Wolfach "Weltrekord in drei Tag" für Narrenvater

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Foto: Möller

Wolfach - Missgeschicke und Kurioses haben die Wolfacher Schnurrgruppen am Sonntag in acht Lokalen aufs Korn genommen. Ein Streifzug durch die Strophen, die närrische Barden im "Adler" und in der himmlisch dekorierten "Krone" zum Besten gaben.

Nichtsahnend treibt ein Schäfer seine Herde den Kinzigdamm bei Haslach entlang, während der Himmel am Sonntag nur zu weinen scheint. Nur weinen? Nein, denn über Schäfer wie himmlische Fügungen lässt sich’s beim Schnurren in Wolfach auch herzlich Lachen. Und weil es heuer nur sieben Gruppen, aber acht Lokale gibt, kommt es an jedem Schnurrort zu einem "Loch". Dieses kam unter anderem zustande, weil auch die "Abstinenzler" um den Narrenvater nicht mehr antraten. Doch Hubert "Vitus" Kessler ist natürlich im Publikum – diesmal zunächst im "Adler".

Fische, Schafe im "Adler"

"Combo, Combo Communale, heut den wir hier schnurre vor euch viele Litt", kündigt sich zur "Fiesta Mexicana"-Melodie die gleichnamige Gruppe an. In fischigem Kostüm und mit flutschenden Reimen lassen sie den kommunalen Haushalt für die Menschen alt aussehen gegen die millionenschwere Ausgleichsmaßnahme der Deutschen Bahn für die Wiederansiedlung des Lachses in der Kinzig: "Fünf kleine Fische", die schwammen vom Meer, schnell vorbei an Huse zum "Balzritual im Wolfacher "Wasserwunderland".

Doch "schwab, schwab, schwabiduuu", die Schnurranten lassen einen Fisch nach dem anderen das Zeitliche segnen – "nur Fritz erreicht am End das Ziel." Doch laut der "Combo Communale" will der dann nichts vom Bahn-gewollten Balzritual wissen: "Vergiss die Mädels! Ich bin schwul!"

Ihrem Namen "Lückenfüller" macht die nächste Schnurrgruppe gar keine Ehre, die in ihrem 25. Jahr bestens drauf ist und selbst vor dem Flüchtlingsthema keinen Halt macht: "Und ein solcher Asylant, isch zwischenzeitlich wohl bekannt, er kam zu uns, ganz ohne Schlepper, Bürgermeister Thomas Geppert."

Doch auch Abwanderung hat sie in "Wolfe" zu beklagen: Kordula Kovac empfehlen sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Stadtrat, als "Schwarzwald-Angi" mit der Kompetenz der "Kirsch-Essig-Blüte" Bundespolitik zu machen –­ "die Sesselgröße ist identisch; Hos und Sakko passt gespenstisch." Doch eine Abwanderung trifft die Barden "mitten ins Herz": "Die katholische Instanz ohne Moral, Benno Allmächtig war einmal." Das Publikum im "Adler" johlt nun mit den Schnurranten über Pfarrer Gerstners Abgang 2015: "Er hebt ab, nichts hält ihn am Boden..."

Warum diese Schnurrgruppe jedoch im Schafspelz, mit Jäger-Wams und der roten Raute des Schwarzwaldvereins daher kommt, findet seine Erleuchtung in den Versuchen von "Jäger Sum und Schäfer Franz", die eine vor den Mittwochswanderern geflüchtete Schafherde wieder einfangen müssen. Trotz Guantanamo-Gatter, zwei Tonnen Äpfeln und vielem mehr ist das Werk nach fünf Tagen Ärger und Stress noch nicht vollbracht. Bis Schäfer Franz die zündende Idee hat: "Komm hol das Lasso raus!" So fangen sie die Herde, also sechs Schafe.

Des Narrenvaters "Krone"

Der "Adler" taucht nun ab in die "Loch"-Pause und draußen weint der Himmel immer noch, als es auf des Narrenvaters Fersen die Hauptstraße hoch zur himmlisch geschmückten "Krone" geht. Dort wird unverhofft und unverblümt Hubert "Vitus" Kessler von den "Mauerblümle" geschnurrt. Doch bevor die beiden spitzzüngigen Damen benissimo die "Vacanze Maledetto" des Wolfacher Narrenchefs und seiner Frau persiflieren, bekommen noch Ex-Bürgermeister Gottfried Moser mit seinem Bahnhofs-Denkmal und "Neumitglied der Fraktion Nicole O., Frisörsalon" ihr Fett ab – "mit dere Gosch un dem Geschnadder, ersetzt die zwei Mal ihren Vadder".

