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Wolfach Grieshaber-Wehr: Weiteres Gespräch

Schwarzwälder-Bote, vom 27.01.2012 20:52 Uhr
Die Zukunft des Grieshaber-Wehrs ist weiterhin offen. 
Foto: Adler Foto: Schwarzwälder-Bote
Die Zukunft des Grieshaber-Wehrs ist weiterhin offen. Foto: Adler Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Thomas Möller-Schaller

Wolfach. Wenn im kommenden Jahr die Wasserrahmenrichtlinie der EU umgesetzt wird, droht der Abriss des Wolfacher Grieshaber-Wehrs und damit das Aus für die Möglichkeit, dort die Wasserkraft der Kinzig zu nutzen (wir haben berichtet).

Bürgermeister Gottfried Moser betonte gestern in einem Pressegespräch, dass er sich seit 1992 immer wieder für die Wasserkraft eingesetzt habe. Auch der Gemeinderat habe 2005 den einstimmigen Beschluss gefasst, diese zu fördern. Natürlich, so Moser, habe der Hochwasserschutz stets Vorrang, "denn hier geht es um Hab und Gut".

Und das scheint die Gretchenfrage zu sein: Steht die Nutzung der Wasserkraft am Grieshaber-Wehr dem von der EU angestrebten besseren Hochwasserschutz entgegen? Nach Ansicht von Bürgermeister Moser nicht. Die Behörden wollten sie aber einfach nicht zulassen. Der Bürgermeister sprach wörtlich von einer "absoluten Ablehnung bei den Behörden". Gleichzeitig räumte Moser aber ein, dass die Gutachten des von der Landesregierung beauftragten Ingenieurbüros River Consult sehr fundiert seien und Aspekte wie Hochwasserschutz, Fischerei und Gewässerbiologie zu berücksichtigen hätten.

Schützenhilfe gegen die Behörden – namentlich Landratsamt, Gewässerdirektion und Regierungspräsidium – bekommt Moser von Thomas Kipp, dem Ortsvorsteher von Vorderlehengericht und selbst Wasserkraftwerksbetreiber, sowie Reinhard Georg Koch, der ebenfalls aus fließendem Wasser Strom gewinnt. Sie können sich nicht vorstellen, dass das Grieshaber-Wehr einem verbesserten Hochwasserschutz im Weg steht, und fordern Einsicht in die Gutachten, die der Stadt Wolfach bereits vorliegen. Von besonderem Interesse, so Kipp, sei die Lage des Wasserspiegels bei 50- und 100-jährlichen Hochwasser-Ereignissen. Moser, der über diese Daten verfügt, verwies seinerseits darauf, dass er die Unterlagen nicht herausgeben dürfe, weil sie dem Regierungspräsidium gehörten. Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser gebe es an der Kinzig in Wolfach ohnehin nicht. Allerdings, so sehen es Kipp und Koch, werde bei diesem Ereignis nicht das Grieshaber-Wehr, sondern eher die Stadtbrücke das Problem sein, "denn der Querschnitt beim Wehr ist deutlich größer als unter der Brücke", sagte Kipp. Er schlug vor, die jetzige Wehrklappe durch ein hydraulisch anders angetriebenes Modell zu ersetzen und das Wehrhäuschen abzureißen, das momentan in den Querschnitt hineinrage. Dafür könne dann eine Fischtreppe gebaut werden. "Auf diese Weise gäbe es keine Verschlechterung für den Hochwasserschutz, aber man könnte 500 000 Kilowatt Strom produzieren", so Kipp.

Der Ortsvorsteher sagte ferner, er könne nicht nachvollziehen, dass mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und der EU-Wasserrahmenrichtlinie "genau solche Standorte wie das Grieshaber-Wehr gefördert werden sollen, es in Wolfach aber nicht gewollt wird".

Bürgermeister Gottfried Moser sagte, er strebe ein weiteres Gespräch mit dem Regierungspräsidium an, an dem auch Thomas Kipp und Reinhard Georg Koch teilnehmen sollten. Ferner werde er die Gewässerdirektion darum bitten, die Pläne zur Wasserrahmenrichtlinie einmal öffentlich vorzustellen.

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