
Von Peter Buchholz Wolfach. "Rock around the Nierentisch" – die Stadtkapelle Wolfach hat mit dem Musikerballmotto mal wieder voll ins Schwarze getroffen. In der Kluft der 50er-Jahre hatten die Besucher in der Wolfacher Festhalle viel Spaß. Zu sehen war farbenfrohe Damenmode mit gepunkteten Röcken und Kleidern, während bei den Männern Jeanshosen, Lederjacken und legere Anzüge, kombiniert mit Haartolle, dominierten. In diesem Outfit feierten die Narren ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden. Dabei war die Fantasie der zahlreichen Ballbesucher aus nah und fern grenzenlos.
Auf einem Maskenball hatte einst Hans Hauser die als Schwarzwaldmädel verkleidete Sekretärin Bärbel kennengelernt. Diese Geschichte wiederholte sich beim Musikerball ebenso wie die des in den 1950er-Jahren beliebten Filmpaars Sonja Ziemann und Rudolf Prack, und auch "Das Wunder von Bern" wurde ins Gedächtnis gerufen. Allerdings war die Weltmeisterelf von 1954 diesmal weiblich. Zudem gastierte Elvis gleich mehrfach in der Festhalle, und die legendäre Wolfacher "Milchbar", aber auch die anrüchige "Ausziehbar", luden zum Verweilen zwischen den Tanzrunden ein.
In Röhrenfernsehern war das Programm der ARD in Schwarz-Weiß zu sehen. Später flimmerte dann alte Kinowerbung über die Leinwand, und die angehenden Wirte alias Jochen Huber und Mathias Schmieder nahmen das seit zwei Jahren leerstehende Objekt der zukünftigen "Milchbar" unter die Lupe. Die "Chordettes" der 1950er faszinierten wie einst, hießen jedoch Maren Fleig, Sina Jachimowski und Simone Müller. Zudem wollte Trude Herr alias Jens Dieterle lieber einen Mann statt Schokolade. Auch Hannah Schiekofer erntete Beifallsstürme für ihren Auftritt mit dem "Schub-Schub-Song". Dass Putzfrauen nicht nur putzen, bewies die närrische Oberwolfacher Showtanzgruppe mit nostalgisch-prickelnder Erotik.
Schlag auf Schlag ging es weiter. Jo Riester mit der Big Band der Stadtkapelle gab "die süßesten Früchte" den großen Tieren zum Fressen, und Rüdiger Weiß ließ sich als Jackie Wilson nicht weniger süße Milchbar-Cocktail-Variationen servieren.
Zum Dahinschmelzen war die musikalische Darbietung von Maren Fleig, die Maximilan Müller mit "The time of my life" für einige Minuten umgarnte. Danach wartete Manuela Armbruster stilecht mit einem 1950er-Jahre-Schlagermix auf. Angehimmelt und mit roten Rosen überschüttet wurde Jonny Walker alias Roland Riester, als er im weißen Anzug den Klassiker "Only You" von "The Platters" für drei Schönheiten gleichermaßen herzergreifend darbot.
Zu "Let’s Twist Again" wirbelte das Tanzballett in einer männlich-weiblichen Mischung über die Festhallenbühne, ehe das Publikum Elvis Presley alias Harry Riester frenetisch zukreischte. Auf die Frage des Milchbar-Wirts, was Elvis denn spielen wollte, antwortete dieser: "A medley", was den Wirt doch irritierte, denn "Ä Mädle isch bi uns ä Person". Das musikalische Feuerwerk begeisterte die Zuschauer in der Festhalle. Mehrfach forderte das Ballpublikum lautstark Zugaben. Diese gab es nach dem Abspann von Stadtkapellen-Geschäftsführer Horst Polus, als zum Schlussstück der Big Band noch einmal alle Akteure auf der Bühne waren.