßnahmen und die Ausweisung von neuem Bauland gehörten.
Sein Fazit: "Zimmern verfügt über eine gute Infrastruktur." Gleichwohl gebe es noch vieles zu tun: das Schuppengebiet, die Resterschließung Seltern und der Radweg nach Schömberg seien nur einige Themen. Er wolle als Bürgermeister auch weiterhin neue Ideen entwickeln und Vereine und Bürger einbeziehen.
In der Fragerunde wurde bemängelt, dass in Zimmern bisher mehr verwaltet als gestaltet worden sei, etwa in Hinblick auf die Landflucht. Natürlich sei es "schlecht", wenn junge Menschen wegziehen würden, sagte Koch. Zimmern biete aber Bauland und ein reges Vereinsleben. Auch werde er sich für eine bessere Busverbindung für Schüler nach Rottweil einsetzen. Weitere Fragen betrafen das Schuppengebiet, dessen Planung bald abgeschlossen sei, sowie den Radweg, der eventuell 2014 oder 2015 verwirklicht werde.
Der 52-jährige Manfred Riedlinger, selbstständiger Bauingenieur aus Schömberg, nannte unter anderem den Bau des Radwegs nach Schömberg, den Hochwasserschutz und die Attraktivitätssteigerung der Gemeinde für junge Familien als wichtige Aufgaben für die Zukunft. Zudem gelte es, weitere Arbeitsplätze in der Gemeinde zu schaffen. Er habe sich von Beginn an gegen das geplante Großgefängnis bei Rottweil eingesetzt. Er forderte die Zimmerner auf, "Mut zur Veränderung" zu beweisen: "Ich bin die personelle Alternative." Er werde als Schultes die Anliegen und Wünsche der Bürger ernst nehmen und versuchen, diese zeitnah umzusetzen. Allerdings mache er keine Versprechungen. Die anstehenden Aufgaben werde er jedoch besonnen und entscheidungsfreudig angehen. "Gegen das 11-Uhr-Loch hilft Schokolade", sagte der bekennende Katholik, dessen Familie sich "aus dem Wahlkampf ganz raushalten will".
Auch Riedlinger wurde gefragt, wie er den Wegzug junger Familien aus Zimmern verhindern wolle. "Dafür gibt es kein Patentrezept", meinte er und betonte, dass er als Schultes "Geld lieber investieren als horten will". In Sachen Radweg sprach er sich für eine pragmatische Lösung aus, progagierte die Nutzung regenerativer Energien und meinte, er sei, wenn es sein müsse, als Bürgermeister auch am Wochenende erreichbar. "Das sind ungelegte Eier, darüber brüte ich nicht", beantwortete er die Frage nach einer zweiten Amtszeit. Zum Schluss hatten die Kandidaten noch Gelegenheit, auf ihr weiteres Wahlkampfprogramm hinzuweisen.
Jochen Hermann aus Wellendingen hatte vorgeschlagen, seine Videobotschaft "bei der Kandidatenvorstellung über das Mikrofon abzuspielen". Dies geschah nicht. Immerhin wurde sein Video bis gestern Abend 160-mal aufgerufen. Sein Fehlen bei der Kandidatenvorstellung nahmen die Zimmerner jedoch überwiegend negativ auf.