Gymnastik – das war noch nie so richtig mein Ding. Weder im Sportunterricht in der Schule noch im Freizeitbereich. Und so bin ich auch an diesem Donnerstagabend etwas skeptisch und auch nervös, als ich an der Herlinsbachschule in Wolfach eintreffe, wo sich die Skizunft zur Gymnastik trifft.

Kann ich da überhaupt mithalten, sind das vielleicht alles totale Fitness-Kanonen? Der erste Teilnehmer sieht eigentlich ganz normal aus und ist nach einer längeren Verletzungspause das erste Mal wieder mit dabei. Der Übungsleiter Klaus Sedlmeyer hat ein paar Seile und irgendwelche Reifen in der Hand und baut nach einer kurzen Begrüßung in der Halle einen Parcours mit 15 bis 20 Medizinbällen auf einer Basis von kleinen Ringen auf – mir schwant nichts Gutes.

Die Gruppe ist gemischt – zwei junge Leute sind dabei, die meisten sind männlich und geschätzt um die 40 Jahre. Der Auftakt ist locker, denn da alle erstmal joggend im Kreis laufen, mache ich das auch und drehe so erst einmal ein paar Runden. Das kenne ich ja schon, doch laufe ich lieber mal langsam los.

Dann die ersten Übungen: Bewegung um die Medizinbälle mit Koordinationsübungen wie seitliches Übersteigen, Handkontakt, seitliches Bewegen oder Rückwärtslaufen. Das ist alles zunächst einmal kein Hexenwerk, aber die Übungsfolge ist dicht mit Wechseln alle zwei bis drei Minuten und bringt mich rasch ins Schwitzen. Die Leistungsspanne um mich herum ist ebenfalls sehr gemischt und reicht von Raketentempo bis zu eher gemächlich – ich bewege mich im unteren hinteren Mittelfeld, versuche irgendwie mitzuhalten, aber ohne mich gleich in den ersten zehn Minuten so zu verausgaben, dass ich zusammenbreche.

Der erste Lackmustest kommt mit einer Belastungsübung etwa nach einer Viertelstunde: 60 Sekunden Bewegen und dabei soviele Medizinbälle wie möglich berühren. Die erste Gruppe legt gleich los wie die Feuerwehr: Die junge Frau bei der ich mitzähle, schafft mehr als 51 Kontakte. Nun bin ich an der Reihe: Es ist leichter, als ich zunächst gedacht habe, aber eine Minute kann soviel länger sein, als man es selbst vorher gedacht hätte. Ich schaffe 47 Kontakte, obwohl mir nach 45 Sekunden deutlich die Puste ausgeht. Pulskontrolle: Gute 140 messe ich, doch anders bei den regelmäßig Trainierenden braucht bei mir die Regenerationsphase deutlich länger.

Die Stunde der Wahrheit folgt im zweiten Umlauf: Die Cracks liegen nur unwesentlich unter ihren Werten in Runde eins, doch bei mir ist die zweite Runde deutlich langsamer und mit etwa 35 Kontakten deutlich unter der "Power"-Runde. Und auch der Puls geht diesmal deutlich nach oben – Richtung 160. Dem prüfenden Blick von Sedlmeyer entgeht das nicht: "So richtig fit sind Sie nicht", meint er ganz trocken und rät mir, mich nicht zu überanstrengen. Nach dieser Runde bin ich ziemlich geschafft und froh, dass es nun etwas gemütlicher zur Sache geht.

"So richtig fitsind Sie nicht"

Nun geht es mit einer Bank auf Rollen auf die Reise zwischen den Medizinbällen – mal vorwärts, mal rückwärts und auch seitlich dazwischen. Hier wird das Tempo variiert, die Geschicklichkeit durch Slalommanöver getestet und das Koordinationsvermögen in der Gruppe auf die Probe gestellt. Weil ich als Schwerster meiner Gruppe hinten sitze, geht bei uns rückwärts schneller als vorwärts. Richtig lustig wird es, als einer der Probanden mit Seil wie ein Wagenlenker den "Streitwagen" ausbalancieren soll. Das klappt bei mir recht gut, obwohl immer eine gewisse Restfurcht bleibt, in der Kurve von der Bank zu kippen.

Bisher war das Ganze alles andere als gymnastiklastig und ganz anders als ich mir so eine Übungsstunde eigentlich vorgestellt hatte. Viel mehr Bewegung, viel mehr spielerische Elemente und eine deutlich stärkere Betonung der Schnelligkeitsausdauer, lautet meine persönliche Zwischenbilanz.

Nun folgt auf einer Matte die Gymnastik in der Gymnastikstunde. Koordinationsübungen mit Armen und Beinen an der Bank, Bewegungen zur Entlastung der Wirbelsäule und kraftstärkende Abläufe werden geprobt. Übungsleiter Klaus Sedlmeyer ist sich sehr bewusst, wie schnell eine Stunde herum ist und behält sein atemberaubendes Tempo bei der Abfolge der Übungen bei. Das hat für mich zur Folge, dass ich bei manchen Übungen gar nicht so schnell verstehe, was er genau will und manche Übung nicht wirklich nachhaltig ausprobieren kann.

Bei der Gymnastik ist bei mir wie schon in der Schule eine klare Zwei-Klassen-Gesellschaft angesagt: Bei halbwegs einfachen Bewegungen mit den Beinen geht es einigermaßen, da ich oft radfahre und laufe, doch alles, was Kraft mit den Armen erfordert, endet nach kurzer Zeit mit dem erfolgreichen Einknicken der tapferen Übungsversuche. Da sind mir die meisten Gruppenmitglieder deutlich überlegen, denen anzumerken ist, dass sie regelmäßig an den Übungsstunden teilnehmen. Die Cracks sind meistens schon einige Galaxien weiter, wenn ich gerade das erste bewegungstechnische Landemanöver am Start habe.

Zum Schluss gibt es ein Zehn-Minuten-Bonbon

Zum Schluss gibt es wie in der Schule noch ein ganz kurzes Zehn-Minuten-Bonbon: Volleyballspiel mit einem ultraleichten Ball – das liegt mir deutlich mehr als Gymnastik, obwohl ich mich nur schwer daran gewöhnen kann, dass der Ball mindestens von zwei Leuten auf meiner Seite berührt werden muss. Das macht richtig Spaß, ist aber viel zu schnell wieder vorbei.

Fazit: Die Gymnastikstunde ist deutlich spannender als gedacht, macht aber nur Sinn, wenn sie regelmäßig besucht wird. Positiv fand ich die Offenheit der Gruppe und auch der Fokus auf Bewegung. Allerdings sind die Mädels und Jungs von der Wolfacher Skizunft nicht untrainiert, fahren nicht nur auf der weißen Pracht herum, sondern erklimmen im Sommer per Mountainbike die Hänge der Umgebung – die Gymnastik ist für Leute mit einer guten Grundlage.                  Markus Adler

Weitere Informationen: Skizunft Wolfach: Gymnastik jeden Donnerstag um 19.30 Uhr in der Herlinsbachhalle mit Klaus Sedlmeyer.