Stuttgart - Der Wirtschaftsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats hat sich am Freitag mit dem von unserer Zeitung aufgedeckten Bauskandal im Neubaugebiet Hohlgrabenäcker in Zazenhausen beschäftigt. Dabei bleiben die Türen für die Öffentlichkeit allerdings geschlossen.

Die Stadträte billigten dem Vernehmen nach unisono einen Vorschlag der Verwaltung. Dieser kommt den vom Teilabriss ihrer Rohbauten bedrohten Eigentümern ein Stück entgegen – wenn denn die jeweils angrenzenden Nachbarn mitmachen.

In dem Gebiet sind sieben Häuser höher als erlaubt, zwölf Doppelhaushälften ragen um 80 Zentimeter über die Baugrenze. Die Stadt, die weitere Arbeiten untersagt hat, könnte den Rückbau anordnen. Das wolle man zunächst nicht tun, sagt Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) auf Anfrage. Die Bauherren hätten der Firma PP Bauconsulting GmbH vertraut, die beim Baurechtsamt eine Gebäudelänge von elf Metern angegeben, aber 11,80 Meter gebaut habe. Dennoch seien die Bauherren in der Haftung.

Ehepaar fühlt sich von der Stadt bestraft

Der Kompromiss sieht vor, dass das um 80 Zentimeter zu lange Untergeschoss bleibt, wenn der darauf aufliegende und bis zu einen Meter auskragende Balkon abgebaut wird. „Das Wohngebiet ist eng, der Balkon bedrängt die Nachbarn“, so Hahn. Jeder Bauherr muss nun selbst die Zustimmung des Nachbarn für diese Lösung einholen. Wo das nicht geschieht, droht der Rückbau.

Bei zwei Doppelhaushälften will die Stadt jedoch hart bleiben. Diese Eigentümer müssten die 0,80 Meter im Untergeschoss demnach abreißen lassen. Begründung der Stadt: Weil die beiden Rohbauten nicht so weit gediehen sind wie die übrigen Häuser – bei einer Doppelhaushälfte liegt sogar erst die Bodenplatte – ,sei der Rückbau zumutbar. „Dafür gibt es keine Begründung“, klagt der Bauherr, dessen Haus bereits im Rohbau steht. Das Ehepaar fühlt sich von der Stadt bestraft, weil es sich verbal für alle betroffenen Bauherren starkgemacht hat.

Bürgerverein will über die dubiosen Geschäfte der Projektfirma aufklären

„So, wie die Dinge liegen, werden wir der Entscheidung der Stadt nicht zustimmen“, sagt der Bauherr. Weil die Nachbarn zustimmen müssen, könnte der vom Rückbau bedrohte Bauherr die Lösung des Konflikts erschweren oder unter Umständen sogar unmöglich machen.

Für die sieben um 40 bis 74 Zentimeter zu hohen Häuser will die Stadt eine Befreiung aussprechen. Für die bis zu 1,50 Meter auf den Flachdächern aufragenden Solaranlagen, die den Bauherren eine Zinsverbilligung bringen, soll eine Lösung gefunden werden, die die Nachbarschaft tolerieren kann. Die Lage der Module müsse optimiert werden, sagt Hahn. Insgesamt sei auch beim Thema Höhe das Einverständnis der Angrenzer gefragt, so der Bürgermeister.

Die Probleme im Neubaugebiet treiben auch Reinhold Weible um. Der Vorsitzende des Bürgervereins Zazenhausen will sich dafür einsetzen, dass „die betroffenen Bauherren an einen Tisch“ kommen und zu einer gemeinsamen Position finden. „Wir sind als Bürgerverein bereit, dafür einen Rahmen zu bieten“, sagt Weible am Freitag. Der Bürgerverein wolle auch über die dubiosen Geschäfte der Projektfirma aufklären, die für die Nichteinhaltung des Bebauungsplans verantwortlich war und die Bauherren mutmaßlich betrogen hat. „Wir wollen verhindern, dass die Firma erneut Bauherren schädigt“, sagt Weible.