Von Evelyn Jehle Wolfach. "Tafelfreuden Herrengarten" servierte seinen Gästen am Mittwoch Leckereien, und Kabarettist Uwe Spinder mit Blick auf die politische Lage im Ländle richtige Happen fürs Denkvermögen. Gaumen und Gehirn hatten mächtig was zu tun."In Wolfach ist die Kultur zu Hause", lieferte Spinder angesichts des überschaubaren Publikums gleich eine Kostprobe seines doppelbödigen Wortwitzes. Per Schienenverkehr von Stuttgart nach Wolfach angereist, erfreute sich auch die Deutsche Bahn Spinders besonderer Aufmerksamkeit.

Beim Fahrkartenkauf am Vortag waren von 20 Schaltern am Hauptbahnhof Stuttgart zwei geöffnet und nach über einer Stunde Wartezeit in der Schlange der Servicemitarbeiter mit Zielbahnhof Wolfach hoffnungslos überfordert. "Hemmer glei, hemmer glei", sah man den Mitarbeiter förmlich in den Seiten blättern. Mit drei Stichwörtern im Bahnkatalog verzeichnet, fragte sich Spinder, ob Wolfach ein Bahnhofsprojekt S 22 laufen habe.

Apropos Bahnhofsprojekt: Der "Bahnsinn mit dem Wahnhof" habe letztendlich mit zu einem politischen Machtwechsel geführt, dessen neuer Führungsstil nur als schwäbisch-sakral bezeichnet werden kann.

Landeschef Winfried Kretschmann spreche so langsam, dass "das Denken beim Sprechen die Richtung wechseln kann" ganz im Gegensatz zum Vorgänger, dem "Brutus aus Pforzheim". Spinder vermutete, dass Stefan Mappus wohl ins Europa-Parlament wechselt, und wie andere "verdiente Landesväter" seine "Restlaufzeit ausstrahlt" wie beispielsweise Günther Oettinger, der als EU-Energiekommissar reichlich "heiße Luft" absondere.

Mit "Cem, we can" stichelte Spinder gegen Cem Özdemir, dem "Spätzle Obama", der ein Hintertürchen für schwarz-grüne Bündnisse offen lassen wolle. Wolfgang Schäubles Aussage, dass mit seiner Fiskalpolitik ein kleines Vermögen zu machen sei, stimmte Spinder zu – falls man vorher ein großes hatte.

Die Frage einer bekannten Boulevardzeitung "Kann Peer Kanzler?" stellte sich für den Stuttgarter nicht, denn die große Koalition zeichne sich ab und dem Volk werde ein Wahlkampfaffentheater vorgespielt – es sei denn, der 94-jährige Helmut Schmidt bekommt noch einmal Lust, die Politszene aufzumischen. Falls das nach Oggersheim (Wohnsitz Helmut Kohls) durchsickere, sei ein Wahlkampf der Rollator-Giganten zu erwarten.

Nach der Pause knöpfte sich Spinder unter anderem die Bildungsmisere, das Phänomen Facebook, den Generationenkonflikt und diverse Reformvorhaben vor. "15 Währungen sind weggefallen aber kein einziger Steuerparagraf in Deutschland", lästerte Spinder und sinnierte über die durcheinander geratenen Zeiten, in denen ein Rentner bei der S 21-Demonstration bei einem Wasserwerfereinsatz verletzt wird, während Jugendliche "Gefällt mir Buttons" bei Facebook anklicken.

Mit Aphorismen und Wortspielereien als Zugaben endete das Gastspiel des Stuttgarters, bei dessen Vorstellung schon aufmerksam zugehört werden musste, um die Pointen nicht zu verpassen. Und Spinder ging so, wie er gekommen war: Er fuhr mit dem Spätzug zurück nach Stuttgart – allerdings über Karlsruhe, der einzigen noch möglichen Verbindung zu dieser Zeit.