Horb - Einmal eine Goldmedaille berühren. Einen Olympiasieger füttern. Und einen echten Erfolgsreiter treffen. Diesen Wunsch erfüllte der Schwarzwälder Bote gemeinsam mit der Kreissparkasse Freudenstadt acht Kindern. Pünktlich um 15 Uhr warten sie gespannt im Reiterhof Jung im Horber Teilort Altheim.

Joachim Jung lotst geduldig die letzten Eltern hin zum Reiterhof, während Sandro, Lisa-Marie und Simone in ihren Reitstiefeln schon ungeduldig an der Reithalle stehen. In der ungewohnten Umgebung sind sie noch schüchtern. Plötzlich taucht Polly auf – ein kleiner, weiß-braun gescheckter Hund. Los geht das Streicheln, und man hört schon das erste Kinderlachen.

Fotostrecke3 Fotos

Dann kommt Doppel-Olympiasieger Michael Jung in den Stall. Er begrüßt die Kinder, dann geht es nach draußen zu den Riesen-Baumstämmen mit den Olympia-Ringen – das erste Gruppenfoto. Die kleine Lisa-Marie holt ein Schoko-Pferd aus der Tasche ihrer Mutter, schenkt es dem strahlenden Michael Jung. Und sagt: "Du, ich habe auch Karotten und Äpfel für Sam dabei." Jung: "Na, dann gehen wir ihn mal füttern." Er öffnet die Stalltür, und eine Traube von Kindern bildet sich rund um das Pferd. Schüchtern wird versucht, das Goldpferd zu streicheln.

Doch Sam stupft immer wieder mit seiner Nase. Lisa-Marie, Sandro, Anja, Dana, Janina und Lara verstehen. Sie halten dem Pferd immer wieder Karotten hin. Sogar einen Apfel frisst Sam der kleinen Lisa-Marie aus der Hand.

"Bösartige Pferde gibt es nicht mehr"

Witzig: Der kleine Hund Polly wuselt zwischen den kleinen Kinderbeinen umher und schnappt sich die Karotten-Stückchen, die Sam fallen lässt. Sandros Mutter sagt: "Sam ist so geduldig und lieb. Unser Pferd ist viel unruhiger." Joachim Jung erklärt: "Bösartige Pferde gibt es nicht mehr. Das ist heutzutage alles rausgezüchtet. Allerdings ist Sam darauf trainiert, auch Blitzlichter und viele Menschen ruhig zu ertragen." Dann hebt er die Stimme und fügt hinzu: "Das ist eine ganz große Ausnahme, dass Ihr Sam heute füttern dürft. Normalerweise gibt es sowas bei uns im Stall nicht. Sonst werden die anderen Pferde eifersüchtig und unruhig.". Die Kinder scheinen das zu spüren. Immer wieder schnappen sie von ihren Eltern noch eine Karotte, um sie Sam zu servieren. Michael Jung betrachtet lächelnd die Szene: "Es ist schön zu beobachten, wie sich Kinder für Pferde begeistern. Ich hoffe, dass solche Aktionen dazu beitragen, dem Reitsport einen weiteren Boom zu bringen."

Michael muss jetzt in der Halle trainieren. Und Vater Joachim Jung zeigt, wie die Pferde fitgehalten werden: Auf dem Laufband. Die Kinder sind aufgetaut. Sandro fragt: "Darf ich da auch mal drauf laufen?" Jung setzt ein Kind auf die Mauer – es hält die Lichtschranke zu, damit Sandro laufen darf. Er lacht. Dann sind Dana und Lisa-Marie dran, ehe das nächste Pferd zum täglichen Konditionstraining kommt.

Für die Kinder geht es jetzt ins Heiligste: Das Reiterstüble. Staunend betrachten sie die Pokale, Medaillen und Fotos, die sogar an der Decke hängen. Sandro bemerkt cool: "Da passt nichts mehr hin." Alicia zeigt auf das Foto von Michael Jung mit der Goldmedaille an der Wand: "Das ist von London die Medaille. Kriegt das Pferd auch eine?" Joachim Jung: "Nein, nur eine Schleife." Simone will wissen: "Und wie kriegt man die ans Pferd?" Jung holt eine Trense und steckt sie an.

Dann holt er die originale Goldmedaille. Sie ist schwer. Ehrfürchtig wird das Stück Edelmetall von den Kindern bestaunt. Dann stellt der stolze Vater noch ein goldenes Hufeisen auf den Tisch: "Wir haben die des Weltmeister-Pferdes vergolden lassen." Ehrfürchtig bestaunen die Kinder die Trophäe. Es ist ruhig im Reiterstüble.

Leben kommt erst wieder auf, als Joachim Jung fragt: "Hände hoch, wer von Euch einen Kalender mit Michael Jung haben will." Erst herrscht schüchterne Ruhe, dann heben sich immer mehr Hände. Jung lächelt: "Meine Frau dachte, ihr seid dafür zu klein."

Sichtlich beeindruckt bewundern die Kids die Kalender. Und bevor sie noch einmal Michael Jung in der Reithalle sehen, gibt es schon eine erste Verabschiedung durch Joachim Jung: "Vielleicht könnt ihr später, wenn ihr größer seid, bei uns auf dem Hof reiten. Oder bei einem Turnier gegen Michael. Dann müsst ihr aber fleißig üben und gut werden."

Sandro hebt die Stimme: "Mein Vater ist damit aber bestimmt nicht einverstanden. Er mag keinen Pferdegeruch..."

Dann ist das Wünsch-Dir- Was auf dem Reiterhof der Jungs in Altheim zu Ende. Mit leuchtenden Augen und dem Kalender unter dem Arm werden die acht Kinder nach Hause gefahren.