Hauptschnurre der "Mauerblümle" ist jedoch der Urlaub der Kesslers: Während er nicht gern weit weg von "Wolfe" weilt, plant seine Frau: "Mir beide un a Wohnmobil!" So kommt es, wie es kommen muss, Publikum und "Vitus" biegen sich vor Lachen unter den Reimen auf die Irrungen und Wirrungen seiner Urlaubsreise –­ bis zum bittersüßen Ende für "Deutschlands schnellsten Narrenvater". Als "Reisebüro Mauerblümle" bieten die Damen bei der nächste Urlaubsplanung ihre Hilfe an, um über ihn nicht wieder zu sagen: "Weltrekord, s’isch gar kei Frag, zwei Woche Urlaub in drei Tag."

Jägerlatein und Kruzifix

Zurück auf den Fersen des Narrenvaters und wieder im "Adler" fallen die beiden "Pflasterfeger" mit Hansel, Mehlwürmern und Musikanten ein und schnurren prompt den dort anwesenden Peter Salzer, seine Liebe zum Pils und die verbaselten Bestellungen, die sich in 80 übrigen Pärchen Bratwürsten manifestieren. Zum Lied "Heute gibt’s a Rehragout, Rehragout, Rehragout", erzählen sie die Geschichte, wie des Salzers Jagderfolg in Form von Fleisch – in einer Pilspause des stolzen Waidmanns – mutmaßlich einem gefräßigen Tier zum Opfer fällt. Und sie schließen mit dem Brand seines Komposts, der einen Großeinsatz diverser Feuerwehren auslöst und laut den Schnurranten den Traum des langjährigen Kameraden erfüllt: eine Schlussprob’ vor der Haustür.

"Perludio, nur schnurret und seid froh", verkündet dann die "Segerei". Mit Kruzifix kommen sie als ein Franziskaner, drei Nonnen und eine Novizin in kurzem Rock und mit Akkordeon daher. Berühmt für ihre Requisiten, bringt die Schnurrgruppe Kirchbank und eine Prozessionsfahne mit. Diese zeigt ein Bildnis des Hauer Franzes, seines Zeichens Wolfacher, aktiv im katholischen Kirchenchor, in der Kolpingfamilie und der Geschnurrte der "Sägerei". Hauer hat als "Stellvertreter Adolf Kolpings" beim Gemeindenachmittag in Gengenbach Kuchen und Torten genießen wollen –­ "aber bitte christlich mit Sahne". Doch die Ausfahrt entwickelte sich zu einem Spießrutenlauf durchs Mutterhaus der Franziskanerinnen, bis ihn seine Tante im Konvent aufklärt: "Des isch die andre Kirch, du Bachel!" Mit knurrendem Magen gibt es aber dort, wo er sich durchs "Buffet spachteln" wollte, nur noch Zwiebelkuchen. Und so lautet die mehrstimmig gesungene Moral der "Sägerei": "Bruder Franz, trink en Schluck, sell hilft meist, Klosterfrau Melissengeist."

Klerikal geht’s weiter: Mit zwei Helfern in weiß-rotem Messdiener-Ornat kommen die "Kirchplatzschnallen" und berichten im Stile eines Akklamations-Gebets. Über Pfarrer Benno Gerstners Abgang singsangen sie nur: "Gott sei dank, den sin mir los – Halleluja!" Weil es im "Herrengarten" spuke, hätte die "Walli" "unseren Monsignore Wolfgang Kolodzy" zum Exorzismus gebeten. Doch die Geister, die dieser Pfarrer in der Wolfacher Gaststätte beschworen hätte, bringen laut den Damen leider noch mehr Probleme. Und so rufen die "Kirchplatzschellen" per Schnurre die Obrigkeiten an, denn "wenn mer de ›Herregarte‹ in Wolfe abreißt, isch sicher koinem gholfe".

Weltlich und wie zum Abschied treten "Wunderfitz un Brägelschnitz" in Frack, Kostüm und mit Schärpen an: Doch ihr Lebewohl gilt den Verlusten im Städtle, zu allererst dem klerikalen: "Bennos Abgang". Den besingen sie mit "Freiburg hat das letzte Wort, de Bischof rief ihn zum Rapport. Benno muss endgültig fort, nach Beuron oder sonschtnem Ort." Doch auch Kordula Kovac bekommt für ihr Ausscheiden aus dem Rat mit Begründung beim Neujahrsempfang – "da tritt sie nach zum letzten Mal" – eine Schnurre.

"Drum hebe euer Glas ihr Lit, war des nit e schöne Zit", so hebt die Gruppe auf weitere Geschäftsaufgaben das Glas und auch der Bürgerinitiative gegen die Windkraftanlagen im Wolftal rät sie, doch Atommüll statt dessen im Schwarzwald einzulagern – bis sie sich mit "Narro" vom Publikum im "Adler" verabschiedet.

Dort nehmen sich die "Mauerblümle" nun des Narrenvaters Urlaub an – ­für ihn eine Zugabe, für das Publikum sicher ein toller Schnurrschluss.

  
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