Wolfach - Der Haiti-Verein "Pwojé men kontre" hat am Freitag gegen 14 Uhr einen Container mit 6,5 Tonnen Hilfsgütern auf die Reise nach Haiti geschickt. Darin sind unter anderem alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Kleidung, Bettwäsche, Schreibzeug und Spielzeug."Die Lieferung beinhaltet aber auch technische Geräte wie eine Solaranlage, eine Ölpresse und ein Ultraschallgerät", berichtet Georg Lehmann vom Vorstand des Vereins.

Der Container hat eine weite Reise vor sich: Auf einer ersten Etappe wird er auf einem Laster nach Stuttgart transportiert. Dort geht es mit dem Zug weiter zum Hamburger Hafen. Von dort aus geht es mit dem Schiff über den Atlantik Richtung Karibikinsel. "Der Transport dauert vier bis fünf Wochen", sagt Lehmann. Doch damit ist es nicht getan. Angekommen in Haiti vergehen viele weitere Wochen bis die Hilfsgüter zu den Empfängern kommen. "Es dauert ein bis zwei Monate bis der Stempel am haitianischen Zoll drauf ist und der Container ins Land kann", sagt Lehmann. "Das ist ein großes Problem in Haiti, dass alles so lange dauert." Die Hilfsgüter würden von der Bevölkerung dringend gebraucht. Durch das Warten am Zoll verginge wertvolle Zeit.

Der Inhalt des Containers kommt insbesondere einer Schule und einem Kinderheim in der Gemeinde Beaumont zugute. Sie liegt im Westen des Inselstaats mit rund neun Millionen Einwohnern – abseits der Hauptstadt Port-au-Prince. Zudem soll mit den Gütern weiter an einem landwirtschaftlichen Projekt gearbeitet werden. "Wir versuchen seit einiger Zeit, in dem Bereich dort etwas aufzubauen", sagt Lehmann.

Zweiter Container

Der 2003 gegründete Verein mit dem Namen "Pwojé men kontre" schickt regelmäßig ehrenamtliche Helfer in das bitterarme Land, das im Januar 2010 von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Unter anderem ist die Wolfacher Vereinsgründerin und Vorsitzende Anke Brügmann derzeit in Haiti, berichtet Lehmann. Auch zwei Zahnärzte seien gerade vor Ort und kümmern sich um die zahnmedizinische Betreuung der Kinder. Der Container ist der zweite, den der Verein auf die Insel schickt. Die Güter kommen durch Spenden zusammen. So zum Beispiel auch das Ultraschallgerät. "Es wurde bei uns ausrangiert, ist aber noch funktionsfähig", erklärt Lehmann. Was bei uns weggeworfen werden soll, werde in Haiti oft dringend gebraucht.

Das Depot des Vereins, in dem alle Hilfsgüter gesammelt werden, ist in Bad Rippoldsau-Schapbach. "Die katholische Frauengemeinschaft hat alles sortiert und verpackt", berichtet Lehmann. Insgesamt seien 364 Kartons und Kisten gefüllt worden. Jeder Karton bekomme ein Etikett und werde dann mit Folie eingewickelt, um vor Feuchtigkeit geschützt zu werden. "Das Einwickeln und Verladen haben die Schapbacher Fußballer übernommen", informiert Lehmann.

In dem Container sind neben vielen praktischen Sachen auch ein paar Dinge für den Spaß am Leben: Unter anderem zwei Sätze Fußballtrikots. "Das ist ganz wichtig für die Kinder dort, nicht nur für die Jungs", sagt Lehmann, der viermal in Haiti war, zuletzt 2010. Außerdem beinhaltet die Lieferung eine Kiste mit Verkleidung. Das Lachen soll auch nicht zu kurz kommen.