Wolfach Baustelle mitten im Museum
Markus Adler, 01.06.2012 01:00 UhrWolfach - Wer bei der Ausstellung "Wolfach im Wandel" ästhetische Schautafeln oder ordentliche Vitrinen erwartet, hat die Macher von "Kultur im Schloss" schlecht eingeschätzt. Passend zum Thema gibt es bei der Eröffnung am heutigen Freitag um 19 Uhr im Museum eine Baustelle der Stadtsanierung zu sehen.
Allerdings ist die museale Baustelle, die mit Bauzäunen und anderen Accessoires (geliehen von der Firma Zeibig) aufwartet, garantiert lärmfrei und was sich an Staub in den Räumlichkeiten befindet, ist garantiert nicht Teil der Inszenierung von Christian Oberfell und seinem Team. Mit Hilfe von alten Fotos haben Margarete Dieterle und er vier große Poster in Zusammenarbeit mit der Firma Bonath Werbung erstellen lassen, die das Thema "Stadtsanierung" auf den Punkt bringen.
Zu sehen sind der Abriss von alten Häusern und Stadtansichten, die nicht etwas Fertiges zeigen, sondern den Wandel und den Prozess der Veränderung. "Wir wollen auch bei der Eröffnung keine großen Reden, sondern sind uns ziemlich sicher, dass die Leute beim Anblick der Bilder zu diskutieren beginnen werden", erläutert Christian Oberfell den Ansatz. Margarete Dieterle ergänzt: "Die ganze Stadtsanierung war bei den Wolfachern auch mit vielen Ängsten und Befürchtungen verbunden." Am besten beschreiben lässt sich dies mit einem hochoffiziellen anonymen Brief an Bürgermeister Züfle von 1981 mit hartem Tobak – heute eingerahmt fast ein Prunkstück der Ausstellung.
Doch die Macher bilden nicht nur die Veränderungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab, sondern spielen auch mit anderen Epochen der Wolfacher Stadtgeschichte: So wurde das altbekannte Stadtbild aus dem 17. Jahrhundert unter Glas im Modell hervorgeholt und auf eine schiefe Ebene aus Metall gepackt und wirkt nun viel größer als vorher. Geholfen hat hier die Firma Schmieder Metallbau, damit das Modell aus den 1950er-Jahren viel stärker zur Geltung kommt.
Doch noch andere verborgene Schätze aus dem Rathaus haben die Initiatoren im wahrsten Sinne des Wortes "ausgegraben" – wie zum Beispiel die Pläne für ein stilistisch schönes Torhaus an der Stadtbrücke aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. "Wir danken vor allem auch Martina Hanke von der Stadtverwaltung, die uns unterstützt hat", erläutert Oberfell und berichtet, dass die beiden "Kuratoren" für die Ausstellung mehr als 400 Bilder gesichtet und auch eingescannt haben.
Im Gegensatz zu den fast pädagogisch durchgestylten Ausstellungen zu Theodor dem Seifensieder oder auch dem Glasmaler Peter Straub wirkt die Wandelausstellung vom Ansatz viel experimentieller und fast etwas konfrontativ. Auf vier Baustellenzäunen finden sich – freilich nach Straßen und Abschnitten sortiert – zahllose Schnappschüsse aus der Geschichte vor und während der Sanierung.
"Die Zielgruppe sind natürlich die Wolfacher", erläutert Christian Oberfell. "Aber wir gehen davon aus, dass ihnen dies zeitlich natürlich näher ist als die Seifensiederzeit. Wir wollen ihnen die Vielfalt zeigen und sie zur Diskussion anregen." Anschaulichkeit ist ein wichtiger Ansatz in der Ausstellung, weswegen zum Beispiel auch die Modelle des Architektenwettbewerbs für die Neugestaltung der Vorstadt zu sehen sind – quasi als Streiflichter der umfangreichen Diskussion. Als "Dreingabe" sind die Gold- und Silbermünzen aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe zu sehen, die bei Erdarbeiten vor Ort in der Vorstadt zufällig gefunden wurden.
Auf alle Inhalte einzugehen, ist an dieser Stelle nicht möglich, aber auch der Tunnelbau wird als eine wichtige Voraussetzung der Stadtsanierung diskutiert – inklusive der Veränderungen, die das für Wolfach mit sich brachte, wie auch der Wegfall des Freibads am Sportplatz.
Zu sehen sind nicht nur Bilder aus der Bauphase, sondern auch filmische Eindrücke aus dem umfangreichen Archiv von Frieder Welle wie die Tunneleinweihung mit dem ganzen Theater um den Teufelsauftritt.
Ergänzt wird die Wandel-ausstellung von einem Bilderrätsel, bei denen die Besucher verschiedene Ansichten einem möglicherweise schwierig zu bestimmenden Gebäude zuordnen können. Gleichzeitig mit der Ausstellung wird die neu gestaltete Flößerstube als Dauerausstellung eröffnet, die dabei eine typische Stube zeigt, als wären die Männer gerade erst nach Hause gekommen.
Weitere Informationen: "Wolfach im Wandel", bis 8. Juli: Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr, Eintritt: zwei Euro.



